Virtual Reality: Historische Geisterbahnen in 360-Grad durchfahren

Virtual Reality: Historische Geisterbahnen in 360-Grad durchfahren

Von allen möglichen Anwendungsszenarien der Virtual Reality gibt es eines, das ganz besonders fasziniert: Die Möglichkeit, Erinnerungen und Zeitgeschichte zu speichern und erneut erfahrbar zu machen.

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Natürlich gibt es Erzählungen, Schriften, Fotos oder Videos, die in der Gegenwart die Geschichte nachvollziehbar machen. Aber diese Erinnerungen sind stets an die Restriktionen des Mediums gebunden, das den Blick auf die Vergangenheit entsprechend verzerrt. Sie sind nur Interpretationen der Wirklichkeit, wie sie der Ersteller des Mediums in jenem Moment erlebt hat - oder erleben wollte.

Nun ist Virtual Reality zwar nicht sicher vor Inszenierung und Manipulation, aber zumindest hat das neue Medium - richtig eingesetzt - das Potenzial, Erlebnisse und Erfahrungen objektiv einzufangen und subjektiv wiedererlebbar zu machen. Einsetzen kann man dieses Potenzial in vielen Szenarien: Im Journalismus, um Nachrichten erfahrbar zu machen. Auf privaten Veranstaltungen, um Erinnerungen originalgetreu an die Urenkel weiterzugeben. Oder um dafür zu sorgen, dass historische Geisterbahnen nicht in Vergessenheit geraten.

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Historische Geisterbahnen in Virtual Reality erneut erleben

Letzteres hat sich das Team von "Dark Ride" zur Aufgabe gemacht. Dark Rides, das sind Attraktionen auf Jahrmärkten oder in Vergnügungsparks, die vornehmlich durch dunkle Abschnitte fahren - so wie Geisterbahnen. Einige davon waren über Dekaden hinweg in Betrieb und sind über die Jahre zu einem Kulturgut gereift. Joel Zika beschäftigt sich laut eigenen Angaben seit über zehn Jahren mit solchen historischen Fahrgeschäften. Und ihm fiel auf, dass immer mehr davon stillgelegt oder beschädigt wurden.

Damit die Fahrten durch die altertümlichen Geisterbahnen nicht völlig verloren gehen, fasste Zika einen Plan. Er möchte möglichst viele solcher Attraktionen in 360-Grad filmen, um diese als Erfahrung der Nachwelt weiterzugeben. Dafür entwickelte er eine 360-Kamera, die auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch akzeptable Aufnahmen filmt. Die platziert er in einem der Waggons und lässt sie wie einen Passagier eine Runde fahren, vorbei an Plastikmonstern und Zerrspiegeln. Das Ergebnis: Zuschauer mit VR-Brille können die gespenstische Fahrt anschließend in 360-Grad nachempfinden. Sechs Geisterbahnen, die über 50 Jahre alt sind, konnte das Dark-Ride-Team auf diese Art schon als Erfahrung archivieren.

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Fundraising für bis zu zwölf weitere Bahnen

Bei der Fundraising-Plattform Indiegogo möchten Zika und seine beiden Kollegen 60.000 US-Dollar einsammeln, um bis zu acht weitere Geisterbahnen in den USA und vier Bahnen in Europa in 360-Grad einzufangen. Ergänzend soll eine 2D-Serie gedreht werden, die Hintergrundinfos zu den Bahnen und zur Produktion liefert. Für 35 US-Dollar bekommt man als Unterstützer Zugang zu den 360-Videos und der Dokumentation.

Nun mag man kritisieren, dass 360-Videos derzeit nur einen recht unscharfen Blick in die Vergangenheit und kaum Interaktion bieten. Aber bessere Aufnahme- und Abspielgeräte werden kommen, das ist nur eine Frage der Zeit. Zikas Projekt steht schon jetzt exemplarisch dafür, wie Virtual Reality einzelne Elemente der Geschichtsschreibung grundlegend verändern könnte.

| Source: Joel Zika / Indiegogo | Via: Road to VR | Featured Image: Joel Zika / Indiegogo