KI-Saugroboter iRobot Roomba j7+ im Test: Der Tesla-Effekt

KI-Saugroboter iRobot Roomba j7+ im Test: Der Tesla-Effekt

Der Saugroboter iRobot Roomba j7+ muss sich dem Mixed-Langzeittest stellen und zeigt, was er in Sachen Objekterkennung, Saugleistung und Bedienkomfort drauf hat.

Mit Werbeeinnahmen bezahlen wir unsere Redakteur:innen.
Mit einem MIXED-Abo kannst Du unsere Seite werbefrei lesen.

Mit dem iRobot Roomba j7+ bringen die Saugroboter-Experten aus den USA einen Roboter auf den Markt, dessen KI-Bildanalyse sogar Häufchen erkennen soll. Statt auf Lasernavigation setzt iRobot dazu auf Kamera und Künstliche Intelligenz.

Ich habe den Saugroboter mit Computer Vision drei Monate lang getestet, sowohl im Alltag als auch gezielt in einem Hindernisparcours. Am Ende hinterließ der Roomba j7+ zwar Eindruck, warum er mich dennoch nicht rundum glücklich macht, lest ihr im Test.

iRobot Roomba j7+: Review in aller Kürze

Auch wenn die Objekterkennung bei kleinen Teilen wirklich herausragend und Funktionsumfang sowie Bedienbarkeit über die Smartphone-App vorbildlich sind, überzeugte mich der Roomba j7+ nicht vollends. Der Saugroboter macht vieles richtig, hat aber einige kleine Unzulänglichkeiten, die trotz „KI-Lernens“ auch über drei Monate nicht nennenswert besser wurden.

Insgesamt hebt er sich nicht entscheidend von der Konkurrenz ab, die bei ähnlichem Preis mehr Funktionen, etwa eine Wischfunktion, an Bord haben. Trotz einiger Makel gilt: Wer einen reinen Saugroboter mit starker Saugleistung, solider Absaugstation und robuster Objekterkennung sucht, wird aktuell kaum ein besseres Gerät als den iRobot Roomba j7+ finden.

Vorteile des iRobot Roomba j7+:

  • hervorragende Objekterkennung bei kleinen Teilen wie Kabel, Socken, etc.
  • starke Saugleistung auch entlang von Kanten
  • beinahe wartungsfreie Hauptbürste
  • sehr einfache Einrichtung und gut strukturierte App
  • viele sinnvolle Funktionen wie automatische Reinigung beim Verlassen des Hauses
  • hübsche Absaugstation mit praktischem Staufach für Absaugbeutel
  • über die KI-Kamera erkannte Hindernisse können manuell klassifiziert werden

Nachteile des iRobot Roomba j7+:

  • mangelhafte Hinderniserkennung bei größeren Objekten wie Subwoofern, Gitarren, etc.
  • häufiges Anfahren von Möbeln, Wänden, Türen, etc.
  • kommt nur schlecht in Ecken, was Nacharbeit erfordert
  • benötigt zu viele Durchgänge, um einen Raum flächendeckend zu reinigen
  • KI-Kamera erkennt manche Hindernisse dauerhaft nicht
  • kann nur in hellen Räumen präzise navigieren

iRobot Roomba j7+: Einfache Inbetriebnahme und präzises Mapping

Die Inbetriebnahme des iRobot Roomba j7+ geht ruckzuck und ist auch für Neulinge kein Problem. Über die Begleit-App wird der neue Roboter automatisch gefunden. Anschließend führt sie mich Schritt für Schritt durch den Einrichtungsprozess und gibt Tipps und Informationen zu den Funktionen.

Der iRobot Roomba j7+ kommt mit einer hübschen Absaugstation, einer Ersatzbürste und einem Wechselfilter.

Der iRobot Roomba j7+ kommt mit einer hübschen Absaugstation, einer Ersatzbürste und einem Wechselfilter. | Bild: iRobot / MIXED

Für die Kartierung eines Raumes benötigt der Roomba mindestens zwei Durchläufe. Auf Wunsch kann er dabei schon reinigen, dann dauert es aber etwas länger. Einen 15 Quadratmeter großen Raum schafft er mit etwa 13 Minuten pro Runde.

