In der Zukunft wird es viele “Corporate owned Realities” geben, glaubt der Philosoph David Chalmers.

Wem gehört der digitale Raum, der sich im realen manifestiert? Oder umgekehrt: Wenn Menschen den realen Raum zugunsten einer virtuellen Realität verlassen, in wessen Welt bewegen sie sich dann? In der von Unternehmen? Staaten? Nutzern?

Der bekannte australische Philosoph David Chalmers schreibt an einem neuen Buch, in dem er sich mit diesem Gedanken und weiteren Zukunftskonzepten befasst. Der New York Times schildert Chalmers vorab einige seiner Überlegungen.

Er könne sich leicht vorstellen, dass in der Zukunft 99 Prozent der Menschheit in einer virtuellen Welt leben, besonders dann, wenn die reale Welt zu stark unter Kriegen und dem Klimawandel gelitten habe.

“Die virtuelle Welt wird viel interessanter und angenehmer”, sagt Chalmers. Die VR-Welt, prognostiziert Chalmers, werde “mindestens” auf dem Niveau der realen Welt funktionieren. Womöglich fänden sich Wege, die virtuelle Realität überlegen zu gestalten, freier, gerechter.

Dennoch würden sich manche Menschen entscheiden, weiter in der Standard-Realität zu leben, so wie sich Menschen heute entscheiden, in der Stadt oder auf dem Land zu wohnen. “Vielleicht haben wir eine immer virtuellere Gesellschaft, aber das heißt nicht, dass jeder virtualisiert wird.”

Die virtuelle Welten sieht Chalmers grundsätzlich wertfrei: “Sie sind kein Allheilmittel für die Probleme der Menschheit. Sie sind wie das Internet. Es hat zu tollen und zu abscheulichen Sachen geführt.”

Kein Matrix-Szenario

Dass ein Szenario wie im Sci-Fi-Film Matrix entsteht, in dem eine Entität die komplette virtuelle Welt kontrolliert, hält Chalmers für unwahrscheinlich.

Zwar seien die meisten virtuellen Welten aktuell in den Händen von Unternehmen. Aber von diesen Unternehmenswelten solle es in Zukunft zahlreiche geben.

“Wahrscheinlich läuft es eher so, dass wir dauernd zwischen virtuellen Welten wechseln. Es gibt eine für die Arbeit, eine für Erholung und eine für die Bildung”, sagt Chalmers. Niemand werde den Cyberspace besitzen.

Die Welt existiere nur im eigenen Verstand. Was als Realität wahrgenommen werde, sei letztlich eine Frage der Gewohnheit:

“Ist es so viel schlimmer, in einer computergenerierten Realität zu sein als in jener der zeitgenössischen Physik? Quantenwellenfunktionen mit unbestimmten Werten? Das scheint so ätherisch und unbegründet wie die virtuelle Realität. Aber hey! Wir sind daran gewöhnt.”

Quelle: New York Times; Titelbild: TEDxSydney / David Clare bei Flickr. Lizenziert nach CC BY-NC-ND 2.0.

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