US-Polizei übt gefährliche Einsätze in Virtual Reality

US-Polizei übt gefährliche Einsätze in Virtual Reality

Eine Polizeiwache übt gefährliche Szenarien in Virtual Reality. Wie sieht die Vorbereitung mit der VR-Brille für den Ernstfall aus?

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Die Notfalleinsatzzentrale des Tequesta Police Departments ist eine der Ersten im US-Bundesstaat Florida, die Einsätze in Virtual Reality trainiert. Das VR-Trainingssystem umfasst hunderte Szenarios, wie sie im Alltag von Einsatzkräften vorkommen können. Das Besondere an den VR-Trainingseinheiten: Teilnehmende wissen nie, was auf sie zukommt.

Polizeialltag in Virtual Reality: Beamte müssen auf alles gefasst sein

Bis zu zwei Beamte werden über eine VR-Brille Teil der virtuellen Simulation, während ein Trainingsleiter die Situation am PC überwacht. Zu den etwa 800 voreingestellten virtuellen Szenarien zählen einfache Schießübungen, Verkehrskontrollen, Geiselnahmen, Vorfälle von häuslicher Gewalt oder Durchsuchungen.

Dabei ist jedes Szenario einzigartig, denn Ort und Art des Vorfalls sowie die virtuellen Protagonisten sind individuell anpassbar. Zu Beginn der Simulation wissen die trainierenden Beamten, wie im wirklichen Leben, nur wenig über den bevorstehenden Einsatz.

VR-Training: Polizei übt mit Waffenattrappen

Verdächtige können etwa versteckte Waffen bei sich tragen oder schwer einzuschätzen sein. Denn Trainingsleiter haben Einfluss auf das Verhalten der virtuellen Personen und können Eigenschaften wie „aufmerksam“, „traurig“ oder „betrunken“ hinzufügen oder deren Reaktionen in Echtzeit steuern.

Teil des VR-Trainingssystems sind mit Trackern ausgestattete Waffenattrappen, die den tatsächlich eingesetzten Exemplaren der Polizei nachempfunden sind. Eine Taschenlampe und ein Kanister Pfefferspray – natürlich ohne Wirkstoff – sind ebenfalls Teil der Ausrüstung. Echte Waffen oder andere Dienstgeräte dürfen die Beamten aus Sicherheitsgründen nicht in das Übungszimmer mitnehmen und werden vorher abgetastet.

Analysemöglichkeiten wie im Profisport

Das Sichtfeld der Trainierenden projiziert das System auf einen Bildschirm und zeichnet es auf. Dadurch kann jeder Einsatz live beobachtet und im Nachgang analysiert werden. Mit dem Eye-Tracking-Modul der verwendeten HTC Vive Pro Eye sehen die Beamten in der Analyse sogar ihre genauen Blickpunkte.

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„Es gibt unzählige Szenarien, und das Tolle daran ist, dass jedes Szenario anders ist“, sagt Chef der Polizeiwache Gus Medina. „Es ist live und interaktiv, je nachdem, wie man mit der Situation umgeht.“

Laut Medina sei die Analyse ähnlich umfassend wie im modernen Profisport. „Im Sport gibt es so viele Kameras. Sie fangen Dinge ein, die das Auge nicht sieht. Das gibt uns als Beobachter die Möglichkeit, zu sagen: ‚Das hättest du besser machen können‘ oder ‚Hast du das gesehen?’“

Auch in Europa nutzen Beamte VR-Training. Die Schweizer Polizei übt den Ernstfall in VR im VR-Arcade „Fusion Arena“ im Zürcher Letzipark und deutsche Polizisten untersuchen sogar Tatorte in VR.

Polizei verwendet Drogengelder für VR-Training

Entwickelt wurde das VR-Trainingssystem der Tequesta-Polizeiwache von InVeris Training Solutions. Das Unternehmen bietet immersive Trainingssimulationen für Militär, Polizei oder kommerzielle Schießanlagen an. Kostenpunkt für das System der Tequesta-Polizeiwache: 62.500 US-Dollar.

Die Rechnung begleichen allerdings nicht die US-Steuerzahler:innen. Der US-Bundesstaat Florida verfügt über einen Sonderfonds, der Ausrüstung und benötigte Dienstleistungen für die Strafverfolgungsbehörden finanziert. Gebildet wird der Fonds aus Geldern, die während Drogendelikten oder anderen kriminellen Aktivitäten beschlagnahmt wurden.

Quellen: Palm Beach Post, InVeris