Während dieser Phase solltet ihr aber sämtliche Kleinteile und Kabel vom Boden entfernen. Auch Wackeliges und Fragiles wird besser gesichert. Der Roomba nimmt während der Kartierung kaum Rücksicht auf Verluste, überfährt alles und ditscht überall an. Meine Akustik-Gitarre hebelte der Roboter beinahe aus dem Ständer. Danach habt ihr allerdings eine sehr präzise Karte der Umgebung.

Mit Werbeeinnahmen bezahlen wir unsere Redakteur:innen.
Mit einem MIXED-Abo kannst Du unsere Seite werbefrei lesen.

Sinnvolle Funktionen und praktische App

Der iRobot Roomba j7+ kann alles, was ein moderner Saugroboter können muss. Ich kann Zeitpläne programmieren oder ihn automatisch reinigen lassen, wenn ich das Haus verlasse. Smarte Maps erstellt der Roomba für mehrere Räume, Teppiche erkennt er selbstständig und er versucht jedes Zimmer sinnvoll einzuteilen, etwa in einer Wohn-Ess-Küche. Klappt das nicht wie gewünscht, kann ich manuell nachhelfen.

Außerdem darf ich bestimmte Reinigungszonen festlegen. Bereiche, die tendenziell häufiger schmutzig werden wie die Küche, der Essbereich oder Eingangsbereich reinigt der Roomba dann gezielt und auf Wunsch mehrmals am Tag.

Die Begleit-App des iRobot Roomba j7+ ist sinnvoll strukturiert und ich finde alle Funktionen problemlos. Auf dem Hauptbildschirm kann ich Favoriten festlegen und muss dadurch nicht mehr extra auf die Smart Map, um beispielsweise wiederkehrende Aufgaben wie das Anfahren einer bestimmten Reinigungszone zu starten.

Zudem gibt es einen Verlauf, der die Reinigungsstatistik des Roombas detailliert festhält und verschiedene nützliche Tipps rund um den Saugroboter.

Saugleistung im täglichen Betrieb: Licht und Schatten

Im täglichen Gebrauch reinigt der iRobot Roomba j7+ ordentlich. Seine Saugleistung ist zwar stark, es gibt kaum eine trockene Verschmutzung, die er nicht entfernt. Allerdings erreicht er manche Bereiche nicht.

In einem Hunde- oder Katzenhaushalt müsst ihr alle paar Tage nacharbeiten, da sich in Ecken oder um größere Gegenstände herum, wie Subwoofer oder Boxen, Haare und Wollmäuse sammeln. Eine zweite Reinigungsbürste hätte vielleicht nicht geschadet.

Die Hauptbürste besteht aus zwei sich entgegengesetzt bewegenden Gummiwalzen und ist nahezu wartungsfrei.

Die Hauptbürste des iRobot Roomba J7+ besteht aus zwei sich entgegengesetzt bewegenden Gummiwalzen und ist nahezu wartungsfrei. | Bild: MIXED

Die Konstruktion der Hauptbürste ist dagegen ein Geniestreich. Die beiden sich entgegengesetzt bewegenden Gummiwalzen sind nahezu wartungsfrei. Ich musste nur einmal in drei Monaten ein paar Haare entfernen. Verwicklungen und dadurch entstehende Abbrüche des Reinigungsvorgangs gehören damit der Vergangenheit an.

Objekt- und Hinderniserkennung des iRobot Roomba j7+ im Test

Der iRobot Roomba j7+ setzt bei der Navigation auf eine Kamera mit LED-Leuchte, Stoß- und Absturzsensoren. Einen Lidar-Scanner wie etwa der Ecovacs Deebot T9+ (Test) hat er nicht. Der Roomba benötigt deshalb immer genügend Licht, damit die Navigation klappt. Über Kanten gleitet er mühelos hinweg und an Stufen entlang manövriert er sicher.

