Diese VR-Brillen haben das größte Sichtfeld

Diese VR-Brillen haben das größte Sichtfeld

Welche VR-Brille hat das weiteste Field of View? Das Virtual Dimension Center (VDC) Fellbach hat mit einem wissenschaftlichen Messaufbau das Sichtfeld von 14 VR-Brillen auf den Prüfstand gestellt.

Der Messaufbau besteht aus einem standardisierten 3D-Kopfmodell mit Einbuchtungen für Kameras anstelle der Augen, um die menschliche Sicht durch eine VR-Brille nachzustellen. Die Test-Brillen wurden so auf dem Modell positioniert, dass die Kameras genau durch die Mitte der Linsen blicken. Die USB-Kameras wurden für ein weites Sichtfeld mit einem Fischaugenobjektiv kombiniert.

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Der Modellkopf aus drei verschiedenen Perspektiven. | Bild: VDC Fellbach

Für die Erstellung des FOV-Testbildes kam eine halbkugelförmige Plastiksphäre mit horizontaler und vertikaler Gradskala zum Einsatz.Um das Ablesen zu erleichtern, wurden digitale Kreismarkierungen in 5-Grad-Schritten ergänzt.

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Die Plastiksphäre mit Rahmen (links), Kalibrierungszielkreuz (Mitte) und fertigem Testbild (rechts). | Bild: VDC Fellbach

Messungen weichen von Herstellerangaben ab

Die Tests ergaben folgende Rangfolge: Die VR-Brille mit dem größten diagonalen Field of View ist die Pimax 8K mit 141,5 Grad im Large-Modus. Auf Platz Zwei der VR-Brillen folgt die Samsung Odyssey mit circa 102 Grad. Die Standard-Quest befindet sich mit knapp 85 Grad auf den hintersten Plätzen. Die Prüfer schreiben, dass die Messungen teils stark von Herstellerangaben abweichen. Im Falle der Pimax 8K beträgt diese Differenz mehr als 50 Grad.

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Die Pimax 8K bietet ein deutlich weiteres Sichtfeld, das jedoch längst nicht so weit ist, wie beworben. | Diagramm: VDC Fellbach

Das VDC Fellbach führt die Abweichungen auf Marketinggründe zurück oder herstellereigene Testszenarien mit geringerem Abstand zwischen Kamera und Linse.

„Trotzdem liefern die Ergebnisse dieser Messung Gründe, um die offiziellen Herstellerangaben in Frage zu stellen und durch weitere unabhängige Labore untersuchen zu lassen“, schreiben die Tester. „Anbieter und Anwender von Simulationen müssen sich auf exakte Messwerte und Angaben verlassen können, um zum Beispiel die periphere Sicht in Flugzeug-, Automobil- und Schifffahrtssimulationen möglichst realitätsgetreu nachzustellen.“

VR Cover bringen nicht viel

Ein ebenfalls wichtiger Sichtfeldfaktor ist die Stereobild-Überlappung, denn nur in diesem Gradbereich entsteht ein stereoskopischer Tiefeneindruck. Die Pimax 8K führt auch hier, während die Oculus Quest das Schlusslicht bildet, wie folgendes Diagramm zeigt.

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Die Pimax 8K glänzt auch in Sachen stereoskopischer Sicht. | Diagramm: VDC Fellbach

Das VDC Fellbach hat zudem eine Reihe alternativer Gesichtspolster von VR Cover getestet. Da diese mitunter dünner sind als die Standardpolster und die Augen den Linsen so teilweise näherkommen, ergibt sich daraus ein weiteres Sichtfeld für den VR-Nutzer.

Die Testergebnisse sind allerdings ernüchternd: Lediglich beim VR Cover für HTC Vive konnte ein deutlich besseres Sichtfeld von acht Grad erreicht werden.

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Spezielle Gesichtspolster können den Tragekomfort verbessern, die Sichtfeldweite eher nicht. | Diagramm: VDC Fellbach

Leider ist die Liste der getesteten VR-Brillen längst nicht vollständig: Es fehlen beliebte VR-Brillen wie Playstation VR, Valve Index (Test) und Oculus Quest 2 (Test). Ich habe beim VDC Fellbach nachgefragt, ob ein Test dieser VR-Brillen nachgereicht wird, da der Vergleich doch sehr interessant wäre.

Sichtfeldweite: Objektivität gibt es nicht

So wissenschaftlich hier auch gemessen wurde: Das Ergebnis dürfte für jeden VR-Nutzer dennoch ein leicht anderes sein, abhängig davon, wie die individuelle Kopfform und die jeweilige VR-Brille zusammenpassen. Denn erst dadurch ergibt sich der Abstand der Augen zu den Linsen und dadurch das letztendliche Sichtfeld. Aus diesem Grund nennen Hersteller wie Facebook keine konkreten Werte für das Sichtfeld der eigenen VR-Brillen.

In Kapitel 6 des Testberichts gehen die Prüfer auf diese und weitere methodische Einschränkungen der Untersuchung ein, die zu Varianzen führen können.

Wer eine VR-Brille (Vergleich) kaufen möchte, sollte obigen Punkt im Hinterpunkt behalten und sich bewusst sein, dass zu einer guten VR-Optik weitaus mehr erforderlich ist als bloß ein weites Sichtfeld. Man denke an die Auflösung und die Art des Displays und der Linsen.

Der vollständige Werkstattbericht des VDC Fellbach ist frei im Internet zugänglich und enthält zahlreiche weitere Messungen etwa zum horizontalen und vertikalen Sichtfeld.

Entstanden ist der Bericht im Rahmen des Projekts „Applikationszentrum VR/AR“, das durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg gefördert wird. Das gleiche Projekt maß bereits die Präzision von handelsüblichen VR-Trackingsystemen.

Quelle und Titelbild: VDC Fellbach / Studien und Analysen

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