Gondwana: Virtual-Reality-Film dauert 48 Stunden

Gondwana: Virtual-Reality-Film dauert 48 Stunden

Eine Dokumentation entführt euch 48 Stunden am Stück in die Virtual Reality und schickt euch dabei 100 Jahre in die Zukunft.  

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350 Quadratmeter erkundbare Fläche, 50.000 Pflanzen und 40 Stunden Audioaufnahmen stecken in dem VR-Film „Gondwana“. Es ist die weltweit erste „Virtual Reality-Dauerinstallation“. Wer Gondwana in voller Länge erleben will, muss viel Zeit mitbringen. Das Erlebnis dauert ganze 48 Stunden.

VR-Doku zeigt 180 Millionen Jahre alten Regenwald

Der Regisseur Ben Joseph Andrews und die Regisseurin Emma Roberts verbrachten 2019 fünf Monate im Regenwald des Daintree-Nationalparks in Australien. Dabei sammelten sie so viele Eindrücke wie möglich, erforschten Flora und Fauna und nutzten die gesammelten Daten, um ein komplettes Ökosystem in Virtual Reality zu simulieren.

Bei ihrer Ankunft im 180 Millionen Jahre alten Regenwald waren Andrews und Roberts überwältigt: „Wir packten Telefone und Computer weg und haben uns auf die Zeitzyklen des Waldes eingelassen“, beschreibt Andrews in einem Interview die Ankunft während der Regenzeit.

Das Loslassen und Sich-Ergeben habe den beiden Zeit gegeben, zuzuhören und die vielschichtige Natur dieser Umgebung schätzen zu lernen.

Die Zukunft des Regenwalds in 48 Stunden

Die VR-Doku „Gondwana“ wird derzeit auf dem Melbourne International Film Festival gezeigt und war Teil der diesjährigen Ausgaben des Sundance Film Festivals und SXSW. Gondwana versetzt Zuschauende in einen 350 Quadratmeter großen, virtuell rekonstruierten Abschnitt des Daintree Regenwalds.

Das VR-Erlebnis führt durch die virtuellen Wälder, entlang von Flüssen und überquert Berge. Alle 14 Minuten springt das simulierte Ökosystem um ein Jahr in die Zukunft, bis es eine spekulative Version des Jahres 2090 erreicht.

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Epische VR-Doku: Jeder Durchlauf endet anders

Während der Reise durch Raum und Zeit beobachtet ihr, wie sich die Pflanzenwelt über die Jahre verändert. Jeder Durchlauf des Films führt zu einem anderen simulierten Ende, da auch die Beteiligung des Publikums Einfluss auf die Entwicklung des virtuellen Regenwalds hat.

„Wir kuratieren nicht das perfekte Erlebnis“, erklärt Andrews. „Natur, Zufall und Seltenheit sind wichtig. Die Umwelt hat diese Momente, die sehr wertvoll und selten sind – und man wird nie Zeuge des Ganzen, man steht nicht im Mittelpunkt.“

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Je länger Nutzer:innen in Gondwana verweilen, desto robuster wird der Regenwald. Der längste Besuch in der VR-Doku an einem Stück dauerte bislang 16 Stunden.

„Wir wollten zeigen, dass kein Einzelner den ganzen Wald retten kann, aber gemeinsam können wir verhindern, dass er sich verschlechtert“, sagt Roberts. „Wir wollten, dass er für Möglichkeiten wie Schutz und Widerstandsfähigkeit offen ist. Das war für uns ein Paradigmenwechsel. Und ich denke, das ist ein wichtiger Weg, um über eines der größten Probleme unserer Zeit nachzudenken.“

Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Ureinwohner:innen

Die Entwicklung der 48-Stunden-VR-Doku dauerte insgesamt vier Jahre. Dabei arbeiteten Andrews und Roberts eng mit Wissenschaftler:innen zusammen, um die klimabedingten Veränderungen des Ökosystems realitätsgetreu nachzubilden. Auch die Ältesten der Kuku Yalanji spielten eine wichtige Rolle bei den Recherchen für die VR-Doku.

Ein Screenshot der VR-Erfahrung Gondwana VR.

Die Macher:innen von Gondwana VR arbeiteten eng mit der Forschung zusammen, um die Entwicklung des Regenwalds realitätsgetreu abzubilden. | Bild: Ben Joseph Andrews, Emma Roberts, The 2050 Group

Das Volk der Kuku Yalanji ist eine der ältesten lebenden Kulturen und lebt seit etwa 50.000 Jahren im Regenwaldgebiet um Queensland. „Ihre jahreszeitlichen Kalender stimmten nicht mehr mit ihrem traditionellen Verständnis und Wissen überein – einem Wissen, das Zehntausende von Jahren alt ist“, beschreibt Andrews. „Diese Idee, dass sie aus dem Takt geraten, war eine wichtige künstlerische Metapher, mit der wir uns auseinandersetzen mussten.“

VR-Doku zeigt klimabedingte Schäden des Regenwalds

Daintree ist ähnlich wie das Great Barrier Reef von einer langsamen Zerstörung betroffen. Laut Roberts sei diese im Regenwald allerdings schwieriger zu erkennen. Man könne die Veränderungen nur sehen, wenn man den Unterschied zwischen den alten gondwanischen Arten und den modernen Arten des Sumatra-Dschungels kenne.

Gondwana VR will Zuschauende für diesen Niedergang des Regenwalds sensibilisieren. Während des Films bleichen immer wieder einzelne Pflanzen und Tiere aus, die vom Aussterben bedroht sind. Zunächst werden sie zu einzelnen geisterhaften Schemen in der Dämmerung. Langsam zieht sich die Bleiche über den ganzen Regenwald. Vogelgezwitscher verschwindet völlig.

„Wir fingen an, uns die Daten im Detail anzusehen“, erklärt Roberts. „Es war ein schockierendes, schockierendes Bild, auch von dem, was wir bereits verloren hatten. Die Erfahrung, dort zu leben, und dann zu erfahren, was wir zu verlieren drohen, war wie der schmerzhafte Tod eines engen Verwandten.“

Quellen: Gondwana VR, MIFF, The Guardian