Serious VR Escape Room: „Die Akte L“ macht Politik wieder spannend

Serious VR Escape Room: „Die Akte L“ macht Politik wieder spannend

VR in der Bildung ist noch Neuland. Ein neuer Escape Room will das ändern – ausgerechnet mit politischer Bildung.

Die Anwendungsbereiche für Virtual Reality sind theoretisch fast grenzenlos. Wenn aber von VR-Training und VR-Bildung die Rede ist, ist das für die meisten Menschen noch ziemlich abstrakt. Abgesehen von VR-Museen, Kunst-Apps, und vereinzelten 360-Grad-Dokus ist VR als Bildungsinstrument noch nicht zu Hause und schon gar nicht in den Schulen angekommen.

Umso bemerkenswerter ist es, wenn doch mal Serious Games in VR in die Öffentlichkeit geraten. Ein neuer Escape Room der VR-Arcade-Betreiber 7th Space ist jetzt in Langenfeld gestartet. Das VR-Spiel richtet sich in erster Linie an Jugendliche und Kinder und soll ihnen Kommunalpolitik näherbringen.

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Langenfelder Rathaus in VR: Wer hat Schuld am Umweltskandal?

Das VR-Spiel schickt die Teilnehmenden in eine virtuelle Nachbildung des Langenfelder Rathauses. Nutzer:innen teleportieren sich durch die Gänge und Räume der lokalen Politikzentrale und suchen nach Verantwortlichen für einen Umweltskandal in der Stadt.

Schubladen müssen gefilzt, Dokumente gesichtet, Beweise gefunden und Mitarbeiter des Rathauses befragt werden. Dabei lernen die Spieler:innen die einzelnen politischen Rollen im Rathaus und ihre Aufgaben kennen. Welche Behörde ist für den Fall zuständig? Wie arbeiten die einzelnen Abteilungen zusammen?

Politikverdrossenheit aufbrechen – diesmal in VR

„Damit erlebt man, wie Verwaltung und Politik funktionieren“, sagt Frank Schneider, Bürgermeister der Stadt Langenfeld über das VR-Projekt. „Ich glaube, einen besseren Weg gibt es gar nicht, um politische Bildung voranzutreiben.“ In jedem Fall eröffnet der virtuelle Escape Room einen spielerischen Blick auf die Kommunalpolitik, von der Kinder und Jugendliche in der Regel eher wenig mitbekommen.

Schon bei der Produktion des VR-Spiels waren rund 20 Schüler:innen beteiligt. Ingrid Graser, Beauftragte für Kinder- und Jugendbeteiligte in Langenfeld, lobt das Projekt als einzigartig und innovativ: „Das Besondere daran ist, dass von Anfang an die Jugendlichen ihre Ideen einbringen konnten.“

Ziel sei es, auf spannende Art und Weise Interesse und Verständnis für politische Abläufe zu wecken. Virtual Reality ist für solche Projekte perfekt geeignet: An realen Orten können unterschiedliche Szenarien umgesetzt werden, die in der Realität nicht oder nur durch hohe Aufwände möglich wären. Unternehmen nutzen diesen Vorteil beispielsweise für VR-Training von Mitarbeitenden.

Gegen den rückständigen deutschen Digitalisierungstrend: VR für Teilhabe und Bildung

Sowohl die Förderung von neuen Technologien wie Virtual Reality oder Künstliche Intelligenz, aber auch die generelle Digitalisierung, vor allem an deutschen Schulen, lässt hierzulande zu wünschen übrig. Laut Digital Economy and Society-Index (DESI) liegt Deutschland im Europavergleich auf Platz 12 nur im Mittelfeld – hinter Ländern wie Luxemburg, Estland oder Malta.

Eine Befragung in Langenfeld habe ergeben, dass Jugendliche sich gerade in politischen Fragen mehr direkte Teilhabe über digitale Kanäle wünschen, erklärt Ingrid Graser. Die bisherigen Versuche, Jugendliche für Politik zu interessieren, seien eher schwierig gewesen. Das Digitalisierungsprojekt in Langenfeld soll einen neuen und innovativen Ansatz bieten, um die junge Zielgruppe wieder mehr für politische Vorgänge zu begeistern.

„Die Akte L“ ist ab sofort an den „7th Space“-Standorten in Langenfeld, Düsseldorf, Oberhausen und Dresden spielbar. Der Serious VR Escape Room eignet sich laut Betreiber gut für Klassenausflüge, Exkursionen, Ferienspiele und ähnliche Schulaktivitäten.

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