Estland: Autonome Lieferroboter bleiben im Schnee stecken

Estland: Autonome Lieferroboter bleiben im Schnee stecken

Die Miniaturliefertrucks des estländischen Herstellers Starship Technologies stauen sich auf einem verschneiten Gehweg, obwohl der Hersteller die Wetterbedingungen gut kennt. Was ging schief?

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Vielleicht ist das kalifornische Hauptquartier des estländischen Unternehmens Starship Technologies ein wenig zu sonnig und zu weit weg von der kühleren Heimat: Den starken Schneefall zuletzt hatten die Ingenieure so offenbar nicht auf dem Schirm, oder die Firma rechnete einfach fix mit einem besseren Winterdienst. Denn eigentlich operieren die Minitransporter auch im estländischen Winter verlässlich.

Autonomes Verkehrsproblem im Miniaturformat

Kurz zum Hintergrund: Das 2014 in Estland gegründete Start-up Starship Technologies hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb autonomer Lieferroboter für die letzte Meile spezialisiert. Ziel ist der Aufbau eines weltweiten Netzwerks. Hinter dem Unternehmen stecken Mitgründer von Skype.

Starship Technologies startete die ersten Feldversuche bereits 2016 in UK und den USA und erweiterte den eigenen Service dann kontinuierlich, auch in Deutschland und eben Estland. Hauptsächlich liegen in den Miniatur-Roboterautos Einkäufe und speziell Lebensmittel. Laut der Firma transportierten die Vehikel bislang zwei Millionen Lieferungen erfolgreich zu den Empfänger:innen.

Die Roboterlieferfahrzeuge orientierten sich anhand von Karten und Kanten in der Umgebung. Verbaut sind zwölf Kameras, Ultraschallsensoren und Radare. Die Navigation erfolgt per KI-Bildanalyse und GPS. Im Notfall können sie ferngesteuert werden.

Schneeblind oder nicht winterfest?

Eben so ein Notfall ist jetzt in Estland aufgetreten, der kurios anzusehen ist: Gleich sieben der Minitransporter blockieren sich gegenseitig auf einem zugeschneiten Gehweg, das zeigt ein Video der Moskauer Onlinezeitung Lenta.ru bei Twitter. Zunächst liegt der Verdacht nahe, dass die Vehikel nicht winterfest konstruiert sind und daher Probleme mit den Schneemassen haben. Zumindest bei einem Robotransporter ist zu erkennen, dass er einen kleinen Schneehügel nicht überwinden kann.

Allerdings zeigen andere Videos, dass die Transporter grundsätzlich sicher auf Schnee fahren können.

Daher könnte auch ein Computer Vision-Problem vorliegen: Durch den vielen Schnee ist es für das Navigationssystem im Transporter schwierig bis unmöglich, Bordsteinkanten in der Umgebung zu erkennen, an denen es sich orientiert. Anstatt also eine Fehlnavigation oder einen Unfall mit den Kollegen zu riskieren, bleiben die Transporter einfach stehen – und blockieren den Gehweg.

Starship Technologies hat sich auf Rückfrage bislang nicht zur Ursache des Gehwegstaus geäußert. Sobald das passiert, aktualisiere ich den Artikel. So oder so: Der Robotransporterstau ist ein niedliches Beispiel für die Komplexität autonomer Maschinennavigation in für Menschen gemachten Umgebungen.

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Quellen: Twitter, Titelbild via Instagram Starship Technologies

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