Virtual Reality ist das vielleicht vielseitigste aller Medien. Mit VR-Brille und 3D-Controllern kann man so ziemlich alles machen. Zum Beispiel töpfern. Klingt langweilig? Ist es nicht. Pottery VR unterhält und beruhigt die Nerven. Und kommt in diesen Tagen wie gerufen.

Kabetec VR-Brille

Ich sitze in einer schmucken Villa fernab der Zivilisation. Vor mir dreht sich eine Töpferscheibe mit einem Klumpen unförmigen Lehms.

Vorsichtig führe ich meine rechte Hand an die Masse. Die Größe des Gebildes beeinflusse ich, indem ich die Hand an die Spitze führe und den Lehm gleichsam nach oben oder unten ziehe. Mit meinen virtuellen Fingern forme ich das Material, indem ich sachte dessen Oberfläche berühre.

Meine erste Vase misslingt mir. Zögernd versteigere ich mein Machwerk. Doch es wirft nur wenig virtuelle Währung ab. Hmm, was nun?

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So sieht eine Vase vor dem Brennvorgang aus. BILD: iDreams

Aller Anfang ist schwer

Zum Glück schreibt mir Tante Chloe. In einer E-Mail ermuntert sie mich und gibt mir Tipps. Bei meinem zweiten Versuch sind 3D-Konturen eingeblendet, nach denen ich mich beim Formen richten kann. Meine zweite Vase gerät ansehnlicher und wandert schon nach kurzer Zeit in den Ofen.

Nach dem Brennvorgang kann ich sie bemalen. Wieder folge ich Tante Chloes Anweisungen. Ich wähle die Farbe aus und trage Muster auf. Die habe ich zuvor mit Tante Chloes Geld gekauft. Mache ich meine Arbeit gut, will sie mich mit ihren Kunden vernetzen.

Schritt für Schritt zum Töpfermeister

Die Auftragsarbeiten sind vielfältig und anspruchsvoll. Alles, was ich von meinen Kunden als Orientierung bekomme, ist ein Bild. Die 3D-Konturen sind weg, stattdessen muss ich meinen Blick ständig zwischen Bild und Vase hin- und herwandern lassen. So schule ich mein Auge und mein handwerkliches Feingefühl.

Eine digitale Anzeige bewertet, wie nahe mein Werk an die ideale Größe, Form und Bemalung der vom Kunden bestellten Vase herankommt. Bis zu fünf Sterne kann ich in jeder Kategorie holen. Die Echtzeit-Rückmeldung hilft mir, die Vase künstlerisch zu vollenden.

Misslingt sie mir, kann ich sie immer noch versteigern. Vom Erlös kaufe ich im Laden neue Farben und Muster. Die brauche ich für neue Aufträge.

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Mit der Zeit gewinnt man immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten. BILD: iDreams

Vasen und Töpfe in allen Stilen

Das gefällt mir an Pottery VR: Die Anwendung nimmt mich an der Hand und führt mich schrittweise an die Töpferkunst heran. Die Gestaltungsmöglichkeiten werden schrittweise erweitert, sodass ich mich nicht überfordert fühle.

Die VR-Erfahrung ist in eine simple, aber effektive Kampagne eingebettet: Ich fange als Grünschnabel an und mausere mich durch zunehmend anspruchsvollere Auftragsarbeiten nach und nach zum Töpfermeister. Mit der Zeit schalte ich immer mehr Farben und Muster frei und kreiere Vasen und Töpfe verschiedenster Stile und Epochen.

Kein Ersatz für echtes Töpfern

An echtes Töpfern kommt Pottery VR freilich nicht heran. Dafür fehlt nicht bloß die haptische Erfahrung, mit formbarem Material zu arbeiten.

Das Entwicklerstudio iDreams hat das Kunsthandwerk nur teilweise in die Virtual Reality übertragen: Die Größe einer Vase bestimmt man durch ein Hoch- und Runterziehen des Objekts, ohne dass man sie entsprechend formen müsste und die Farben und Muster trägt man nicht von Hand auf. Stattdessen appliziert man sie per Tastendruck.

Diese Vereinfachungen sind den Einschränkungen des Mediums geschuldet. Mit optischem Hand- und Fingertracking à la Oculus Quest (Info-Guide) könnte sich das eines Tages ändern. Gegenwärtig muss man mit abstrakten VR-Controllern vorliebnehmen, die sich für eine Töpfersimulation nur bedingt eignen.

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Die eigenen Kunstwerke können in einer virtuellen Auktion versteigert werden. BILD: iDreams

Fazit: Gelungene Töpfersimulation mit entspannender Wirkung

Die Abstraktionen schaden dem Spiel nicht, weil Pottery VR an sich gut umgesetzt ist und die Magie des Töpferhandwerks unterm Strich gut einfängt. Wie bei jeder bildnerischen Kunsttätigkeit arbeiten insbesondere die Hände und die Sinne – das hat eine beruhigende Wirkung.

Gestört hat mich die musikalische Untermalung, bei der iDreams kräftig daneben gegriffen hat. Statt entspannender Klänge bekommt man in Pottery VR nervige Fahrstuhlmusik zu hören. Die kann man in den Einstellungen zwar abschalten, da Sound und Musik gekoppelt sind, hört man dann allerdings gar nichts mehr. Hier muss das Studio dringend nachbessern.

Ebenfalls wünschenswert wären unterschiedliche Arbeitsumgebungen, sodass man beispielsweise in der Natur und zu verschiedenen Tageszeiten arbeiten kann.

Let’s Create! Pottery VR wird euch gefallen, wenn ihr …

  • Kunsthandwerk mögt,
  • gern kreativ seid und
  • eine beruhigende App sucht.

Let’s Create! Pottery VR wird euch nicht gefallen, wenn ihr …

  • mit Töpferei nicht viel anfangen könnt,
  • eine akkurate Simulation des Töpferhandwerks erwartet und
  • die vollen Gestaltungsmöglichkeiten nicht erst freischalten wollt.

Let’s Create! Pottery VR könnt ihr hier kaufen:

Unterstützte GerätePlattformPreis
Valve Index, HTC Vive (Pro, Cosmos), Oculus Rift (S)Steam16,79 Euro

Letzte Aktualisierung am 28.05.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: iDreams

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