Wie "The Great C" den VR-Film revolutionieren kann - jetzt für Mobile-VR erhältlich

Wie

Update vom 29. April 2019:

Anzeige
Anzeige

Ab sofort gibt's The Great C auch für Oculus Go, Google Daydream und Gear VR in den jeweiligen Stores. Der Preis liegt bei fünf Euro.

Update vom 9. Oktober 2018:

___STEADY_PAYWALL___

The Great C ist ab sofort bei Steam (4,99 Euro) und bei Oculus Home für Oculus Rift (5,99 Euro) verfügbar. Die Steam-Version läuft mit HTC Vive und Oculus Rift.

Ursprünglicher Artikel vom 10. September 2018:

Beim VR-Filmfest Venice VR gab es gleich mehrere hochkarätige VR-Filme zu erleben. Sie beweisen, dass narrative Werke durchaus das Zeug haben, als eigenständiges Genre in Virtual Reality zu bestehen. Im Wettbewerb zeigte neben dem Drama „Lucid“ auch „The Great C“, die 37 Minuten lange Verfilmung einer Kurzgeschichte von Science-Fiction-Legende Philip K. Dick, welch großes Potential im VR-Film steckt. Sie macht deutlich: Filmische VR-Erfahrungen werden immer aufwendiger, länger und mutiger. Ich hatte die großartige Gelegenheit, darüber mit Regisseur Steve Miller zu sprechen.


Über die Autorin:

Pola Weiß arbeitet als Freiberuflerin in Berlin und schreibt auf ihrem Blog VR Geschichten über Storytelling in Virtual Reality. Bevor sie zurück in ihre Wahlheimat Berlin gezogen ist, war sie drei Jahre lang freie Redakteurin beim SWR Fernsehen in Baden-Baden. Dort hat sie Kulturdokumentationen, Dokumentarfilme und Online-Projekte für den SWR, Das Erste und Arte betreut. Gute Geschichten, egal in welchem Medium, sind ihre Passion.


Der 30-minütige Roomscale VR-Film The Great C feierte in Venedig seine Weltpremiere. Produziert und vertrieben wird er vom Content Studio Secret Location, das 2015 für seine „Sleepy Hollow VR Experience“ bereits einen Emmy gewinnen konnte und derzeit an „Transpose“ arbeitet.

Ein Computer übernimmt die Herrschaft

In The Great C geht es um die junge Clare und ihren Liebsten. Beide leben in einer postapokalyptischen Welt, in einer Stammesgemeinschaft, und folgen deren Traditionen und Ritualen.

Die Zivilisation, wie wir sie kennen, wurde vor langer Zeit zerstört. Nun herrscht ein superintelligenter Riesencomputer mit dem titelgebenden Namen „Der Große C“ über die verbliebene Menschheit.

Eines Tages fliegen unheimliche Raben in das Dorf und wählen unter den Bewohnern einen der jungen Männer aus. Denn wie in jedem Jahr fordert der Große C ein Opfer. Sonst droht den Dorfbewohnern Unheil.

Tragischerweise berufen die Raben für den Gang zum Großen C, von dem noch nie jemand zurückgekehrt ist, Clares frisch angetrauten Ehemann. Nun muss sich das Paar entscheiden: Unterwerfen sie sich dem Willen des allmächtigen Computers - oder kämpfen sie für ihre Liebe?

Im folgenden Video seht ihr erstmals den Trailer zu The Great C:

Der Film weicht von Dicks Vorlage ab

Anders als in der nur knapp 20 Seiten langen Geschichte von Science-Fiction-Altmeister Philip K. Dick aus dem Jahr 1953 scheint es in dem VR-Film allerdings kaum einen Ausweg aus der ungewollten Berufung zu geben.

Wie dramatisch die Situation ist, verdeutlichen die ersten Minuten: In einer fernen Vergangenheit richtet eine Gehilfin des Supercomputers, eine furchterregende Gestalt mit todbringenden Tentakeln, ein Massaker unter den Menschen an. In der Kurzgeschichte wird diese Vergangenheit allenfalls kurz angedeutet.

Die jugendlichen Pilgerer sollen den Computer besänftigen ...

Die jugendlichen Pilgerer sollen den Supercomputer besänftigen. Bild: Secret Location

Die Tentakelfrau und ihre unheilbringende Schar aus schwarzen Raben hat sich das Secret-Location-Team ausgedacht. So machten sie es Clare und ihrem Mann noch schwieriger, mit ihrem Schicksal umzugehen. Mit dem Regisseur Steve Miller habe ich mich in Venedig darüber unterhalten. Er sagt:

„Wir wollten sehr starke Gründe dafür liefern, warum man sich dem Großen C eher nicht entgegenstellen sollte. Man muss eine Menge Barrieren durchbrechen und auch innere Widerstände bezwingen, um all das zu tun.“

Das Team von The Great C ging in vielerlei Hinsicht sehr offen an die Kurzgeschichte heran und probierte viele Dinge aus. Auch die Erben des Philip K. Dick Vermächtnisses hatten sie ermutigt, zu experimentieren.

logo
  • checkMIXED.de ohne Werbebanner
  • checkZugriff auf mehr als 9.000 Artikel
  • checkKündigung jederzeit online möglich
ab 3,50 € / Monat
logo

So entstand beispielsweise die sehr besondere grafische Gestaltung des Großen C und seiner willigen Gehilfin. Die schwarzen Fangarme, die sich organisch bewegen und verformen, seien inspiriert von Ferrofluid, so Steve.

