2019 jährt sich der Todestag Rembrandt van Rijns zum 350. Mal. Das Amsterdamer Studio CapitolaVR entwickelte eine AR-Erfahrung, die Nutzer in das wohl berühmteste Gemälde des niederländischen Malers eintauchen lässt. Ich habe sie ausprobiert und bin begeistert. 

Das Bild “Die Anatomie des Dr. Tulp” aus dem Jahr 1632 zeigt den titelgebenden Arzt sowie weitere Mitglieder der Amsterdamer Chirurgengilde, die um einen Leichnam gruppiert sind und gespannt den Ausführungen des Doktors lauschen.

Mit der Smartphone-App “Rembrandt Reality” öffnet man per AR-Projektion ein Portal in das Gemälde. Tritt man hindurch, steht man im gleichen Raum wie die Ärzte, kann frei darin herumgehen, die Szene aus der Nähe und aus ungewohnten Perspektiven betrachten. Die reale Umgebung ist komplett ausgeblendet, um die Immersion zu steigern.

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Die App öffnet ein magisches Portal. Screenshot: Mixed.de

Für die 3D-Version des Gemäldes wurde die Szene in der Realität nachgestellt und digital eingefangen. Die Entwickler engagierten Schauspieler, die den Figuren in Rembrandts Gemälde ähneln und richteten sie für die Szene her.

Anschließend wurden sie von Dutzenden Kameras in 3D gescannt. In einem letzten Schritt wurden die Hologramme digital nachbearbeitet, um eine noch stärkere Ähnlichkeit mit den Figuren auf Rembrandts Gemälde herzustellen.Rembrandt_Reality_2In einem 3D-Studio wurden die Schauspieler von allen Seiten eingefangen. BILD: CapitolaVR

Der Detailgrad der 3D-Darstellung ist beeindruckend für eine AR-App. Besonders schön: Die Umgebung, die im Gemälde nur angedeutet ist, wurde für die AR-Version voll rekonstruiert. Dadurch wirkt die Erfahrung noch echter.

Berührt man einzelne Hotspots werden kompositorische Besonderheiten und die historischen Hintergründe des Gemäldes erklärt. So erfährt man, dass der sezierte Mann wegen wiederholten Diebstahls hingerichtet wurde.

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Rembrandt Reality ermöglicht neue Perspektiven auf Rembrandts Werk. Screenshot: Mixed.de

Für Virtual Reality gibt es zahlreiche Erfahrungen, die das Eintauchen in klassische Gemälde erlauben. Der bislang überzeugendste Versuch ist Art Plunge für Oculus Go und Samsung Gear (eine kostenlose Version findet man hier). Rembrandt Reality tut das Gleiche für Smartphone-AR auf einem ähnlich hohen technischen Niveau.

Die AR-Erfahrung wurde vom niederländischen Versicherungsunternehmen Nationale Nederlanden und dem Den Haager Mauritshuis Museum in Auftrag gegeben, in dem Rembrandts Gemälde heute hängt.

Rembrandt Reality ist kostenlos für Android und iOS erhältlich.

Zwei passende App-Tipps:

Mit dem “Art Projector” der Google-App Arts & Culture lassen sich in ultrahoher Auflösung gescannte Gemälde zahlreicher Künstler per Augmented Reality in den realen Raum proijizieren und aus der Nähe betrachten – so als würden sie direkt vor einem hängen.

Rembrandt-Fans kann ich die hübsch gemachte VR-Erfahrung “Meeting Rembrandt: Master of Reality” empfehlen. Darin reist man ins Amsterdam des 17. Jahrhunderts und trifft den Künstler in seinem Atelier. Die App gibt es kostenlos für Oculus Go und Samsung Gear VR.

Titelbild: CapitolaVR

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