Warum VR-Horror gemeinsam mehr Spaß macht und ihr mit euren Freunden Phasmophobia ausprobieren solltet.

Alles begann in einer gut ausgeleuchteten Garage: Drei Freunde und ein Fremder treffen sich, um Geister zu jagen. Der Fremde bin ich, als einziger mit VR-Brille. Meine neue Geister-Crew erklärt mir einige Details, die ich im Tutorial nicht mitbekommen habe, weil ich dieses womöglich aus Angst vorzeitig abgebrochen habe. Aber da ich dort alleine war, wird das niemand erfahren.

 

Onkel Oskar, bist du da?

Kurz danach finden wir uns in einem mit Elektronik vollgestopften Laster wieder. Auf einem Whiteboard stehen einige Aufgaben, wie “Herausfinden, mit was für einem Geist wir es zu tun haben”, “Ein Foto des Geistes machen” und “Den Geist mit einem Kruzifix am Jagen hindern”.

Eben die Dinge, die man so lesen will, bevor man in VR in ein dunkles Haus stolpert.

Im Van von Phasmophobia

Der Laster ist toll, weil er so schön hell ist. Ich liebe den Laster. | Bild: Kinetic Games

Die drei Jungs packen Taschenlampen, UV-Lampe, Kruzifix, Radio und ein leeres Notizbuch ein, öffnen den Laster und verschwinden in einem alten Anwesen. Für mich bleibt keine Taschenlampe übrig, ich stolpere also halb blind hinterher und verliere meine Kollegen schnell aus den Augen.

Doch ich höre ihre Stimmen. Sie rufen den Namen des Verstorbenen, der angeblich hier spukt und fordern ihn auf, sich zu zeigen. Ich folge den Stimmen ins Obergeschoss und finde sie in einem großen Schlafzimmer. Endlich sehe ich wieder etwas – und bin nicht mehr alleine.

Kurz darauf hören wir etwas im Radio, der Geist scheint mit uns zu sprechen. Die professionellen Geisterjäger spekulieren, um was für einen Geist es sich handeln könnte, während ich mir wünschte, ich hätte das Tutorial durchgestanden. Ich bin gerade ziemlich nutzlos.

Code Braun

Plötzlich geht ein Radiogerät im Zimmer an, der EMF-Leser – eine Art Geisterdetektor – piept schrill und leuchtet rot. Stufe 5 sagt einer. Oh oh, der andere. Das Licht im Zimmer flackert kurz, erlischt dann vollständig. Auch die Taschenlampen verlieren ihr Licht. Im Flur vor unserem Zimmer rumpelt es.

Wir verlassen das Zimmer, wollen raus, zurück in den Laster. Bleibt zusammen, sagt einer. Kurz danach hören wir Schritte hinter uns.

“Um ehrlich zu sein, Jungs: Ich glaube wir sind tot”, sagt Blitz, der erfahrenste Geisterjäger unter uns. Wir hasten zur Vordertür, doch die ist jetzt verschlossen. Wir kauern uns in eine Ecke daneben.

Kruzifix aus Phasmophobia

Nein, hier ist keine Messe schiefgelaufen. Geisterjäger können sich mit einem Kruzifix kurzfristig gegen böse Geister schützen. | Kinetic Games

“Lichter aus, still sein”, ruft Blitz. Wir hören wie die Schritte in völliger Dunkelheit näherkommen. Ein grelles Licht flackert kurz auf – einer von uns versucht, todesmutig ein Foto des Geistes zu schießen. Direkt danach schreit Blitz auf und fällt tot zwischen uns auf den Boden.

Wir rütteln erneut an der Vordertür, sie geht endlich auf. Wir flüchten in den Laster, schauen noch einmal zurück und entschließen uns, dass wir die Art des Geistes lieber erraten, als das Haus nach weiteren Hinweisen abzusuchen. Kurz danach fahren wir weg und lassen das Anwesen hinter uns.

Vier Geisterjäger im Koop

Nach dieser Erfahrung habe ich mir dann doch noch das Tutorial angeschaut und einige Tipps zum Koop-Geisterjäger Spiel Phasmophobia gelesen.

