Facebooks große Metaverse-Wende: Zuckerberg bereut nichts

Facebooks große Metaverse-Wende: Zuckerberg bereut nichts

Meta investiert in eine ungewisse Zukunft, die das Unternehmen schon heute teuer zu stehen kommt. Zuckerberg sagt in einem Interview, warum.

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Es ist mehr als ein halbes Jahr her, dass sich Facebook in Meta umbenannte und auf das Metaverse ausrichtete. Der Aktienwert des Unternehmens fiel seither um mehr als 40 Prozent.

Das liegt nicht oder zumindest nicht allein an der radikalen Neuausrichtung. Metas soziale Netzwerke wachsen kaum noch und Apples Datenschutzmaßnahmen machen Druck aufs Werbegeschäft. Aber dass Zuckerberg jährlich mehr als zehn Milliarden US-Dollar in die Entwicklung unbewährter Zukunftstechnologien steckt, erregt ebenso Besorgnis bei Aktionären.

Meta reagiert mittlerweile auf den Druck und kündigte Kürzungen an, die unter anderem die Reality Labs betreffen, Meta große VR- und AR-Abteilung. Einige Projekte will sich das Unternehmen nicht mehr leisten, andere verschieben, hieß es.

Die Unausweichlichkeit von VR und AR

Einen Rückzieher sollte man nicht erwarten. Trotz schwieriger Umstände: Zuckerberg setzt weiterhin alles auf eine Karte, mit einer unternehmerischen Radikalität, die ihresgleichen sucht. In einem Interview mit dem Techmagazin Protocol erklärt Zuckerberg, weshalb.

„Wir haben eine Reihe von Wandlungen durchlaufen. Als ich anfing, war es primär Text. Dann kamen Telefone mit Kameras und Fotos. Nun besteht die Hälfte der Facebook-App aus Videos. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Es wird stets immersiver. Ob es wie eine große Wette aussieht oder nicht, ich denke, es ist unvermeidlich, dass so etwas [wie Augmented Reality und Virtual Reality] erfunden wird.“

Meta sei gut aufgestellt, ein solches Risiko einzugehen und zehn bis fünfzehn Milliarden US-Dollar jährlich in Forschung und Entwicklung zu stecken. „Manche Leute halten es für eine gute Wette, andere für eine schlechte. Aber letzten Endes glauben nicht viele Leute, dass wir deswegen Gefahr laufen, pleitezugehen.“

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Zwei Dekaden Metaverse

Zuckerberg stellt heraus, dass Meta ein untypisches Unternehmen ist. Untypisch insofern, als Zuckerberg die Mehrheit der Aktien hält und radikalere Entscheidungen treffen kann.

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„Ich möchte in einer Welt leben, in der große Unternehmen ihre Ressourcen nutzen, um große Würfe zu machen. […] Ich fühle mich dafür verantwortlich, es zu versuchen. Die Position zu nutzen, in der wir uns befinden, um Wetten einzugehen und die Dinge auf eine Art und Weise voranzutreiben, wie es andere vielleicht nicht tun würden.“ Als Zeitrahmen gibt Zuckerberg die nächsten 20 Jahre an. Das ist länger, als Facebook existiert.

Dass Meta noch viel aufholen muss, weiß Zuckerberg. Roblox, Fortnite, Minecraft: Die großen Proto-Metaversen spielen anderswo. Meta habe den Vorteil, dass viele Menschen die eigenen sozialen Netzwerke nutzen und dass sie viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken können. Metas Metaverse-Plattform Horizon stecke noch in den Kinderschuhen und sollen in den nächsten ein bis zwei Jahren „dramatische Fortschritte“ machen, so Zuckerberg.

Horizon soll zu einer offenen Plattform werden – aber wann?

Damit das Metaverse ein echtes Metaverse ist, muss es interoperabel sein. Horizon hat diese Eigenschaft genauso wenig wie die Konkurrenz. Jede Plattform existiert nur für sich selbst. Deshalb sagte Zuckerberg von Anfang an, dass das Metaverse von vielen Unternehmen gebaut werde und nicht von Meta allein.

Der CEO stellt in Aussicht, dass sich Horizon öffnen könnte, jedoch ohne konkrete Maßnahmen und Zeitrahmen zu nennen. Zuerst müsse das Team die Grundlagen legen und technische Herausforderungen meistern, so Zuckerberg. „Das heißt aber nicht, dass wir nicht an anderer Stelle im Unternehmen an der offenen Plattformseite arbeiten. Wenn man diese Arbeit nicht erledigt, dann wacht man eines Tages auf und hat dieses geschlossene Ding gebaut und es ist superschwer, da wieder herauszukommen.“

Zu guter Letzt geht Zuckerberg auf den für dieses Jahr angekündigten Smartphone-Launch von Horizon ein und konkretisiert zum ersten Mal, was dieser umfassen könnte. „Es wird wertvoll sein, wenn man eine Welt erstellen und sie auf Facebook oder Instagram teilen kann, sodass die Leute von dort aus einfach in eine Welt springen können.“

Die beste Horizon-Erfahrung werde man jedoch mit der VR-Brille haben. „Wir müssen aufpassen, dass [Horizon] nicht in erster Linie ein Smartphone-Erlebnis wird. Es wird sehr wichtig sein, das Gleichgewicht zu finden“.

Quellen: Protocol