Eine Super-KI überwacht die Welt.

Eine Super-KI überwacht die Welt. Bild: Secret Location

Das The-Great-C-Team überlegte zu Beginn sogar, die VR-Adaption interaktiv zu gestalten. Im Zentrum der literarischen Vorlage steht eine Szene mit einem Frage-Antwort-Spiel zwischen dem Supercomputer und dem jungen Auserwählten.

Diese Frage-Antwort-Mechanik wollte das Team aufgreifen und neben anderen interaktiven Elementen in die VR-Erfahrung einbauen. Doch die Prototypen seien recht intellektuell und emotional wenig erfüllend gewesen, erklärt mir Steve.

Deshalb verwarf das Team diese Option zugunsten einer rein linear erzählten Geschichte, bei der die Zuschauer passiv bleiben.

„Also haben wir uns gesagt: Lasst es uns versuchen und die Chance nutzen, filmisch dranzugehen. Es auf den Punkt zu bringen mit diesen verrückten Welten aus Philip K. Dicks Geschichten und Romanen. Verwenden wir das und zeigen damit den Reichtum des VR Mediums.“

Innovative Montage und Kamerafahrten

Herausgekommen ist ein VR-Werk, das Schnitte und Kamerabewegungen aus dem klassischen Film in VR überträgt – und das durchaus gewagt. Ein Grund dafür war, so Steve, dass sie den Zuschauern die Angst nehmen wollten, etwas zu verpassen, das sich vielleicht hinter ihnen abspiele.

Insbesondere Kamerafahrten werden in The Great C in ungewohnter Weise eingesetzt und tragen damit entscheidend zur dramatisch erzählten Handlung bei - etwas, das aufgrund der gefürchteten VR-Übelkeit noch bis vor kurzem unmöglich schien.

Doch die mittlerweile verbesserten VR-Brillen gaben dem Team von Secret Location den Raum zum Experimentieren. So kreist die Kamera – und mit ihr der Brillenträger – in einer Szene um das Liebespaar, das in einem stillgelegten Restaurant eine Pause macht und zu Abend isst. Das geschieht sehr langsam und fast unbemerkt und führt die Zuschauer nahe an einen intimen Moment zwischen Clare und ihrem Mann.

Philip K. Dick ist neben Jules Verne der vielleicht einflussreichste Science-Fiction-Autor der Literaturgeschichte. Jetzt wird eines seiner Werke in die Virtual Reality portiert.

Philip K. Dick ist neben Jules Verne der vielleicht einflussreichste Autor der Science-Fiction-Geschichte. Er lieferte die literarische Vorlage für den VR-Film. Bild: Secret Location

Auch in puncto Montage finden sich in The Great C Schnitttechniken, die aus dem klassischen Film stammen und die ich so in VR nicht für möglich gehalten hätte.

Während ich meine Probleme mit Cut Ins hatte, dem Wechsel von einer entfernten Einstellung auf eine sehr nahe, so funktionierte der umgekehrte Weg, die Cut Outs, in vielen Fällen ausgezeichnet.

Der Höhepunkt des Films ist eine meisterhaft zusammengestellte Parallelmontage, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Im Wechsel zwischen zwei Szenen, die noch dazu in verschiedenen Zeiten spielen, sah ich atemlos zu, wie Clare ihre finale und wichtigste Entscheidung treffen muss.

... und unternehmen dafür eine weite Reise.

Auf der Reise zum Großen C. Bild: Secret Location

The Great C beweist Mut und Kreativität

Das Ergebnis der intensiven Arbeit von Secret Location ist ein 30 Minuten langer VR-Abenteuerfilm in Roomscale-VR, der die Zuschauer ungewohnt stark an die Hand nimmt und durch die Geschichte führt.

Selbst wenn mich einige Schnitte aus der Geschichte gerissen oder mich etwas desorientiert zurückgelassen haben, selbst wenn ich mir bisweilen mehr Freiheiten gewünscht hätte, um mich umzusehen oder gar umherzugehen - viele Momente gelingen auch mit Zwischenschnitten ganz hervorragend. Und das war für mich eine überraschende Feststellung.

Gerade deswegen ist The Great C ein Lehrstück und zeigt, wann klassische Filmtechniken in Virtual Reality angewandt werden können - und wo sie an ihre Grenzen stoßen. The Great C demonstriert, was zukünftig in VR möglich sein wird und gibt allen Kreativen eine wichtige Botschaft mit auf den Weg: Wir müssen nur mutig genug sein, es einfach mal auszuprobieren.

Ich freue mich deswegen sehr auf weitere Experimente aus dem Hause Secret Location.

Erscheinen wird The Great C voraussichtlich Ende des Jahres für HTC Vive, Oculus Rift und PlayStation VR. Zuvor wird er auf verschiedenen Festivals und in Spielhallen gezeigt.