Was konnte ein SS-Wachmann in Auschwitz sehen – und was nicht? In der Virtual Reality sollen ehemalige Wachmänner der Beihilfe zum Mord überführt werden.

“Wir haben nichts gesehen, wir konnten nichts sehen.” Weidens leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer bezeichnet eine solche Aussage als gängige Schutzbehauptung von ehemaligen Wachmännern, die im Vernichtungslager ihren Dienst verrichteten. Er betreute 2014 einen Prozess, bei dem die Idee zur virtuellen Tatortbegehung entstand.

Denn für die Gerichte ist das Gegenteil zur Schutzbehauptung kaum nachweisbar. Das 3D-Modell von Auschwitz hilft dabei, die Begebenheiten vor Ort originalgetreu zu visualisieren. Der virtuelle Rundgang soll möglichst authentisch zeigen, was Beschuldigte sehen konnten – und was nicht. In diesem Jahr wurde die VR-Begehung beim Prozess des ehemaligen SS-Wachmanns Reinhold Hanning eingesetzt, der in 170.000 Fällen wegen Beihilfe zum Mord zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.

3D-Modell samt VR-Brille vom Bayerischen Landeskriminalamt

Das 3D-Modell konstruierte Ralf Breker, der die zentrale Fototechnik im BLKA leitet. Mittels eines laserbasierten Scanning-Systems und originalen Aufnahmen und Dokumenten kreierte er das 3D-Modell, das er als die exakteste digitale Rekonstruktion von Auschwitz bezeichnet. Mit der VR-Brille HTC Vive wird das Modell begehbar.

Der Brillenträger steht mitten am Tatort und kann sich dort frei bewegen und die Perspektive verändern – so als wäre er vor Ort. Der visuelle Eindruck mit der VR-Brille ist deutlich lebensechter als bei einem 3D-Modell, das nur auf einem 2D-Bildschirm angesehen wird.

“Der Vorteil des Modells ist, dass ich eine bessere Übersicht über das Camp habe und jede Perspektive eines Verdächtigen nachvollziehen kann, beispielsweise vom Wachturm aus”, sagt Breker 



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