Medal of Honor: Above and Beyond im Multiplayer-Test

Medal of Honor: Above and Beyond im Multiplayer-Test

Medal of Honor galt einst als Multiplayer-Offenbarung. Dann kam Call of Duty. Kann Medal of Honor: Above and Beyond an das eigene Erbe anknüpfen?

Mit Medal of Honor: Above und Beyond (Test) wagen sich die renommierten Shooter-Experten von Respawn Entertainment in die Virtual Reality. Leider läuft nicht alles rund an der VR-Front: Die schwache Story, misslungenes Pacing und öde Ballereinlagen auf Schienen machen der geplanten VR-Auferstehung der alten Marke einen Strich durch die Rechnung.

Kann der Multiplayer-Modus Medal of Honor vor dem erneuten Sturz in die Bedeutungslosigkeit bewahren?

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Viele Entwickler bei Respawn haben bereits den Multiplayer von Call of Duty entworfen und auch die Respawn-Titel Titanfall und Apex Legends sind echte Mehrspielererfolge. Ich habe mich einige Stunden lang durch U-Boot-Stationen, zerstörte Bunkeranlagen und verschneite Dörfer geballert. Hier ist meine Meinung.

Respawn liefert eine Menge Inhalte

Ähnlich wie im Singleplayer liefert Respawn auch Multiplayer-Fans eine Menge Inhalte. Insgesamt gibt es zwölf Karten, etwa eine geheime Raketenbasis, ein französisches Weingut, eine Eishöhle oder ein verschneites Dorf mit entgleistem Zug.

Alle Karten sind liebevoll gestaltet und zeigen, dass die Map-Designer von Respawn ihr Handwerk verstehen. Die Karten sehen toll aus und spielen sich auch so: Verschiedene Wege führen zum Ziel, in tote Winkeln lauern fiese Camper, mutige Digitalsoldaten marschieren entlang vieler Deckungen an die Front und bekriegen sich auf verschiedenen Ebenen.

Der MoH: AB-Multiplayer ist abwechslungsreich und bietet die besten Karten, die ich bisher in einem VR-Shooter bespielt habe.

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Die Multiplayer-Karten bieten viel Abwechslung, alternative Routen und mehrere Ebenen. | Bild: Respawn

Für die zwölf Karten bietet MoH: AB fünf Spielmodi, darunter Klassiker wie Team Deathmatch, eine Variante von King of the Hill und Mad Bomber, einem Spielmodus, bei dem jeder Spieler eine Bombe hat und damit versucht, die anderen Spieler zu sprengen.

Alle Modi sind kurzweilig und die Lobby wird bei Bedarf automatisch von Bots gefüllt. Die sind zwar ziemlich dämlich, aber geben wartenden Spielern etwas zu tun und erhöhen so die Chance, Matches langsam mit mehr Menschen zu füllen.

Schwachstelle VR-Interaktion

Das Waffenarsenal deckt die üblichen Modelle des zweiten Weltkriegs ab, verzichtet allerdings auf Repetiergewehre – wohl um VR-Nachlade-Anfängern den Einstieg ins Spiel so einfach wie möglich zu machen. Das fällt auch an anderen Beispielen auf, wie der Schrotflinte, die magisch von alleine nachlädt.

Scharfschützen müssen durch eine seltsame Zielgrafik schauen, die das gesamte Sichtfeld verdeckt. Die wirkt, als würde jemand ein schwarzes Blatt Papier mit Loch vor meine Augen halten. Um scharf zu sehen, muss ich dennoch ein Auge schließen.

Eine Reihe von Design-Entscheidungen seitens Respawn sind nicht VR-optimal. Das Zielfernrohr ist ein gutes Beispiel: Anstatt wie bei einem echten Gewehr hindurchzulinsen und gleichzeitig die Umgebung im Blick zu haben, wechselt der Bildschirm in eine spezielle Fernrohransicht, die die Umgebung ausblendet. | Bild: Eigene Darstellung Maximilian Schreiner

Eine Reihe von Design-Entscheidungen seitens Respawn sind nicht VR-optimal. Das Zielfernrohr ist ein gutes Beispiel: Anstatt wie bei einem echten Gewehr hindurchzulinsen und gleichzeitig die Umgebung im Blick zu haben, wechselt der Bildschirm in eine spezielle Fernrohransicht, die die Umgebung ausblendet. Verschwendetes Potenzial. | Bild: Eigene Darstellung Maximilian Schreiner

VR-Veteranen kennen dieses Design-Desaster schon aus Fallout 4 VR. Das fehlende 3D-Visier ist verschenkte Atmosphäre und nimmt Spielern die Möglichkeit, ihr Umfeld wahrzunehmen, während sie ihr Ziel fokussieren.

