Die vom US-Militär und Microsoft entwickelte AR-Brille IVAS könnte schon bald zum Einsatz kommen. Was kann die AR-Brille alles?

IVAS steht für Integrated Visual Augmentation System (Deutsch: “Integriertes Sichterweiterungssystem”) und wird seit Anfang 2019 in enger Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt.

Rund 25 Tests mit mehr als 1.000 Angehörigen der US-Armee wurden bereits durchgeführt, von Verbänden (circa 10 Mann) und Zügen (circa 50 Mann).

Im Oktober wird die AR-Brille während eines 72-stündigen Trainingsszenarios auf dem Gelände der Militärbasis Fort Pickett einem Belastbarkeitstest unterzogen. Hierbei wird eine Kompanie (bis zu 250 Mann) mit IVAS-Unterstützung einen nächtlichen Schützengraben angreifen und ausheben müssen.

Anschließend soll die gleiche Einheit in Alaska und den Dschungeln von Puerto Rico oder Panama trainieren. Laufen die Tests erfolgreich, wird 2021 eine erste IVAS-Brille im Feld zum Einsatz kommen. Insgesamt sollen rund 40.000 Geräte an einsatzfähige Soldaten ausgeliefert werden.

Visuelle Superkräfte für das Militär

Die Militär-Hololens soll ein 80 mal 40 Grad weites Sichtfeld bieten, also deutlich weiter als die Standard-Hololens, Gesichtserkennung unterstützen und Texte verschiedener Sprache ins Englische übersetzen können.

Die Navigationsfähigkeiten des Geräts klingen wie Visortoechnologie aus einem Computerspiel: Im Sichtfeld werden ein Kompass und eine virtuelle 3D-Karte der Landschaft angezeigt, auf der die Soldaten für Mitkämpfer Feinde und Verbündete markieren können.

Dank des präzisen Positionstrackings können Trainings und Einsätze nachträglich minutiös analysiert werden. Die AR-Brille soll außerdem beim Missionstraining und der Planung von Einsätzen helfen.

Ein Soldat trägt eine große AR-Brille auf dem Kopf und legt ein Gewehr an.

Ein Soldat beim virtuellen Hololens-Training. | Bild: US Army

Zu Aufklärungszwecken kann der Hololens-Soldat eine Mikro-Drone entsenden und mit der AR-Brille steuern. Der Videofeed der Drone wird direkt an das AR-Display ausgegeben.

Das IVAS-Paket besteht aus der AR-Brille, einer am Körper getragenen Recheneinheit und drei Batterien pro Soldat. Daten werden mittels der Cloud ausgetauscht. Das fertige Gerät soll bei Nahkampfeinheiten, der Infanterie, Pionieren und Aufklärern zum Einsatz kommen.

AR-Visier hilft bei Feinderkennung

Eine weitere IVAS-Funktion sind biometrische Tracker, die die Hydrierung und Erschöpfung sowie das Stresslevel und die Temperatur des Soldaten überwachen. Letzteres ist nützlich, um frühzeitig eine mögliche COVID-19-Erkrankung zu erkennen. Die Militärbrille kann zudem auf Entfernung die Körpertemperaturen in der Nähe befindlicher Personen messen.

Was IVAS noch nicht beherrscht, ist eine AR-Zielhilfe, die Feinde automatisch erkennt und markiert. Diese Funktion wird mit Hilfe eines neuen Sturmgewehrvisiers bewerkstelligt, das ebenso Teil der IVAS-Tests ist. Die Soldaten sollen damit auf dreimal so weite Distanzen und in bis zu 900 Meter Entfernung Ziele treffen. Das Visier ermöglicht außerdem den Blick durch Rauch.

Diese visuellen Superkräfte für Soldaten brachte im vergangenen Jahr an der Hololens-Entwicklung beteiligte Microsoft-Angestellte auf: Die AR-Brille helfe Soldaten, Gegner wie in einem Videospiel zu töten und distanziere sie “von den grimmigen Folgen des Krieges und der Realität des Blutvergießens”. Microsoft bot den verärgerten Angestellten an, das Projekt zu wechseln.

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