Auf Wunsch kann ich mich für die „Überprüfung von Hindernisbildern“ anmelden. Mit seiner kamerabasierten „PrecisionVision Navigation“ erkennt er Objekte und Hindernisse, zeichnet sie auf und fragt sie anschließend ab. Dadurch soll der Roomba seine Umgebung besser kennenlernen und seine Objekterkennung robuster werden.

iRobot Roomba j7+: Hinderniserkennung im Alltag

Ich musste den Roomba in drei Monaten kein einziges Mal selbst zurück in die Ladestation bringen. Im Wohnzimmer mit Hochflor-Teppich, engen Passagen zwischen Couch und Couchtisch sowie einer Treppe nach unten gab es nie Probleme. Auch unter dem Sideboard mit (zugegebenermaßen schlampig) darunter befestigter TV-Verkabelung kam er jedes Mal wieder hervor, ohne Schaden anzurichten.

Der iRobot Roomba j7+ fährt häufig an. Das ist das Resultat nach drei Monaten.

Der iRobot Roomba j7+ fährt häufig gegen Objekte. Das ist das Resultat nach drei Monaten. | Bild: MIXED

Der einzige Makel, den der Roomba j7+ bei der Hinderniserkennung hat, ist seine Vorliebe für das Anfahren von Möbeln, Wänden und großen Objekten.

Der KI-Helfer erkennt zwar viele kleine Gegenstände und umfährt sie mühelos, unsere Terrassentür mit weißem Rahmen oder den silbernen Subwoofer begrüßt er auch nach drei Monaten immer noch mit einem herzlichen „Rumms“.

Video: MIXED

Im obigen Video seht ihr, wie sich der Roomba j7+ unter einem Schreibtisch herausmanövriert und dabei kaum eine Gelegenheit auslässt, anzufahren. Den Bürostuhl am Schluss erkennt er jedoch mühelos. Hier war trotz KI-Hinderniserkennung auch nach drei Monaten keine Besserung zu bemerken. Das System ohne Lasernavigation scheint noch nicht ausgereift zu sein.

iRobot Roomba j7+ im MIXED-Büro-Parcours

Ich habe für den Roomba j7+ zwei Monate lang Tierhaare gesammelt und auf den schwarzen Kunststofftrainingsmatten meines VR-Zimmers ausgebreitet. Auf den Hundedecken fanden sich glücklicherweise auch einige Krümel und anderer nützlicher Schmutz, um dem Roomba eine würdige Aufgabe zu stellen. Dazu habe ich noch einige Kleinteile platziert, wie sie auf den meisten Fußböden gelegentlich vorzufinden sein dürften.

Der iRobot Roomba j7+ musste sich jeder Menge Hundehaare, einer Handvoll Erdnüssen, einem Futternapf, einer Socke, Kabeln und Gitarrenständern stellen.

Der iRobot Roomba j7+ musste sich jeder Menge Hundehaare, einer Handvoll Erdnüssen, einem Futternapf, einer Socke, Kabeln und Gitarrenständern stellen. | Bild: MIXED

Die Objekterkennung ist die große Stärke des iRobot Roomba j7+. Kabel, Hundenapf und Schal umfährt er meist zielsicher. Vorsicht bei Kleinstteilen: Eine Handvoll Nüsse saugt er weg wie nichts. Der Roomba zeichnet Objekte über seine Kamera auf und präsentiert sie nach dem ersten Reinigungslauf in der App.

Dort habe ich die Möglichkeit, anzugeben, ob es sich um ein temporärer oder dauerhaft platziertes Objekt handelt. Die erste Kategorie soll ich anschließend aufräumen, damit der Roomba die entsprechenden Stellen saugen kann. Das klappt hervorragend. Im nächsten Durchgang fährt der Roboter die Stellen, an denen vorher Objekte lagen, problemlos an.

Was er in diesem Testlauf nicht zuordnen konnte, sind schwarze Stativ-Beine von Gitarrenständern. Die weiße E-Gitarre schubst er samt Stativ ein paar Zentimeter durch den Raum. Unter dem Sofa manövriert er problemlos. Schwierig wird es bei Gegenständen, die etwa so hoch über dem Boden hängen, wie der Roomba selbst hoch ist. Die im Ständer hängende Akustik-Gitarre hebelt er mehrmals beinahe aus.