Ansonsten ist das Waffenhandling eine seichte Variante bekannter VR-Shooter-Standards: Die Magazine fallen per Knopfdruck aus der Waffe, neue lassen sich leicht nachlegen und optionale Hilfeanzeigen führen unerfahrene Spieler an der Hand.

Automatisch nachladende Waffen mit unendlicher Munition oder 2D-Visiere sind zwar ärgerlich, doch insgesamt spielen sich die Gefechte schnell und spaßig, gerade auch, weil die Respawn-Zeiten kurz sind und auf den Karten etwa zusätzliche Granaten aufgesammelt werden können.

Das simple Waffenhandling passt zum schnellen Gameplay und stört mich als Onward-Fan der ersten Stunde weniger, als ich es erwartet habe.

Gute Grafik, satter Sound und einige Ruckler

Neben den Karten können sich auch die Spieler- und Waffenmodelle sehen lassen. MoH:AB sieht klasse aus und dank der letzten Patches können jetzt etwas feinere Grafikeinstellungen vorgenommen werden, etwa Textur-Streaming, Textur-Filter oder Anti-Aliasing-Qualität.

Das ist gut, denn wie im Singleplayer sind die Hardware-Anforderungen an die Grafik anspruchsvoll. Besonders auf einer der Karten hatte ich auf meinem Testsystem (i7 6700K, RTX 3060 Ti, 16 GB Ram, Valve Index) vor den Patches immer wieder Ruckler.

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Der Multiplayer führt euch an Schauplätze aus der Kampagne. Wie dort sind die Umgebungen schön anzusehen und bieten eine jeweils eigene Atmosphäre. | Bild: Respawn

Mit den zusätzlichen Einstellungen kann die Performance jetzt besser an das eigene System angepasst werden – vorher konnte lediglich die Auflösung reduziert werden. Insgesamt läuft das Spiel im Multiplayer besser als in der Kampagne.

Die Soundkulisse ist wie im Singleplayer gut gelungen: Waffensounds, Umgebungsgeräusche und Explosionen klingen authentisch und sind gut auseinanderzuhalten. Mein einziger Kritikpunkt, das charakteristische „Ping“ der M1 Garand war zu leise, wurde von Respawn mit dem ersten Patch ausgemerzt.

Fazit: Ziel erreicht

Wenn ich das Knattern der Thompson höre, durch ein französisches Dorf jogge und ein Koch mit Schrotflinte um die Ecke rennt, kommen in mir nostalgische Gefühle an viele Spielstunden Medal of Honor: Allied Assault auf.

Das ist gut, denn das ist, was Respawn Entertainment liefern wollte: Einen spaßigen und schnellen Shooter im Stil der Klassiker, der beim Thema Realismus hier und da ein oder zwei Augen zudrückt. Wer den sucht, muss woanders spielen, etwa bei Onward.

Das größte Problem des Multiplayer ist ironischerweise der Singleplayer. Die schlechten Rezensionen könnten viele Spieler davon abhalten, die 60 Euro für den Titel auszugeben und MoH droht das gleiche Schicksal wie so vielen anderen Multiplayer-VR-Spielen: Die Lobbys werden bestenfalls von Bots besucht.

Respawn will mittels Crossplay zwischen Oculus und Steam die Spielerzahlen hochhalten. Ob das reicht, wird sich zeigen. Die Bots sind immerhin ein Trostpflaster, das den allzu schnellen Servertod erst einmal aufhalten wird.

MOH:AB Multiplayer wird euch gefallen, wenn ihr …

  • große Fans der Spielereihe seid,
  • einen Multiplayer-Shooter im zweiten Weltkrieg sucht und
  • schnelles und unkompliziertes Geballer mögt.

MOH:AB Multiplayer wird euch nicht gefallen, wenn ihr …

  • den zweiten Weltkrieg nicht mehr sehen könnt,
  • Innovationen oder Realismus sucht
  • oder einfach keine Shooter mögt.

Medal of Honor: Above and Beyond könnt ihr hier kaufen:

Unterstützte Geräte Plattform Preis
Oculus Rift (S), Oculus Quest (2) via Oculus Link Rift Store 59,99 Euro
PC-VR-Brillen, Oculus Quest (2) via Oculus Link Steam 59,99 Euro

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