Wer mit Mojo Visions AR-Kontaktlinsen die Augen schließt, wechselt in den VR-Modus.

Mit rund 160 Millionen US-Dollar ist das AR-Kontaktlinsen-Startup Mojo Vision ordentlich grundfinanziert. Dass viele Millionen allein noch kein Happy End garantieren, zeigt die Geschichte von Magic Leap – das Unternehmen steckte hunderte Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung, um am Ende wenige tausend AR-Brillen zu verkaufen.

Bei Mojo Vision soll das anders werden: Seit 2019 hat das Unternehmen eine erste tragbare Tech-Kontaktlinse mit Display und 5-Ghz-Funkeinheit als Prototyp am Start, der direkt im Auge getragen wird.

 

Seit 2019 hat Mojo Vision eine Tech-Kontaktlinse als Prototyp am Start. In weniger als fünf Jahren soll die Linse Menschen mit Sehbehinderung unterstützen. | Bild: Mojo Vision

Seit 2019 hat Mojo Vision eine Tech-Kontaktlinse als Prototyp am Start. In weniger als fünf Jahren soll die Linse – nach einigen technischen Verbesserungen – Menschen mit Sehbehinderung unterstützen. | Bild: Mojo Vision

Die eigentliche Rechenleistung ist an eine Funkbox ausgelagert, die eingehende Informationen im Optimalfall innerhalb von zehn Millisekunden verarbeitet und zurückschickt. Der für eine Person maßgeschneiderte Prototyp soll für drei bis vier Stunden bequem im Auge sitzen.

Mojo experimentiert in erster Linie mit Eye-Tracking für die Steuerung. Zukünftige Tech-Linsen sollen Sprachsteuerung unterstützen und Gesten erkennen. Ob es möglich sein wird, eine Linse mit Einheitsform zu entwickeln, die auf viele Augäpfel passt, ist noch nicht klar.

Tech-Linse als digitaler Sehverstärker

Im ersten Schritt soll die Linse für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Sollte sie sich hier beweisen, will Mojo Vision weitere Marktsegmente ins Auge fassen – die Industrie, Logistik, das Militär oder Sicherheit.

Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest, aber mehr als fünf Jahre soll es nicht dauern, bis Patienten mit visuellen Einbußen durch die Tech-Kontaktlinse ihre Sicht verbessern, beispielsweise durch eine Hervorhebung von Kanten.

Die Forschung von Mojo Vision findet in Abstimmung mit der US-Arzneimittelbehörde FDA statt, da Kontaktlinsen als medizinisches Hilfsmittel gelten. Besonders großen Wert muss das Unternehmen auf die Sicherheit legen – ein technischer Defekt der Kontaktlinsen direkt im Auge könnte fatale Folgen haben.

Preislich sollen die Linsen auf dem Niveau eines neuen Highend-Smartphones liegen. Wer ohnehin schon eine Kontaktlinse trägt, spart die Ausgaben für den analogen Sichtverbesserer.

Augen zu: VR

Laut Mojo Visions Marketing-Manager Steve Sinclair beherrscht die Tech-Linse neben einem AR- potenziell auch einen VR-Modus. In diesen wechseln Kontaktlinsenträger ganz leicht: Sie schließen die Augen. Dann sehen sie nur noch das Linsenbild.

Sinclair gibt an, diesen VR-Modus sogar schon getestet zu haben: Er spielte mit geschlossenen Augen ein digitales Kartenspiel mit realen Spielkarten. Die echten Spielkarten lagen vor ihm auf dem Tisch und wurden per Kamera-Stream in die Linsen übertragen.

Das Display der Mojo-Kontaktlinse ist extrem klein. | Bild: Mojo Vision

Das Display der Mojo-Kontaktlinse ist extrem klein. | Bild: Mojo Vision

Offen bleibt in diesem Szenario, wie man sich durch eine VR-Welt bewegt – dafür müsste man beispielsweise zusätzliche Tracker am Körper tragen. Die Linsen im Auge ersetzen letztlich nur das Display der VR-Brille. Aber das ist ohnehin Zukunftsmusik.

Ebenso wie Mojos große Vision: eine Welt, in der Displays und mit ihnen sichtbare Computer verschwinden. Diese dann unsichtbaren Computer sollen im Kontext der Umgebung passende Informationen ausspielen, genau dann, wenn sie benötigt werden. Das Smartphone hätte ausgedient.

Quelle: Skarred Ghost; Titelbild: Mojo Vision

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