Das ist bei wertvollen Gegenständen wie Gitarren, Vasen oder fragiler Deko ein Problem. Abhilfe schafft die Raumabgrenzungsfunktion. Sperrt solche Gegenstände auf der smarten Karte des Roboters lieber ab und saugt kurz selbst einmal herum. Insgesamt ist die Objekterkennung bei Kleinteilen und Haustieren allerdings die stärkste, die ich bislang getestet habe.

Ergebnisse der Objekterkennung im Büro-Parcours mit Video

Objekt Hinderniserkennung Minute im Video
Socke Angefahren, danach erkannt und umfahren 00:52 / 05:33 / 09:12
Kabel (schwarz) Erkannt und umfahren 00:46 / 07:33
Futternapf Zweimal erkannt und umfahren, beim dritten und vierten Mal leicht angerempelt 01:17 / 03:58 / 04:05 / 05:25
Erdnüsse Als Schmutz erkannt und aufgesaugt 04:12
Kabel (weiß) Erkannt und umfahren 01:36 / 03:47
Schal Einmal erkannt und umfahren, beim zweiten mal nicht erkannt und angefahren 05:50 / 06:10
Hund Erkannt und umfahren 05:57 / 11:05
E-Gitarre (weiß) auf schwarzem Ständer Nicht erkannt und mehrmals angefahren 02:48 / 04:24 / 10:06 / 10:26
Akustik-Gitarre (braun) auf schwarzem Ständer Nicht erkannt und mehrmals angefahren 05:12 / 09:31 / 10:40 / 13:05
Lautstärkemessung während des Saugens ca. 56 – 58,7 dB (entspricht einem ruhigen Büro) 07:56
Lautstärkemessung der Absaugstation Ca. 70 – 72 dB (entspricht regem Verkehr)  14:28
Einfahrt in die Ladestation Zielsicher anvisiert und gefunden 13:30

Fazit: iRobot Roomba j7+ im Test

Der iRobot Roomba j7+ kann vieles hervorragend, hat aber die gleichen Schwächen wie die meisten Saugroboter seiner Generation. Er saugt stark, benötigt jedoch mindestens drei Durchgänge, um einen Raum von knapp 15 Quadratmetern flächendeckend zu reinigen, da er immer wieder Bereiche ausspart. Er erwischt Schmutz entlang von Kanten problemlos. An Ecken sammeln sich über längere Zeit aber Tierhaare und Wollmäuse. Dadurch erfüllt er im Alltag seinen Job insgesamt nur ordentlich, da es noch zu viele Stellen gibt, die Nacharbeit erfordern. Hier wäre mehr drin gewesen.

In Sachen Verarbeitung, Design und Bedienbarkeit gibt es nichts zu meckern. Sowohl Roboter als auch Absaugstation sind dezent und machen sich gut im Wohnzimmer. Die Hauptbürstentechnologie von iRobot ist clever und erfordert nur selten kleine Wartungshandgriffe. Beutel in der Absaugstation können schnell gewechselt werden und für Ersatzbeutel gibt es ein praktisches Fach. Die App ist sauber strukturiert und beinhaltet viele praktische Features, die verständlich erklärt werden. Es kam nur selten zu Verbindungsabbrüchen und vereinzelt wechselte die Sprache selbstständig von Deutsch zu Englisch. Nichts, was das nächste Software-Update nicht beheben könnte.

In der Objekterkennung ist der iRobot Roomba j7+ hervorragend und wohl der beste seiner Klasse, solange es sich um kleine Teile wie Socken oder Kabel handelt. Bei größeren Objekten tut er sich hingegen schwer. Die Absturzsensoren an Treppen funktionieren tadellos, aber an Schreibtischen, Subwoofern, Gitarrenständern oder hellen Terrassentüren fährt er regelmäßig an. Haustiere scheinen hingegen sicher vor ihm zu sein.

iRobot Roomba j7+ könnt ihr hier kaufen

Es lohnt sich, Angebote abzuwarten, da der iRobot Roomba j7+ für einen UVP von 999 Euro deutlich zu teuer ist. Bekommt ihr das Gerät mit Absaugstation zwischen 780 und 830 Euro, habt ihr einen fairen Preis. Unter 750 Euro macht ihr ein Schnäppchen.

Letzte Aktualisierung am 26.09.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten