Construct VR: Volumetrischer Film mit Hollywood-Bombast

Construct VR: Volumetrischer Film mit Hollywood-Bombast

Construct VR demonstriert die Stärke volumetrischer Filme. So gut, wie keine andere VR-Erfahrung zuvor.

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Volumetrische Filme sind Filme mit beweglicher Blickperspektive. Die Zuschauer stehen inmitten einer Filmkulisse und können den Kopf in den Raum hinein bewegen oder sogar ein paar Schritte in jede Richtung gehen.

Im Idealfall verbinden volumetrische Filme das Beste zweier Welten: die Hochglanzoptik eines vorgerenderten Hollywood-Animationsflms mit der Immersion räumlicher Virtual Reality. Construct VR will beweisen, dass das technisch möglich ist.

Letzte Woche erschien eine kostenlose Demo des zugrundeliegenden volumetrischen Filmformats und kurz vor Weihnachten der VR-Film selbst. Ich habe ihn mir angesehen und will an dieser Stelle meine Eindrücke schildern.

Construct VR: ein visuelles Spektakel

Construct VR spielt in einer Zukunft, in der Roboter die Menschheit größtenteils ersetzt haben. Wir begleiten den humanoiden Roboter und Bauarbeiter Aiden zu seinem Arbeitsplatz und werden dort Zeuge eines Verbrechens.

Bill wird von den Mördern entdeckt und muss sich gegen ein halbes Dutzend mörderischer Roboter zur Wehr setzen. Was in den folgenden Minuten folgt, ist eine durchchoreografierte Kampfszene, die der Matrix-Trilogie würdig ist.

Der annähernde Fotorealismus ist beeindruckend und optisch mit nichts zu vergleichen, was man aus VR-Spielen kennt, auch nicht mit Half-Life: Alyx.

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Construct VR sieht eher wie ein Realfilm aus als etwas, das mehr oder weniger komplett im Computer entstand. Nur an Objekten in mittlerer Entfernung wie Häusern und Sträuchern erkennt man gut, dass man sich in einer computergenerierten Umgebung befindet.

Ein Film, kein Spiel

Mit der visuellen Brillanz gehen Kompromisse in anderen Bereichen einher. Construct VR ist vorgerendert und erlaubt keine Interaktionen und wer den Kopf aus dem vorprogrammierten räumlichen Sichtbereich bewegt, sieht nichts mehr. Außerdem belegt der Film 27 Gigabyte Speicher. Das ist eine ganze Menge für eine achtminütige VR-Erfahrung.

Sehenswert ist Construct VR dennoch, weil er zeigt, in welche Richtung sich volumetrische Filme bewegen könnten. Ich kann mir vorstellen, einen Hollywood-Film auf Grundlage dieser Technologie zu schauen und ich wäre sicher nicht der einzige, der bereit wäre, dafür auch zu zahlen – sofern die Qualität und Inszenierung stimmt.

Apropos Inszenierung: Die Frage, wie mit den Mitteln eines volumetrischen VR-Films am besten zu erzählen sei, beantwortet Construct VR nicht. Das hier ist eine Techdemo und kein Film, der sich bemüht, erzählerisch neue Wege zu gehen. Obwohl man den Kopf bewegen kann, wird diese Möglichkeit vom Film nicht ausgereizt. Ob man um Ecken schauen kann oder hinter einen Protagonisten: Das spielt narrativ keine Rolle.

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Großes Hollywood-Potenzial

Mindestens ebenso interessant wie kunstvoll choreografierte Action wären kammerspielartige Realfilmszenen, in denen sich menschliche Protagonisten unterhalten. Man stelle sich vor, man könnte sich mittels Virtual Reality in eine Filmkulisse beamen, als unsichtbarer Geist in einer Szene anwesend sein und das nuancierte Minenspiel aus nächster Nähe bewundern.

Das gäbe etwas her, aber ist mit der Construct-VR-Technologie nicht umzusetzen. Der Grund: Construct VR entstand digital im Computer und ist die VR-Adaption eines computergenerierten Kurzfilms gleichen Namens (siehe Video oben).

Menschen lassen sich nur schwer digitalisieren oder so realistisch animieren, dass sie echt wirken. Das Team hinter Construct VR wusste das und versuchte es daher nicht einmal. Die Protagonisten in diesem VR-Film sind also nicht zufällig Roboter.

Volumetrische Realfilme sind gescheitert

Es gab zwar Versuche, volumetrische Realfilme zu drehen, doch die Technologie steckt seit Jahren in der Sackgasse, weil sie schlicht zu aufwendig und kompliziert ist.

Das Start-up Lytro entwickelte sogenannte Lichtfeldkameras und Kompressionsalgorithmen und ging letzten Endes pleite, trotz Investitionen im Wert von 200 Millionen US-Dollar. Kein einziger volumetrischer Film des Unternehmens fand den Weg in die VR-Brille.

Der Robo-Bösewicht nimmt den Robo-Helden in die Mangel.

Der Detailgrad und visuelle Realismus ist beeindruckend. | Bild: PresenZ

Wenn volumetrische Filme einmal Erfolg haben könnten, dann im Bereich digitaler Filme. Da immer mehr Filme komplett im Computer entstehen, wäre es mit optimierten Workflows wohl möglich, sie relativ leicht in ein volumetrisches Format für VR-Brillen zu überführen.

Dass das funktioniert, beweist Construct VR. Filmemacher:innen müssten nur noch herausfinden, wie man mit der Technologie spannend erzählt.

Construct VR könnt ihr für nur 2,39 Euro bei Steam erwerben.

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