In Death: Unchained Test – Nicht nur der Tod befreit

In Death: Unchained Test – Nicht nur der Tod befreit
Update: 08.12.2020

Die Oculus Quest-Version von In Death kommt fast zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung für PCVR. Kann der VR-Bogen-Shooter erneut überzeugen?

Bogen-Shooter waren einmal für Virtual Reality ein beliebtes Genre. In letzter Zeit wurde es allerdings eher still darum. Nun ist die Oculus Quest-Umsetzung von In Death erschienen – passend zur Kabelfreiheit der Quest mit dem Zusatz „Unchained“ und von einem anderen Entwickler Studio. Anstatt Solfar hat Superbright die Entwicklung übernommen.

Macht das einen signifikanten Unterschied? Wie sieht es mit Grafik und Performance aus? Unser Test hat die Antworten.  

Update vom 8. Dezember 2020: Test des Gratis-DLC Siege of Heaven.

Einfaches, durchdachtes Spielprinzip

Das Spielprinzip von In Death: Unchained ist relativ simpel. Ich schieße mich mithilfe eines Bogens oder einer Armbrust durch prozedural generierte Level, sammle oder kaufe zusätzliche Munition bzw. Hilfsmittel und stelle mich am Ende einem Boss.

Gebe ich unterwegs den Löffel ab, muss ich von vorn anfangen, behalte aber freigeschaltete Verbesserungen. Das zu Grunde liegende Genre nennt sich Rogue-Lite.

Speichern geht also nicht. Es gibt aber immerhin zwischendurch Ruhezonen, in denen ich verschnaufen oder einkaufen kann. Dort bekomme ich Heilung oder andere Pfeile, beispielsweise Mehrfachschuss, Eis- oder Feuerpfeile. So lassen sich Gegner verlangsamen oder ich verpasse ihnen Schaden über Zeit.

Während Gold und Munition nach einem Tod oder Beendigung eines Levels wieder weg sind, behalte ich meine Achievements. Dadurch werden Spezialfähigkeiten und Verbesserungen freigeschaltet, beispielsweise mache ich bei Kopftreffern mehr Schaden. Natürlich werden meine Gegner im nächsten Level entsprechend härter.

Die komplett neue Abyss-Welt bietet auf der Quest noch mehr Abwechslung: Das Höllen-ähnliche Level bringt neue, feuerballschmeißende Feinde und Bosse sowie eine neue, gruselige Umgebung.

Saubere, intuitive Bedienung

Eine große Stärke von In Death: Unchained ist die hervorragende Bedienung. Auf Knopfdruck lade ich einen Teleportpfeil, mit dem ich mich an nahezu alle erreichbaren Orte schießen kann.

Für kurzes Teleportieren oder Ausweichen gibt es sogenannte Teleport-Shards: Grip-Taste des rechten Oculus Touch-Controllers gedrückt halten und den Shard in die gewünschte Richtung werfen – schon teleportiere ich mich ein kleines Stück.

Armbrust zielt auf Hexen, Skelette und geflügelte Gegner in In Death Unchained
Verschiedene Gegner bringen Abwechslung in die Sache: Mit der Armbrust lassen sich Hexen und Co. besonders gut perforieren. | Bild: Superbright

Das ist super intuitiv und spielt sich wunderbar. Ebenfalls hervorragend gelungen ist die Präzision mit Bogen oder Armbrust. Sowohl das Spannen des Bogens als auch das Zielen und die ballistische Flugbahn der Pfeile sind perfekt umgesetzt. Wenn ich nicht treffe, bin ich selbst schuld. Zusätzlich muss ich gegnerischen Projektilen ausweichen oder sie mit einem Schild abwehren, was ebenfalls intuitiv und schnell durch Druck auf den Grip-Button des linken Touch-Controller funktioniert.