Hier die Kurzfassung: Bis zu vier Spieler jagen am PC am Monitor oder in in VR einen Geist. Von diesen gibt es mehrere Varianten, die sich unterschiedlich verhalten und in immer anderen Räumen der Häuser spuken. Das sorgt für einen hohen Wiederspielwert – man weiß nie, was einen in den aktuell sieben Leveln erwartet.

In einem Anwesen angekommen, müssen die Spieler den Geisterraum finden und verschiedene Hinweise sammeln, um die Art des Geistes festzustellen: Zeigt die UV-Lampe Fingerabdrücke? Antwortet der Geist über das Radio auf Fragen? Schreibt er in ein leeres Buch? Zeigt er sich auf eine Kamera?

Es gibt weitere Nebenaufgaben wie Fotos schießen, ein übernatürliches Ereignis miterleben oder Knochen finden. Für jede erledigte Aufgabe bekommt das Team am Ende Geld, von dem sich jeder Spieler neue Ausrüstung wie Thermometer, stärkere Taschenlampen oder Bewegungsmelder kaufen kann. Stirbt er, verliert er die Ausrüstung und bekommt einen Teil des Geldes wieder.

Der Geist hört mit

Was ist die einfachste Möglichkeit, einen Geist zu finden? Seinen Namen rufen. Dank Windows-10-Spracherkennung reagiert der Geist auf englischsprachige Fragen und natürlich auch auf “I am scared”.

Die Sprachinteraktion macht das Spiel immersiver und es kann gerade in VR anfangs einige Überwindung kosten, alleine durch eine verlassene psychiatrische Klinik zu streifen und den Namen eines Toten zu rufen.

Auch sonst liefert Entwickler Kinetic Games eine dichte Atmosphäre: Die Anwesen sind allesamt angsteinflößend, haben dunkle Ecken, gruselige Puppen, finstere Keller, knarzende Dielen und summende Glühbirnen.

Die übernatürlichen Ereignisse sind vielfältig: Mal geht ein Fernseher an, das Licht einfach aus, eine Tür bewegt sich scheinbar grundlos oder ein Gegenstand fliegt durch die Luft. Auf dem selten zu findenden Ouija-Brett gibt der Geist Antworten auf Fragen. Wenn er sich zeigt, ist er oft nur kurz zu sehen. Und wenn er auf Jagd ist, wird es richtig ungemütlich.

Thermometer aus Phasmophobia

Das Thermometer findet Räume, in denen die Temperatur ungewöhnlich niedrig ist. Das hilft bei der Geisterjagd. | Bild: Kinetic Games

Das Spiel, von dem ich nie wusste, dass ich es wollte

Phasmophobia lässt sich problemlos mit und ohne VR mit Freunden oder Fremden spielen. Der VR-Modus ist solide, aber nicht auf dem Niveau eines Boneworks (Test) oder Half-Life: Alyx (Test). Es bietet flüssige Fortbewegung oder Teleportoptionen mit verschiedenen Einstellungen. Das Spiel selbst hat noch einige Fehler und Probleme mit der Physik, die den Spielfluss aber nicht stark stören.

Phasmophobia ist das Koop-Geisterjagd-Spiel, von dem ich nie wusste, dass ich es wollte. Das Spiel ist für mich eines der Gaming-Highlights 2020 und gerade in VR ist die Spielerfahrung wahnsinnig atmosphärisch.

Phasmophobia ist im Early Access bei Steam für rund 12 Euro erhältlich.

Ihr solltet Phasmophobia spielen, wenn ihr …

  • Geisterfilme mögt,
  • keine Angst vor dunklen Kellern habt,
  • gerne im Team arbeitet und
  • sehen wollt, wie eure Freunde schrill kreischend aus virtuellen Häusern fliehen.

Ihr solltet Phasmophobia nicht spielen, wenn ihr …

  • Geisterfilme sofort ausmacht,
  • lieber auf Monster schießt, als vor ihnen weglauft,
  • Ghostbusters erwartet und
  • euren Freunden nicht vertraut.

Phasmophobia könnt ihr hier kaufen

Unterstützte GerätePlattformPreis
Valve Index, HTC Vive (Pro), Oculus Rift (S), Oculus Quest (via Oculus Link), Windows MRSteam11,59 Euro

Titelbild: Kinetic Games

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