Neuer Haptik-Handschuh soll Controller überflüssig machen

Neuer Haptik-Handschuh soll Controller überflüssig machen

Haptische Handschuhe geben taktiles Feedback in VR, können aber keine Sticks und Knöpfe ersetzen. Der ContactGlove soll dieses Problem lösen.

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Haptische Handschuhe sind eine faszinierende Technologie, um Virtual Reality wortwörtlich greifbar zu machen. VW berichtete bei Tests mit dem Senseglove Nova bereits von Kostenersparnissen im Montage-Training. Bremsen am Handschuh simulieren dort einen Gegendruck beim Zugreifen, während eine Vibration das Tastgefühl imitiert.

Konkurrent HaptX erhielt im September eine zweistellige Millionenförderung für neuartige haptische Produkte. Mit den HaptX Gloves G1 hat das Unternehmen mittlerweile eine günstigere, verbesserte Variante seiner pneumatischen Handschuhe im Programm. Geschäftskunden können das aktuelle Modell mit mobilem Druckluft-Rucksack ab 4.500 Euro vorbestellen.

Virtuelle Knöpfe in Virtual Reality

Auch das Tokioter Startup Diver-X bringt jetzt einen Haptik-Handschuh auf den Markt. Eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für „ContactGlove“ erreichte kurz nach ihrem Start die Mindestsumme von 185.364 Euro. Schon am 22. Dezember 2022, also 28 Tage vor Kampagnenschluss, waren rund 227.000 Euro zusammengekommen.

Auch der ContactGlove liefert beim Zugreifen taktiles Feedback. Eine Besonderheit sind seine „Micro Coils“, also Spulen mit sehr eng aneinander gewundenem Wickeldraht. Ihre Formgedächtnis-Legierung ermöglicht Finger-Elemente, die sich plötzlich zusammenzuziehen – oder wieder auszudehnen. Idealerweise entsteht auf diese Art ein Druckgefühl an den Fingern, ähnlich wie bei der Berührung realer Objekte.

Die Technik könne sogar Feuerknopf-, Trigger- und Stickeingaben klassischer Controller emulieren, so der Hersteller: „ContactGlove ist ein einzigartiges, einem Handschuh ähnelndes Gerät, das nicht nur Fingerbewegungen einfängt, sondern auch Knopf- und Stick-Operationen reproduziert – nur mit Fingerbewegungen.“

Eine Animation zeigt allerdings, dass die Emulation nicht den gewöhnlichen Fingerbewegungen auf Controllerknöpfen gleicht. Stattdessen werden die Eingaben mit ähnlichen Gesten umgesetzt. Beim Druck eines Knopfes etwa tippt der Daumen seitlich auf den angewinkelten Zeigefinger. Dort befindet sich eine feste Kunststofffläche, die das Gefühl eines echten Knopfes imitiert.

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Haptische Handschuhe für SteamVR

Zum Festhalten eines virtuellen Analogsticks liegt der Daumen seitlich auf dem Mittelfinger. In dieser Stellung bewegt der Nutzende seine Hand in der Luft, um sie dort auf und auf zu bewegen oder seitlich zu drehen.

Ein Nutzer des haptischen Handschuhd ContactGlove imitiert Knopf- und Stick-Eingaben mit ähnlichen Fingergesten.

Knopf- und Stick-Eingaben werden mit ähnlichen Fingergesten imitiert. | Bild: Diver-X

Im Trailer ist auch ein klassischer Controller zu sehen, dessen Griff magnetisch an der Innenseite des Handschuhs haftet. Er ist jedoch nicht Teil der derzeit angebotenen Kickstarter-Bundles.

Für eine einfache Software-Integration liefern die Macher:innen eine native SteamVR-Unterstützung sowie Programmierwerkzeuge für Unity und UnrealEngine. Präzises Raumtracking wird bei einigen der verfügbaren Kickstarter-Modelle per SteamVR-Dongle erreicht. Am Rücken des Handschuhs lassen sich beispielsweise Vive- oder Tundra-Tracker anbringen.

Manche der Kickstarter-Bundles liefern die Tundra-Tracker gleich mit. Der Kickstarter-Preis beginnt bei rund 464 Euro, allerdings für Modelle ohne Haptik-Modul und teils mit Tundra-Trackern gegen Aufpreis. Diese Modelle dienen also nur dem Handtracking mit Handschuhen, zum Beispiel in Social-Apps oder für Motion-Capturing. Die Modelle mit haptischen Membranen starten ab 1.284 Euro.

Die günstigeren Early-Bird-Angebote (ab 820 Euro inklusive Haptik) sind bereits alle ausverkauft. Hinter dem Projekt stecken die Erfinder der kuriosen Bett-VR-Brille „HalfDive“. Mit ihr war Diver-X ebenfalls auf Kickstarter erfolgreich. Hinterher schätzte die Firma das Erfolgspotenzial des Nischenprodukts aber als zu gering ein und erstattete das Kapital zurück an die Unterstützer.

Quellen: Kickstarter