Die VR-App Enhance für Oculus Quest und Rift bietet kurzweilige Minispiele, die ein breites Spektrum kognitiver Fähigkeiten testen sollen. Spieler sollen damit ihre geistigen Kapazitäten über größere Zeiträume hinweg messen, trainieren und analysieren können. Ich habe Enhance ausprobiert und mich mit dem CEO des Startups Virtuleap unterhalten.

Enhance steckt noch in der Entwicklung, deshalb stehen derzeit erst drei Minispiele zur Verfügung. Die sind jedoch unterhaltsam, anspruchsvoll und machen Lust auf mehr.

Im Minispiel “Memory Wall” erscheint eine quadratische Wand aus weißen Kacheln vor dem Nutzer. Eine Reihe zufälliger Kacheln werden für kurze Zeit farblich hervorgehoben. Danach muss man die hervorgehobenen Kacheln aus dem Gedächtnis heraus markieren.

Bei kleineren Kachelwänden ist das noch leicht. Bei größeren mit 64 und mehr Kacheln wird das Merkspiel je nach Muster recht anspruchsvoll.

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In der aktuellen Beta stehen nur drei Spiele zur Verfügung. Ab März sollen monatlich weitere hinzukommen. BILD: MIXED.de (Screenshot)

Von Beat Saber inspiriert

Das zweite Minispiel “Hide & Seek” ist ein raumklangbasiertes Versteckspiel. Ein unsichtbarer Roboter macht um einen herum Geräusche. Als Spieler muss man herausfinden, aus welcher Richtung die Geräusche kommen und den Roboter mit einem Scanner aufdecken. Auch das klingt leichter, als es in Wirklichkeit ist.

Das dritte Minispiel “React” ist ein Sortierspiel, das an den VR-Hit Beat Saber erinnert. Mit zwei virtuellen Tischtennisschlägern muss man unter Zeitdruck entgegenkommende Objekte in zwei runde Portale befördern. Noch wichtiger als das exakte Timing ist, dass man die Objekte in das jeweils richtige Portal schiebt.

Die Objekte verändern sich jedoch stetig und ebenso die Portale, weshalb auch diese Aufgabe mit höher werdendem Schwierigkeitsgrad recht anspruchsvoll wird.

Eine VR-Turnhalle fürs Hirn

Insgesamt sieben menschliche Fähigkeiten will das Startup Virtuleap mit der ausentwickelten VR-App abdecken: Erinnerungsvermögen, Konzentration, Geschwindigkeit, motorische Fähigkeiten, Flexibilität, Problemlösung, räumliche Orientierung und räumliches Gehör.

Nach einem Spieldurchgang wird die Leistung analysiert und in einer Online-Datenbank gespeichert (Registrierung erforderlich).

In der App selbst kann man ein Diagramm abrufen, das auf einen Blick erkennen lässt, in welchen Bereichen man glänzt und welche noch verbesserungsbedürftig sind.

Die VR-App ermutigt Nutzer zu einem täglichen Hirn-Workout, um die eigene Leistungsfähigkeit dauerhaft zu verbessern und verlässliche Daten zu gewinnen. Dafür reicht es, die Spiele einmal am Tag zu durchlaufen.

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Ein Diagramm zeigt die eigenen Stärken und Schwächen. Die aktuellen Spiele testen jedoch nur Teilbereiche. BILD: MIXED.de (Screenshot)

Gehirntraining 2.0 dank VR?

Virtuleap glaubt, dass Virtual Reality Vorteile hat gegenüber herkömmlichem Gehirntraining am Monitor, weil der Körper in stärker eingebunden wird. Dabei beruft sich das Startup auf die Embodiment-Theorie, wonach Kognition wesentlich an die eigene Körperlichkeit gekoppelt ist. Außerdem seien Tätigkeiten, die man mit seinem Körper ausführt, leichter in den Alltag zu übertragen.

VR-Gehirntraining sei ganzheitlicher, meint Virtuleap-CEO Amir Bozorgzadeh. “Menschliche Fähigkeiten wie Motorik, räumliche Orientierung und räumliches Hören kann man nur in Virtual Reality trainieren.”

Um die Richtigkeit dieser Thesen zu untermauern, gab das Startup ein Whitepaper in Auftrag, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema zusammenfasst. Die Arbeit wurde für ein Peer-Review und eine Publikation in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Frontiers in Psychology eingereicht.

VR-Spieler sollen Daten für das KI-Training liefern

Geld verdienen will das Startup vornehmlich mit der Lizenzierung der App an Altersheime, Krankenhäuser, Kliniken, Forschungsinstitute und Unternehmen, die entsprechende Leistungstests für ihre Angestellten anbiete wollen.

“Unsere langfristige Vision ist, hervorragende Datensätze für die Forschung zu schaffen. Die gesammelten Daten sollen in die Entwicklung eines KI-Algorithmus fließen, der als Biomarker für Früherkennung von Krankheiten wie Demenz und Parkinson dienen könnte”, sagt Bozorgzadeh.

Dafür will das Startup im März ein Team für maschinelles Lernen anheuern. Derzeit beschäftigt das Unternehmen elf Angestellte, darunter einen Neurowissenschaftler. Vielleicht sind VR-Daten für das KI-Training auch ein mögliches Geschäftsmodell für Facebook?

Regelmäßiger Spielenachschub ab März

Enhance VR ist bislang im Oculus Store für Oculus Rift (S) und auf Viveport für die autarke VR-Brille Vive Focus Plus erschienen. Ein Antrag auf Veröffentlichung im Quest-Store wurde abgelehnt, allerdings befand sich die App damals noch in einer frühen Alpha.

Virtuleap will die App mit dem nächsten großen Update, das im März erscheint, erneut für den Quest-Store anmelden. Dann soll Enhance auch bei Steam erscheinen und mehr VR-Brillen unterstützen. Wer die App mit Oculus Quest spielen will, kann sie per Sidequest kostenlos herunterladen und installieren (Links siehe unten).

Das März-Update wird ein verbessertes Interface, einen Kalorienrechner sowie zwei neue Minispiele bringen: ein Balance-Spiel und einen Pizzabaukasten. Mit letzterem soll man planerische Fähigkeiten und schnelles Problemlösen trainieren können.

Virtuleap will ab März jeden Monat neue Minispiele herausbringen. Bis Ende 2020 sollen es rund zwanzig Minispiele werden, die das gesamte Spektrum oben genannter kognitiver Fähigkeiten abdecken. Wer Enhance im jetzigen Early Access kauft, erhält kostenlosen Zugriff auf alle zukünftigen Inhalte.

Wer lieber eine fertige Kaufversion möchte, muss noch etwas warten. Aktuell ist der Inhalt mit drei Spielen noch recht dürftig.

Enhance gibt es hier:

Unterstützte GerätePlattformCrossbuy
Oculus Rift (S), Oculus Quest (via Oculus Link)Rift Store9,99 Euro
Vive Focus PlusViveport10 Euro
Oculus QuestSidequestGratis

Titelbild: Virtuleap

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