Spart euch das LSD, Virtual Reality haut genauso rein

Spart euch das LSD, Virtual Reality haut genauso rein

Ihr wollt außerkörperliche Erfahrungen machen? Setzt die VR-Brille auf. Virtual Reality schickt euch auf einen psychedelischen Trip.

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Mit Psychedelika ist nicht zu spaßen. LSD, Magic Mushrooms und ähnliche Substanzen sind illegale Drogen, die bei Missbrauch zu schweren geistigen Schäden führen können. Lasst also besser die Finger davon.

Die gute Nachricht: Ihr braucht sie ohnehin nicht, um auf einen bewusstseinserweiternden Trip zu kommen. Virtual Reality, übernehmen Sie!

Eine Dosis VR-Brille bitte

David Glowacki erlebte vor fünfzehn Jahren eine Nahtoderfahrung. Er stürzte auf einer Gebirgswanderung, erlitt schwere innere Verletzungen, Blut strömte in seine Lunge. Während er zu ersticken drohte, sah er seinen Körper in Licht getaucht, sein Blickwinkel veränderte sich und das Licht ging in die Umgebung über.

Für Glowacki stand nach diesem Erlebnis fest, dass das Bewusstsein transzendieren kann. Mit der VR-Erfahrung „Isness-D“ will er diesen Zustand nun rekonstruieren und für andere erfahrbar machen. Das in der VR-Brille erlebte soll der Wirkung einer mittleren Dosis LSD oder Psilocybin, dem psychoaktiven Wirkstoff von Magic Mushrooms, gleichen.

Das erwartet euch auf dem VR-Trip

An Isness-D können Gruppen von bis zu fünf Personen teilnehmen. In der VR-Umgebung werden Nutzer:innen als diffuse Rauchwolke mit einer Lichtkugel nahe dem Herzen dargestellt.

Während der sogenannten „energetischen Verschmelzung“ versammeln sich alle Teilnehmenden in der virtuellen Landschaft und überlagern ihr schemenhaften Körper.

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Dadurch ist nicht mehr erkennbar, wo welche Person endet oder beginnt. Ein Gefühl tiefer Verbundenheit bei gleichzeitiger Abschwächung des eigenen Egos soll entstehen. Gefühle, die psychedelische Substanzen ebenfalls hervorrufen.

Studie: VR-Erfahrung ähnliche Effekte wie LSD

Glowacki und sein Team ließen für ihre Studie 75 Proband:innen in Isness-D eintreten. Dabei wurden die durch die VR-Erfahrung ausgelösten emotionalen Reaktionen nach Standards aus der Psychedelika-Forschung gemessen. Anschließend verglichen die Forschenden die Antworten der Teilnehmenden mit Ergebnissen bereits veröffentlichter Psychedelika-Studien.

Die in Isness-D gemessenen Reaktionen ließen sich nicht von denen mittlerer Psychedelika-Dosen unterscheiden. Teilweise erreichte die Intensität der VR-Erfahrung Werte, die vergleichbar mit den Erfahrungsberichten von Menschen sind, die 20 Milligramm Psilocybin oder 200 Mikrogramm LSD intus hatten.

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Psychedelika & VR werden in der Medizin eingesetzt

Psychedelika wie LSD oder Psilocybin können die Wahrnehmung über die eigenen Sinne und die Art, wie wir Informationen verarbeiten, beeinflussen. Es gibt klinische Studien, die einen erfolgreichen Einsatz dieser Substanzen bei Therapien von Zwangsstörungen, Suchtverhalten oder posttraumatischer Belastungsstörung nachweisen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Einsatz von Psilocybin zu bahnbrechenden Erfolgen bei der Behandlung von Depressionen führen kann.

Der erlebte Rausch könne dabei einer Befreiung gleichen und erleichtere den Umgang mit den eigenen Gefühlen. Psilocybin könne schon nach ein bis zwei Behandlungen langfristig positive Effekte bewirken.

Virtual Reality wird ebenfalls in der Medizin eingesetzt. In Großbritannien ersetzt die VR-Brille die Narkosemittel bei OPs und in den USA behandeln Therapeuten chronische Schmerzen mit Virtual Reality.

Brennan Spiegel, der chronische Schmerzen mit einer VR-Erfahrung behandelt, beschreibt in seinem Buch“VRx: How Virtual Therapeutics Will Revolutionize Medicine“ (Amazon-Link) die Wirkungsweise von VR folgendermaßen: „Bombardiert man die Augen mit spektakulären und dynamischen Visionen, dann prallen die drei Milliarden neuronalen Zündungen pro Sekunde durch das halbe Gehirn, um die überwältigende Menge an visuellen Daten zu verarbeiten.“ Dadurch verschwinde laut Spiegel der Schmerz bei Patient:innen. Es sei, als würde man Psilocybin einnehmen.

Selbst-Transzendenz durch Virtual Reality

„Was in der VR passiert, ist das Gefühl, die Existenz der Außenwelt völlig zu vergessen. Es gibt also Ähnlichkeiten mit dem Gefühl, unter Psychedelika eine alternative Realität zu erleben, die sich realer anfühlt als das, was tatsächlich da draußen ist“, erklärt Agnieszka Sekula, Doktorandin am Centre for Human Psychopharmacology in Australien und selbst VR-Therapeutin.

Es gebe aber definitiv Unterschiede zwischen einer in VR oder einer real erlebten psychedelischen Erfahrung. Isness-D zeige ihrer Meinung nach nur einen neuen Weg zur Transzendenz auf, anstatt einen bereits existierenden zu imitieren.

Das Ziel von Isness-D sollte ohnehin nie die Nachstellung eines LSD-Trips sein. Glowacki wollte eine Selbst-transzendierende Erfahrung schaffen, wie er sie in seiner Nahtoderfahrung erlebt hatte. Dabei löse sich die eigene Definition als eigenständiges Individuum auf und es komme zu einem tiefen Gefühl der Einheit mit anderen Menschen oder der Umgebung.

Astronaut:innen berichten über einen ähnlichen Zustand beim Blick vom Weltraum auf die Erde. Jahrelange erlernte Meditation kann ebenfalls zur Selbst-Transzendenz führen. Verglichen mit diesem langen Weg, wäre der Weg über die VR-Brille schon verlockend einfach.

Quellen: MIT Technology Review