Im März 2015 hielt der Filmemacher Chris Milk einen Vortrag, in dem er die VR-Brille als die “ultimative Empathiemaschine” bezeichnete. Seine These: Virtual Reality könne Nutzer noch besser in die Situation anderer Menschen versetzen als traditionelle Medien, weil man gleichsam an den Ort eines Geschehens transportiert wird und dieses hautnah miterlebt. Am Tribeca Film Festival zeigte sich, dass mehr und mehr VR-Filmemacher an dieser Idee zweifeln.

Das VR-Studio Here Be Dragons, das für Chris Milks 360-Grad-Videoplattform “Within” regelmäßig Filme produziert, hat auf dem Tribeca Film Festival zwei neue Arbeiten vorgestellt. Während The Protectors von Aufsehern handelt, die im kongolesischen Nationalpark Garamba ihr Leben aufs Spiel setzen, um Elefanten vor Wilddieben zu schützen, geht es in The Last Goodbye um einen Holocaust-Überlebenden, der das Konzentrationslager Majdanek besucht, in dem seine Familie ermordet wurde.

“Ich will nie wieder jemanden von der ‘Empathiemaschine’ reden hören”, sagt der Mitgründer und Leiter des Studios Patrick Milling-Smith gegenüber The Verge. Er halte zwar an Idee fest, dass Virtual Reality in der Lage sei, Empathie hervorzurufen, dennoch finde er, dass der Begriff mittlerweile überbeansprucht werde.

Amaury La Burthe lehnt den Ausdruck ebenfalls ab, wenn auch aus anderen Gründen. La Burthe hat an “Unrest” mitgearbeitet, einem VR-Film, der den Kampf der Regisseurin gegen das Chronische Erschöpfungssyndrom (CES) dokumentiert.In dem Film gehe es nicht darum, Mitgefühl zu wecken, sondern eine Erfahrung zu schaffen, die sich real anfühlt, sagt La Burthe.

Er fände VR-Dokumentationen über Flüchtlinge seltsam und ineffektiv und meint damit vermutlich das preisgekrönte “Clouds over Sidra”, das die Situation in einem jordanischen Flüchtlingslager zeigt. Dass die Dokumentation in 360-Grad gedreht ist, füge dem Film nicht viel hinzu, meint La Burthe und ergänzt: “Ich ziehe eine gute Dokumentation vor.”



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