Ayahuasca ist der Name einer psychedelischen Substanz, die von Ureinwohnern des Amazonas bei Zeremonien und Heilungsritualen eingenommen wird. Das gleichnamige VR-Erlebnis soll erfahrbar machen, wie sich ein Ayahuasca-Trip anfühlt. In meiner App-Kritik beschreibe ich, wie das Erlebnis auf mich wirkte.

Der niederländische Regisseur Jan Kounen (“Dobermann”, “Blueberry”) reiste mehrere Male in den peruanischen Amazonas, wo er mit Angehörigen des Shipibo-Stammes an Ayahuasca-Ritualen teilnahm. Mit seiner ersten VR-Erfahrung wollte er das Erlebte digital nachbilden.

“Nur mit Virtual Reality hat man die Möglichkeit, eine bewusstseinsverändernde, therapeutische Erfahrung wie das Ayahuasca-Ritual zu durchlaufen. Weil wir immersive Technologien nutzen, die den Zuschauer auf eine Art in die Erfahrung eintauchen lässt, die mit dem Medium Film nicht möglich ist”, sagt der Regisseur gegenüber Variety.

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Ein Shipibo-Schamane führt durch das Ritual. BILD: Atlas V

Das Ritual beginnt

Im Film schlüpfe ich in Kounens Rolle und finde mich tief im peruanischen Dschungel wieder. Ein Schamane sitzt mir gegenüber und fordert mich auf, mich hinzusetzen.

Die Ayahuasca-Brühe habe ich offenbar schon eingenommen, denn nach und nach verschwimmen die Konturen der Wirklichkeit und Visionen setzen ein. Ich sehe Insekten und Schlangen, die sich in kunstvollen Formen um mich schlängeln. Dann setzt der Schamane zum Gesang an. Die Reinigung kann beginnen.

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Schlangen sind das Hauptmotiv des Films und treten in fast jeder Sequenz auf. BILD: Atlas V

Eine fremde Welt

Was ich in den nächsten zehn Minuten zu sehen bekomme, wirkt ungewohnt, ja teilweise sogar verstörend auf mich.

Gleich zu Beginn werde ich von einer Schlange verschlungen und wühle mich durch deren kanalförmigen Körper. Auch an anderen Stellen fühle ich mich wie ein Kleinstlebewesen, das lebende Organe erforscht.

Dann schwebe ich plötzlich durch gewaltige Alien-Bauten voll leuchtender Schlangen oder fliege lichten, filigranen Mustern, Formen und Motiven entgegen. Gegen Ende finde ich mich tief unter der Erde in einer Gruft voller Gebeine wieder.

Während des Films fragte ich mich wiederholt, wie es wäre, Ayahuasca unter Drogeneinfluss zu erleben – und ob der Trip gut oder schlecht enden würde.

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Ayahuasca schreckt nicht vor Darstellungen des Todes zurück. BILD: Atlas V

Visueller Kontrollverlust

Ayahuasca spielt wie der erotische VR-Kunstfilm Viens! mit der Wahrnehmung und übernimmt stellenweise die Kontrolle über die Kamera: Obwohl man still sitzt, dreht sich das Bild, was beim Zuschauer zu Desorientierung und Schwindelgefühlen führen kann.

Das ist durchaus gewollt: Durch diesen Kunstgriff soll die VR-Erfahrung noch eindringlicher werden. Manchen Zuschauern könnte davon jedoch schlecht werden.

Fazit: Eine (einmalige) Reise wert

Wer einen westlichen New-Age-Wohlfühltrip oder eine Reise in ein paradiesisches Jenseits christlicher Prägung erwartet, wird enttäuscht. Ayahuasca ist, jedenfalls für mich, radikal fremd.

Aber ich bin ja auch ein Westeuropäer, der nichts über die Lebenswelt der Amazonas-Stämme und deren Vorstellungen von Natur, Leben und Tod weiß. Ayahuasca war eine interessante, neue Erfahrung, zu der ich aber wahrscheinlich nicht zurückkehren werde.

Bekomme ich wieder mal Lust auf eine trippige VR-Erfahrung, ich würde mir wohl eher den deutschen VR-Film Conscious Existence (Test) ansehen, der zugänglicher und motivisch ansprechender ist. Oder einfach eine Runde das bild- und klanggewaltige Thumper (Abo) spielen.

Ein Hinweis zur Technik: Nach dem Starten von Ayahuasca öffnet sich ein separates Fenster. Hier empfehle ich, die Full-HD-Auflösung (1.920 mal 1.080 Bildpunkte) einzustellen und die Grafikeinstellungen auf “Hoch” zu setzen, sofern der eigene Rechner schnell genug ist. Nach dem Startbildschirm dauert es einige Sekunden, bis die VR-Erfahrung startet.

Ayahuasca wird euch gefallen, wenn ihr …

  • spirituelle VR-Erfahrungen mögt,
  • von der Kultur indigener Völker Südamerikas fasziniert seid
  • und ihr VR-Trips – und Meditation liebt.

Ayahuasca wird euch nicht gefallen, wenn ihr …

  • 360-Grad-Filme langweilig findet,
  • nicht aufgeschlossen seid gegenüber neuartigen Erfahrungen
  • und euch schnell schlecht wird in VR.

Ayahuasca könnt ihr hier kaufen:

Unterstützte GerätePlattformPreis
HTC Vive (Pro, Cosmos), Oculus Rift (S)Steam12 Euro
Valve Index, HTC Vive (Pro, Cosmos), Oculus Rift (S), Windows Mixed RealityViveport12 Euro

Letzte Aktualisierung am 7.07.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: Atlas V

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