Dazu kommt der sinnvoll umgesetzte Munitionswechsel: Zwei Munitionsslots stehen mir auf Knopfdruck direkt an der Waffe zur Verfügung. Ich kann sie jederzeit neu bestücken und in Windeseile auf die Bogensehne legen. Dadurch eröffnen sich diverse taktische Möglichkeiten, wenn ich beispielsweise einen Boss mit einem Eispfeil verlangsame, dann mittels Mehrfachschluss das Kleinvolk dezimiere und zwischendurch den Wanst des Ober-Unholds mit normalen Pfeilen zum Nadelkissen umfunktioniere.

Freiheit versus Grafik

Die größte Stärke von In Death: Unchained ist allerdings in der Tat das fehlende Kabel der Oculus Quest (Test). Ich musste mich richtig daran gewöhnen, die Blickrichtung mal nicht ständig über die Analogsticks zu ändern (was jederzeit geht), sondern mich frei innerhalb meines Spielbereichs zu bewegen.

Physisches Ausweichen, physisches Umdrehen und alles, ohne auf ein Kabel achtgeben zu müssen – das ist wunderbar befreiend und wertet das Spiel deutlich auf.

Riesiger Boss in dunklem Gewölbe in In Death Unchained
Riesige oder zumindest sehr zähe Bossgegner lauern am Ende eines jeden Level-Runs. | Bild: Superbright

Grafisch ist die Quest Version zwar kein Augenöffner und natürlich der PCVR-Version deutlich unterlegen. Einige Texturen sind schon ziemlich pixelig und das vielfach graubraune bzw. generell recht dunkle Level-Design ist sicher keine ausgemachte Schönheit.

Trotzdem hat Superbright es geschafft, den Gesamteindruck der Quest-Version sehr stimmig zu gestalten. Wer nicht zwangsläufig die Texturen studiert, wird ein angenehmes grafisches Umfeld vorfinden, das sehr gut zum Gameplay passt. Schon nach kurzer Zeit fallen die Unzulänglichkeiten der Grafik kaum noch auf.

Schwacher Sound

Etwas unzureichend fand ich hingegen den Sound: Generell ist es ziemlich ruhig im Spiel und trotzdem ist es manchmal kaum zu hören, wenn ein Gegner mich durch die labyrinthischen Flure umgeht und mir in den Rücken schießt.

Das sorgt zwar für nette Schockmomente, aber etwas deutlicheren richtungsbasierten Sound hätte ich mir schon gewünscht.

Pfeil auf Bogen zielt auf Hexe in düsterer Höllenwelt in In Death Unchained
In der neuen Abyss-Welt jagen wir die bekannten Gegner und einige neue Dämonen. | Bild: Superbright

Ein letztes Manko gilt es anzusprechen: Es gibt derzeit keine flüssige Fortbewegung. Wer Teleportation nicht leiden kann, wird aktuell mit In Death: Unchained noch nicht glücklich. Allerdings haben die Entwickler schon angekündigt, diese Bewegungsmöglichkeit nachzureichen.

In Death Unchained: Noch besser auf Quest 2?

Mit dem Release der Oculus Quest 2 (Test) kam für Entwickler eine autarke VR-Brille mit deutlich mehr Möglichkeiten was Leistung und grafische Darstellung angeht. Superbright hat In Death: Unchained dafür angepasst und wir haben es ausprobiert.

Ein Vergleich des VR-Roguelike In Death: Unchained auf der Oculus Quest 1 und Oculus Quest 2.
In Death: Unchained bietet auf der Oculus Quest 2 einen deutlich detailreicheren Ausblick. | Bild: Superbright

Natürlich fällt zuerst das deutlich schärfere Bild dank der neuen Auflösung der Quest 2 auf. Wer allerdings jetzt signifikante Unterschiede in der eigentlichen Grafik und den Texturen erwartet, wird nicht begeistert sein – es gibt kaum Unterschiede zu sehen. Die größte Verbesserung hat das Spiel mit einer deutlich hochgeschraubten Weitsicht bekommen. So kann ich ab sofort auch durch den Nebel entfernte Bauwerke und darauf herumlaufende Ziele sehen.

Falls ihr also bereits eine Oculus Quest 2 habt oder kaufen wollt, empfehlen wir natürlich diese Version.

