Roomscale-VR neu erfunden: „Eye of the Temple“ im Test

Roomscale-VR neu erfunden: „Eye of the Temple“ im Test

Eye of the Temple verbindet Indiana-Jones-Flair mit einem Fortbewegungskonzept, das die Immersion in ungeahnte Höhen treibt.

Seit mehr als fünf Jahren arbeitet der finnische Solo-Entwickler Rune Skovbo Johansen an Eye of The Temple. Im Sommer 2020 erschien eine kostenlose Demo auf Steam, die aufhorchen ließ. Seit Ende 2020 entwickelt Johansen das Spiel Vollzeit und nun ist es endlich für PC-VR-Brillen (Vergleich) erschienen. Was ist so besonders an Eye of the Temple?

Eye of the Temple: Review in aller Kürze

Eye of the Temple bietet ein einzigartiges Spiel- und Bewegungsprinzip, das bei ausreichend Platz eine ungemein starke Immersion entwickelt.

Eye of the Temple wird euch gefallen, wenn ihr …

  • eine immersive Spielerfahrung sucht, die ihresgleichen sucht
  • euch gern in VR bewegt und
  • euch wie Indiana Jones fühlen wollt.

Eye of the Temple wird euch nicht gefallen, wenn ihr:

  • wenn ihr keine künstliche Fortbewegung vertragt,
  • unter Höhenangst leidet und
  • nur wenig Platz zum Spielen habt.

Achtung, hohes Immersionslevel!

Mit Fedora und Peitsche stürze ich mich schon in den ersten Spielminuten ins Abenteuer.

Ich finde mich vor einem uralten Tempel wieder, auf dem ein rätselhafter Fluch liegt. Hier will jeder Schritt wohlüberlegt sein: Zuerst schreite ich von einer beweglichen Plattform zur nächsten und später muss ich vorwärts und rückwärts auf rollenden Zylindern balancieren.

Der Clou an der Sache: Jede Bewegung, die ich im Spiel vollführe, vollführe ich auch in echt. Eye of the Temple ist ein 3D-Plattformer, der man mit dem eigenen Körper spielt. Die folgenden Mixed-Reality-Videos veranschaulichen das Spielprinzip.

 

Die aus lauter Plattformen bestehende Spielwelt ist dabei so konstruiert, dass man niemals außerhalb des Spielbereichs gerät. So entsteht die Illusion, dass man durch eigene Kraftanstrengung einen riesigen Gefahren-Parcours und große Distanzen überwindet. Und das ist unglaublich immersiv.

Ein VR-Spiel mit Workout-Bonus

Dennoch gibt es reichlich künstliche Fortbewegung in Gestalt beweglicher Plattformen und Zylinder, die VR-Spieler:innen in alle denkbaren Richtungen transportieren. Wer empfindlich ist auf künstliche Bewegung, muss sich vorsehen.

Der Tempel ist in Indiana Jones-Manier mit Fallen gespickt, sodass VR-Abenteurer:innen im Laufe des Spiels Feuer, Pfeilen und gewaltigen Messern ausweichen müssen. Aber auch ohne diese Geschicklichkeitsaufgaben hält einen das Spiel auf Trab: Ich war überrascht, wie sehr mich Eye of The Temple physisch forderte. Der Fitness-Bonus ist jedenfalls gern gesehen.

Mit einer Peitsche zerschlage ich alte Vasen, lege Schalter um und setze mich gegen die Beschützer des Tempels, nämlich angriffslustige Skarabäen, zur Wehr. Auf dem Weg durch den Tempel sammle ich außerdem Rubine, die ich später in Smaragde umwandeln muss. Mit diesen lässt sich der Eingang zum innersten Heiligtum des Tempels öffnen.

Die Hintergrundgeschichte wird nebenbei in Form von Visionen erzählt, die ausgelöst werden, wenn man mit einer Fackel Kerzen an besonderen Altären anzündet.

Ein Schritt rechts, ein Schritt links und wieder von vorne

Die Tempelanlage ist groß und führt durch Innen- und Außenräume, schwindelerregende Höhen und dunkle Tiefen voll brodelnder Lava. Wer unter Höhenangst leidet, macht lieber einen Bogen um das Spiel.

Später kann man ein Lorensystem aktivieren und in einem Wagen geschwind von einem Areal zum nächsten fahren.

Eye of the Temple bemüht sich um Abwechslung, wohl bewusst, dass man im Kern meist nur eines tut: sich drehen und Schritte in verschiedene Richtungen vollführen. Durch Fallen provozierte Geschicklichkeitseinlagen sowie Rätse lockern die Spielerfahrung auf, helfen jedoch nicht ganz über das zwar immersive, aber auf Dauer etwas ermüdende Spielprinzip hinweg.

Hinzu kommt, dass man meist nach unten auf die Plattformen blickt, was nach einer Weile in den Nacken geht. Deshalb empfiehlt es sich, alle halbe Stunde eine Pause einzulegen.

Hoher Platzbedarf

Eye of the Temple stellt hohe Anforderungen an die eigenen Räumlichkeiten. Der Entwickler empfiehlt einen Spielbereich von mindestens zwei auf zwei Metern. Meine Erfahrung zeigt, dass man eher mit drei auf drei Metern rechnen sollte. Beim Spielen die digitalen Grenzen des Spielbereichs aufscheinen zu sehen, ist ein absoluter Immersionskiller. Ich habe deshalb während des Testens einen Großteil meines Wohnzimmers freigeräumt. Das ist mühsam, aber lohnt sich.

Wer das nicht kann, wird das Spiel bald in VR-Arcades spielen dürfen. Johansen plant eine Monetarisierung über standortbezogene VR, was die ideale Plattform für das Spiel ist.

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Mit der Peitsche kann man unter anderem Schalter umlegen. | Bild: Rune Skovbo Johansen

Getestet habe ich Eye of The Temple auf einer Oculus Quest 2 (Test) via Air Link (siehe PC-VR-Streaming Anleitung), was gut funktioniert hat. Mit einem Kabel würde ich das Spiel nur ungern spielen wollen.

Ich benötigte zwischen fünf und sechs Stunden, um das Spiel abzuschließen. Wer alle Geheimnisse finden will, braucht länger.

Apropos Oculus Quest: Derzeit ist keine native Quest-Version des Spiels geplant, wie der Solo-Entwickler Rune Skovbo Johansen auf der offiziellen Internetseite schreibt. Der Grund: Das Spiel für die PC-VR-Plattform zu optimieren, war bereits Herausforderung genug. Die Spielwelt ist weitläufig und nicht in Sublevel mit Ladesequenzen unterteilt.

Fazit: Ein einzigartiges VR-Abenteuer

Eye of the Temple beweist erneut, dass physische Aktivität und Immersion eng miteinander verflochten sind. Das einzigartige Spiel- und Fortbewegungsprinzip unterhält auf hohen Niveau, nutzt sich mit der Zeit jedoch etwas ab. Ich hätte mir mehr Geschicklichkeitsaufgaben und clevere Rätsel gewünscht oder neue Arten, mich in der Spielwelt fortzubewegen.

Wer ausreichend Platz zu Hause hat, sich gerne bewegt und mal etwas Neues ausprobieren möchte, wird den Kauf dennoch nicht bereuen. Noch Zweifel? Dann probiert die kostenlose Steam-Demo aus.

 

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Plattformen Unterstützte Geräte Preis
Steam PC-VR-Brillen 19,99 Euro

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