Konzeptstudie: Sieht so der 3D-Browser der Zukunft aus?

Konzeptstudie: Sieht so der 3D-Browser der Zukunft aus?

Virtual und Augmented Reality lösen Inhalt vom Rahmen des Displays und stellen ihn räumlich dar. Das klingt toll in der Theorie, doch wie könnte es beim alltäglichen Internetsurfen praktisch aussehen?

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Der User-Interface-Designer und Mixed-Reality-Enthusiast Graham Atlee hat ein Konzept für einen 3D-Browser erdacht und visualisiert. Der 3D-Browser bietet ein völlig anderes Nutzererlebnis als bisherige Browser und erinnert nur noch entfernt daran, wie wir das Web heutzutage nutzen. Rein technisch betrachtet ist es durchaus realistisch, dass Atlees Konzept in den kommenden Jahren Realität wird.

Der 3D-Browser besteht aus einer vorderen und einer hinteren Ebene. Die vordere Ebene ist reserviert für Eingabegeräte. In Atlees Beispiel sind das wie gehabt Maus und Tastatur, ergänzende virtuelle Interfaces können je nach Webseite eingebettet werden. Das ist die Schwachstelle an Atlees Konzept, denn klassische 2D-Interfaces ergeben für 3D-Inhalte wenig Sinn. Auf der hinteren Ebene des Browsers werden die Inhalte einer Webseite räumlich dargestellt.

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Auf der hinteren Ebene werden die 3D-Inhalte dargestellt, auf der vorderen Ebene die Bedienelemente. Bild: Graham Atlee

Auf der hinteren Ebene werden die 3D-Inhalte dargestellt, auf der vorderen Ebene die Bedienelemente. Bild: Graham Atlee

Beispielhaft zeigt Atlee die Web-Suche rund um eine Stadt. Im Vordergrund werden beschreibende 2D-Infokacheln angezeigt, wie man sie aus aktuellen Browsern kennt. Im Hintergrund erscheint statt einer flachen Karte ein 3D-Modell einer Stadt. Wie Googles Earth VR beweist, ist ein solches Nutzererlebnis nicht utopisch, sondern in Reichweite.

Während man im Vordergrund nach Informationen über die Stadt sucht, erscheint im Hintergrund ein 3D-Modell. Bild: Graham Atlee

Während man im Vordergrund nach Informationen über die Stadt sucht, erscheint im Hintergrund ein 3D-Modell. Bild: Graham Atlee

Insbesondere das Online-Shopping dürfte vom 3D-Erlebnis profitieren. Atlee zeigt das am Beispiel eines Schuhkaufs. Man muss keine Bilderstrecke mehr durchklicken, sondern sieht den Schuh in Originalgröße als 3D-Modell vor sich stehen.

Mit fortschrittlicheren 3D-Interfaces oder Hand- und Fingertracking könnte man den Schuh ähnlich wie das reale Gegenstück hochheben und von allen Seiten betrachten. Die Augmented-Reality-Unternehmen Meta und Magic Leap zeigten bereits in Demonstrationen, wie so ein 3D-Online-Einkauf ablaufen könnte.

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Der Online-Einkauf der Zukunft findet in 3D statt. Bild: Graham Atlee

Der Online-Einkauf der Zukunft findet in 3D statt. Bild: Graham Atlee

Mit zusätzlichem Handtracking könnte man den Schuh wie ein reales Objekt greifen und von allen Seiten betrachten. Bild: Graham Atlee

Mit zusätzlichem Handtracking könnte man den Schuh wie ein reales Objekt greifen und von allen Seiten betrachten. Bild: Graham Atlee

Responsives Raumdesign und ein 3D-JPG

Atlees Konzept ist sowohl mit Augmented- als auch Virtual-Reality-Brillen kompatibel, denn das Paradigma für die räumliche Darstellung von Inhalten ist bei beiden Technologien identisch. So ein 3D-Browser wäre für aktuelle VR-Brillen oder Microsofts Hololens schon umsetzbar, allerdings fehlt es dem Web noch an der benötigten 3D-Infrastruktur.

An der wird gerade gearbeitet, beispielsweise bei der Web-VR-Initiative oder in der Khronos Gruppe. Die entwickelt das gITF, ein JPG-ähnliches und lizenzfreies Dateiformat, das die Größe von 3D-Szenen durch Kompressionsverfahren signifikant reduzieren kann. Es könnte die Grundlage bilden für ein Internet voller 3D-Inhalte, so wie das JPG Billionen Bilder ins Web brachte.

In Atlees Beispiel dient ein herkömmlicher Tisch als Projektionsfläche, der im Grunde beliebig austauschbar ist. Noch stärker als Smartphone und Notebook ermöglichen es die räumlichen Computer der Zukunft, den Arbeitsplatz unabhängig von der unmittelbaren Umgebung zu gestalten. Atlee gibt für die 3D-Ebene des Browsers eine Größe von 0,25 bis drei Meter an.

Für Web-Designer stellt sich dann erneut die Frage nach gutem responsiven Design - nur diesmal im 3D-Kontext. Anstatt mehrere Entwürfe für unterschiedlich große 2D-Displays zu gestalten, müssten für den Mixed-Reality-Browser verschiedene 3D-Aufbauten je nach Größe der Projektionsfläche definiert werden.

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| Featured Image: Graham Atlee