In Death: Unchained Test-Fazit – Großartiger Shooter für zwischendurch

Das VR-Spiel (Releases) profitiert stark von den Qualitäten der Oculus Quest, vor allem aber ihrer Freiheit von Kabel-Fesseln. Eine VR-Brille (Vergleich) ohne Kabelverbindung lässt so ein Spielerlebnis viel dynamischer werden und ich kann tiefer in die Welt eintauchen.

Schnell die Brille aufgesetzt und innerhalb von zwei Minuten bin ich im Spiel: Es macht einfach Spaß, immer mal wieder eine Runde In Death: Unchained zu spielen. Zwar ist das kein Spiel, das man stundenlang am Stück zockt. Aber durch die ausgefeilte Bedienung und das simple Spielprinzip nehme ich immer mal wieder für ein paar Runden den Bogen in die Hand.

Trotzdem ist es nicht gerade reines Casual-Shooting: Regelmäßig werden Reaktionsfähigkeit, Präzision und Schnelligkeit auf harte Proben gestellt.

Steinerner Gargoyle in roter Höllenumgebung mit Skletten, die gegen den Spieler in In Death Unchained anrennen
Die neuen Abyss-Level bieten exklusiv für die Oculus Quest mehr Abwechslung. | Bild: Superbright

Die Atmosphäre ist gelungen gruselig, die Spielmechaniken intuitiv und präzise und die grafische Darstellung überzeugt trotz der Limitierung durch die Hardware. Insgesamt ist diese Portierung hervorragend gelungen und mit dem angekündigten Update für flüssige Fortbewegung dürften noch mehr Spieler abgeholt werden.

Siege of Heaven – DLC im Test

Die Entwickler veröffentlichten am 8. Dezember 2020 den Gratis-DLC Siege of Heaven für Oculus Quest (2), der In Death einen neuen Spielmodus hinzufügt. Ich durfte ihn vorab ausprobieren.

Der neue Spielmodus beschränkt sich aufs Bogenschießen: VR-Spieler stehen an einem geschützten Punkt und müssen Wellen von Gegnern davon abhalten, durch ein nahegelegenes Himmelstor zu schlüpfen. Teleportieren kann man nicht und Ausweichen erübrigt sich, da man zu keiner Sekunde angegriffen wird.

Mit jeder neuen Welle kommen mehr und härtere oder schnellere Gegner. Nach jeder Welle kann man eine Pause einlegen und gegen Gold das Himmelstor regenerieren lassen oder spezielle Pfeile kaufen. Mit diesen kann man unter anderem Bomben legen, Gegner verlangsamen und ganze Höllenscharen gleichzeitig erledigen.

Das Ziel ist, alle 15 Wellen zu überstehen. Erfahrene und ehrgeizige Spieler dürften die Bestenlisten ins Auge fassen, die man mit Hilfe von Killkombos und kunstvollen Treffern erobert.

Mit Siege of Heaven erhält In Death einen Spielmodus, der für VR-Anfänger geeignet ist, ohne sie zu überfordern. Fortgeschrittene Spieler finden dank der Bestenlisten eine neue Herausforderung.

Siege of Heaven spielt sich eintöniger als das Hauptspiel, aber ist eine willkommene Abwechslung zum intensiven Roguelite-Spiel. Der Spielmodus lässt sich außerdem in kürzeren Spielsitzungen genießen. Da der DLC kostenlos ist, wertet er das Spiel in Sachen Umfang weiter auf.

Ihr solltet In Death: Unchained spielen, wenn

  • ihr einen präzisen Bow & Arrow-Shooter sucht,
  • intuitive Bedienung für euch Bedingung ist,
  • ihr das Rogue-Lite-Genre mögt sowie gern Highscores jagt und
  • eine neue, mysteriöse In Death-Welt namens „The Abyss“ erleben wollt.

Ihr solltet In Death: Unchained nicht spielen, wenn

  • Perma-Death und zufällige Level nicht euer Ding sind,
  • ihr eine richtige Story erwartet oder
  • grafische Wunder sehen wollt.

In Death: Unchained bekommt ihr hier

Unterstützte GerätePlattformPreis
Oculus QuestQuest Store30 Euro