Die rumänische Jüdin Eva Mozes Kor wurde mit zehn Jahren ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Von ihrer Familie überlebten nur sie und ihre Schwester, dennoch verzieh sie den Nazis. Die VR-Erfahrung “The Eva Experience” erzählt ihre Geschichte.

Eva und Miriam Mozes überlebten aus einem einzigen Grund: Sie waren Zwillinge und somit als Versuchsobjekte für die pseudomedizinischen Experimente des Lagerarzts Josef Mengele vorgesehen. Die Schwestern und der Rest der Familie wurden noch auf der Bahnrampe des Lagers getrennt. Die beiden Mädchen sahen Vater, Mutter und die übrigen Geschwister nie wieder.

Mengele ausgeliefert, mussten die Schwestern und viele andere Zwillingse menschenverachtende Experimente über sich ergehen lassen. So wurden den Kindern zuerst in einem Arm viel Blut entnommen und in den anderen schließlich unbekannte Substanzen gespritzt. Beide entkamen dem Tod nur knapp.

Die Schwestern überlebten Auschwitz und gründeten die Selbsthilfe-Organisation Candles (Children of Auschwitz Nazi Deadly Lab Experiments Survivors). Eva Mozes Kor hielt zeitlebens Vorträge, in denen sie von ihrer Lagererfahrung erzählte und organisierte Studienreisen nach Auschwitz.

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Die stereoskopischen 360-Grad-Fotos vermitteln das Gefühl, vor Ort zu sein. BILD: Ascent XR LLC

Auschwitzbesuch und Dokumentation

Die VR-Erfahrung The Eva Experience kombiniert Szenen aus der preisgekrönten Dokumentation “Eva A-7063” mit stereoskopischen 360-Grad-Fotos, die zeigen, wie das ehemalige Konzentrationslager heute aussieht.

Zwölf Filmausschnitte erzählen Mozes’ Geschichte nach: von der Selektion auf der Bahnrampe bis hin zum Gedenken an die Verbrechen 50 Jahre nach der Befreiung des Lagers.

Die fotografierten Orte passen zu den Szenen: So steht man vor einem Viehwaggon auf der Bahnrampe, wenn Mozes davon erzählt, wie sie nach der Ankunft in Auschwitz von ihrer Familie getrennt wurde oder in Mengeles ehemaligem Versuchslabor, wenn Mozes die brutalen Experimente beschreibt.

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Die VR-Erfahrung kombiniert eine 360-Grad-Sicht mit Zeitdokumenten. BILD: Ascent XR LLC

Vergebung als Schlüssel zur Selbstheilung

Die 360-Grad-Fotos sind von guter Qualität und gaukeln räumliche Tiefe vor, sodass man annähernd das Gefühl hat, die Orte in Auschwitz zu besuchen, an denen Eva Mozes gelebt und gelitten hat. Von den dort stattgefundenen Gräueltaten können sie trotzdem nur eine ungefähre Vorstellung geben.

Die letzte Station in der VR-Erfahrung sind die Ruinen der Krematorien. Hier trat Eva Mozes fünfzig Jahre nach Befreiung des Lagers auf, um ihren Nazi-Peinigern öffentlich zu vergeben. Dieser symbolische Akt diente der Selbstheilung vom Schrecken des Erlebten. Eva Mozes starb am 4. Juli 2019 85-jährig in Krakau.

The Eva Experience ist erhältlich für Oculus Go und Samsung Gear VR und kostet 13 Euro. Der Trailer zeigt Ausschnitte aus der Dokumentation “Eva A-7063”.

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