Wenn die Welt zur Leinwand wird, wer regelt dann, wer darauf malen darf – und wer sieht es? Ein Graffiti in Augmented Reality veranschaulicht, wie eine digital erweiterte Realität die Komplexität unseres Alltags erhöhen wird.

Virtuelle Sprühsimulatoren gehörten zu den ersten Anwendungen, die für die VR-Brille programmiert wurden. Ihr Vorteil liegt auf der Hand: In der Virtual Reality hat man unbegrenzt viel Leinwand zur Verfügung und muss sich nicht vor der Polizei fürchten. Das künstlerische Ausdrucksvermögen in der Simulation steht der realen Sache kaum nach.

Allerdings verbleiben die Kunstwerke in der Virtual Reality. Für andere Menschen sind sie nur sichtbar, wenn sie als Screenshot im Netz verteilt werden. Der gesellschaftliche Sinn des Graffitis, nämlich gezielt als künstlerisches Statement im Kontext eines Ortes oder einer Sache aufzutauchen, geht dabei verloren.

Graffitis in Augmented Reality hingegen vermischen die besten Elemente aus VR-Simulation und Realität: Sie existieren rein digital – Sachbeschädigung im klassischen Sinne gibt es nicht mehr – und sie können dennoch fix an einem Ort auftauchen, so wie das analoge Graffiti.

Sind AR-Graffitis strafbar?

Wahrscheinlich entdecken nur jene Menschen AR-Graffitis, die mit entsprechenden Apps aktiv nach ihnen suchen oder – je nachdem auf welchen AR-Modus sich die Gesellschaft einigt – die Sprühbilder nicht gezielt blockieren.

Im Prinzip ist das doch das optimale Szenario, könnte man meinen, jeder bekommt, was er will: Wer auf Graffitis steht, hat dank der digitalen Vielfalt noch mehr Auswahl. Wer sie hingegen als visuelle Umweltverschmutzung empfindet, blockiert die Sprühbilder und muss sie nicht länger ertragen. Alle sind zufrieden.

Ganz so einfach ist es leider nicht: Wenn wir die enorme Individualität der digitalen Sphäre in die gemeinschaftlich geteilte analoge Welt integri…


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