Here_They_Lie

Manchmal sieht man sich gezwungen, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und ein Unrecht anzusprechen. So geht es mir mit “Here They Lie”, das meines Erachtens bei weitem nicht die Beachtung bekommen hat, die es verdient. Es folgt mein Versuch, diesem Titel ansatzweise Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Here They Lie hat vieles mit Albträumen gemein. Zum Beispiel, dass sich einem dessen Ästhetik mit der gleichen Kompromisslosigkeit aufzwingt, die Albträumen eigen ist, in der alles nach einer eigenen, undurchschaubaren, verdrehten Logik geschieht. Man wird nicht gefragt, ob es einem gefällt und viele Dinge, mit denen man in diesem Spiel konfrontiert wird, hat man vorher noch in keinem anderen Medium gesehen. Das macht es zu einem Erlebnis und einem Kunstwerk ohnegleichen.

Ein Wirklichkeit gewordener Albtraum

Während ich es spielte, habe ich mich immer wieder gefragt, ob es einen Albtraum seines Protagonisten wiedergibt. Aber diese Frage ergibt keinen Sinn, weil das Spiel seine Ästhetik konsequent durchhält. Das heißt, dass es keinen Wachzustand kennt, in welchem die Dinge so erscheinen könnten, wie sie wirklich sind. Der Protagonist und wir in seiner Haut schlafen nie ein, aber wir erwachen auch nie. Wie für die Figuren in Kafkas Erzählungen ist der Albtraum Wirklichkeit geworden, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Ein Gefühl der Enge befällt einen, so als würden die schwitzigen Wände auf einen eindrücken. Welches andere Medium ist in der Lage, eine körperliche Erfahrung wie diese zu erzeugen?

Hier sind die Gesetze, die in der uns bekannten Welt herrschen, außer Kraft gesetzt. Aber auch die Wahrnehmung ist verändert: Es ist, als sähe man die Welt durch einen Schleier: Alles ist grau und schummrig und verschwommen, so als wäre man in einen alten Schwarzweißfilm versetzt – oder in einen Albtraum, der einen jede Nacht von neuem heimsucht und der sich darüber abgenutzt hat.

Gekonnt werden unstimmige Größenverhältnisse genutzt, um Unbehagen auszulösen: Wenn man in Here They Lie Zimmer betritt, will man den Kopf einziehen, weil man das Gefühl hat, man sei viel zu groß für die Welt oder die Welt zu klein für einen. Ein Gefühl der Enge befällt den Spieler, als würden die schwitzigen Wände auf einen eindrücken. Welches andere Medium ist in der Lage, eine körperliche Erf…

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