KOMMENTAR

Leben im Metaverse? Nein, danke!

Leben im Metaverse? Nein, danke!

Das Metaverse ist ein Ort, den ich gern besuche. Aber in ihm leben werde ich nicht. Das hat einen einfachen Grund.

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Ich setze mich seit 2016 vertieft mit Virtual Reality auseinander, beruflich und in meiner Freizeit. Diese Beschäftigung ist nicht bloß theoretischer Natur: Ich tauche fast jeden Tag für ein paar Minuten ein und zuweilen verbringe ich ein oder zwei Stunden am Stück in VR. Meine Mitmenschen sagen mir, dass ich unweigerlich lächle, wenn ich mir die VR-Brille aufsetze.

Ja, ich bin verliebt in dieses Medium. Aber ich würde deswegen nicht in der VR leben wollen.

Das hat einen triftigen Grund: Virtual Reality erweitert meinen Körper und Raum, aber sie kann sie nicht ersetzen. Ich bleibe tief in der Realität verwurzelt, durch meinen Leib und die Materie, die ihn umgibt.

Das ist ein beruhigender Gedanke. Als sportlicher möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, in eine vollkommen künstliche Welt aufzubrechen und meinen Körper zurückzulassen. Die meisten Menschen empfinden so und ich kann das vollkommen nachvollziehen. Trotz langjähriger VR-Erfahrung habe ich nicht die geringste Lust, in eine andere digitale Realität zu flüchten, jedenfalls nicht dauerhaft.

Virtual Reality ist nicht gleich Virtual Reality

Bin ich in der Virtual Reality, so halte ich mich in zwei Welten gleichzeitig auf: Meine Augen und Ohren erleben eine digitale Welt, aber der Rest meines Körpers bleibt der physischen Realität verhaftet. Ob ihm das lieb ist oder nicht. Wollte ich dies, wie manche VR-Neulinge, vergessen und schnurstracks losrennen, würde ich das schmerzhaft zu spüren bekommen.

Virtual Reality ist nicht wirklich Virtual Reality, sie ist, wie ich vor zwei Jahren schrieb, schon immer eine Mixed Reality gewesen: Wenn man sich in sie hineinbegibt, trägt man stets zwei Realitäten Rechnung, der digitalen und physischen, und ist in keiner ganz zu Hause. Zumindest mit der heutigen, vergleichsweise primitiven Technik.

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Für komplette Immersion müsste man unsere Wahrnehmung vollständig simulieren. Das wäre, wenn überhaupt, wohl nur über eine direkte Schnittstelle im Gehirn möglich. Eine solche Technologie existiert nicht und könnte für immer ein philosophisches Konzept und eine Sci-Fi-Fantasie bleiben. Für das Metaverse, das Meta und anderen Unternehmen vorschwebt, ist sie irrelevant, weil sie technisch nicht machbar ist.

Große Metaverse-Versprechen

Ich bin immer wieder irritiert, wenn ich Metaverse-Visionen sehen, die die Mischrealität der Virtual Reality ignorieren, den Umstand, dass wir unseren physischen Körper und Raum nicht verlassen können. Die so tun, als stünde Full-Dive-VR vor der Haustür.

Ein Beispiel ist das Metaverse, das Meta im Rahmen der Meta Connect 2021 zeigte. In einer Szene sieht man Avatare, die sich so verhalten, als seien sie von der physischen Wirklichkeit losgelöst: Sie durchqueren Räume, sitzen an einem Tisch oder schweben schwerelos durch die Luft. Das sind Bilder, die eine Körperlichkeit und Physikalität beschwören, die der stofflosen Virtual Reality abgeht.

Was man in dem Ausschnitt sieht, kann man mehr oder weniger heute schon in der Virtual Reality tun. Man darf nur nicht erwarten, dass es sich natürlich anfühlt. Weil der eigene Körper in den eigenen vier Wänden eingeschlossen ist und physischen Gesetzen unterworfen bleibt. Auch wenn der Begriff Virtual Reality etwas anderes suggeriert: Aktuelle VR-Technik abstrahiert stark von der sogenannten Wirklichkeit.

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Die VR ist kein zweites Leben

Ein anderes Beispiel ist der Film We Met in Virtual Reality. Diese hochgelobte und berührende Dokumention wurde komplett in VRChat gedreht und zeigt, wie Menschen während des Lockdowns in der VR zueinanderfinden.

Der Film präsentiert und filmt Virtual Reality, als wäre sie ein zweites Leben und wechselt niemals in die (technische) Außenperspektive. Stattdessen sieht man zahlreiche Szenen, die ein natürliches Körper- und Weltgefühl suggerieren: Die Avatare fahren in Autos, umarmen sich, trinken in Bars und gehen gemeinsam auf den Rummelplatz.

Wer Virtual Reality selbst noch nicht erlebt hat, könnte glauben, es mit einer anderen, physisch annähernd gleichwertigen Realität zu tun zu haben, einer Art Matrix, nur nicht ganz so realistisch und mit Menschen, die als Animes, Tiere und Dämonen auftreten.

Lieber Meatverse als Metaverse

Ich habe viel Zeit in VR verbracht und kann mir nicht vorstellen, dass sich ein virtuelles Leben so natürlich anfühlt, wie es der Film zuweilen darstellt. In der VR spüre, rieche und schmecke ich nichts und mein virtueller Leib bleibt ein Fremdkörper.

In einer Heiratsszene ruft der Priester die Anwesenden vor der virtuellen Vermählung auf, „etwas zu tun, das sich sehr, sehr unnatürlich anfühlt und mit der Technologie, die ihr tragt, aufzustehen“. Das klingt so, als würden die meisten VRChat-Nutzer:innen sitzen, während sie sich in VR aufhalten.

Das würde mich nicht überraschen: Sich in Virtual Reality physisch bewegen und Sport treiben, das macht Spaß. Aber stundenlang die Beine in den Bauch stehen? Das ist unbequem.

Virtual Reality lässt vieles von dem Besten vermissen, was man aus der althergebrachten Realität kennt. Das ist gut, weil es die Chance verringert, dass wir uns in künstlichen Welten verlieren.

Dass ich den physischen Körper in die VR mitnehmen muss, hat noch einen anderen Vorteil. Virtual Reality ist umso immersiver, je intensiver wir von unserem Leib Gebrauch machen. Das hat einen positiven Effekt: Im Gegensatz zu anderen Unterhaltungsmedien halten wir uns fit, während wir VR konsumieren und gewinnen so das Beste beider Welten.