Pagan Peak VR: Photogrammmetrie-Horror mit dem Krampus-Killer

Pagan Peak VR: Photogrammmetrie-Horror mit dem Krampus-Killer

Horror made in Germany: Das Berliner Produktionsstudio AnotherWorld VR hat ein neues VR-Spiel entwickelt, das Ende Oktober für Viveport, Oculus und bei SteamVR für Vive und Co. erscheinen wird. Um was geht es und wie gruselig wird es?

Autorin: Pola Weiß, bloggt bei VR-Geschichten

Crossmediale Erzählweise – vom Fernsehbildschirm ins VR-Game

Bereits mit ihrem ersten Spiel „Kobold“ hat das Team von AnotherWorld VR bewiesen, dass sie unheimliche Welten in VR kreieren können. Das Projekt bestand aus einem Kurzfilm und einem VR-Spiel: Zuerst sieht man den Film, der ein offenes Ende hat. Anschließend kann man sich in die virtuelle Realität und zum Ort des Geschehens begeben und das Filmende selbst erspielen.

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Auch das zweite Werk der Berliner, Pagan Peak VR, knüpft an Medien in „2D“ an – diesmal an eine Serie: „Der Pass“ oder „Pagan Peak“, wie sie auf Englisch heißt, ist eine Auftragsproduktion von Sky, produziert von Wiedemann & Berg und epo-Film.

Alles begann im letzten Jahr auf der MipTV in Cannes. Dort sah Ioulia Isserlis von AnotherWorld VR den Trailer der Serie und war sofort von der Geschichte und den Bildern begeistert. Sie nahm Kontakt auf mit den Beteiligten und fragte, ob sie nicht Interesse an einer dazu passenden VR-Erfahrung hätten.

Der Krampus-Killer lauert in der Dunkelheit

Das VR-Spiel findet im gleichen Universum statt wie die Serie, ist allerdings inhaltlich unabhängig. Dafür haben sich Ioulia Isserlis und Max Sacker, die beiden Regisseure, eigens eine neue Erzählung ausgedacht, ein Sub-Narrativ mit eigenen Charakteren. Für die Fans der Serie seien aber jede Menge Easter Eggs eingebaut, versicherten sie mir bei einem Interview im August dieses Jahres

Doch worum geht es? Die Spieler*innen der VR-Erfahrungen finden sich in einer einsamen Hütte in den Bergen wieder. Lange können sie den schönen Anblick der alpinen Landschaft vor dem Fenster nicht genießen, denn natürlich spielt sich in der Hütte allerhand Ungewöhnliches ab.

Insgesamt besteht das Spiel aus drei Leveln, die ersten beiden konnte ich in Venedig beim Filmfestival ausprobieren. Dort war Pagan Peak VR als eines von zwei deutschen VR-Projekten eingeladen und der einzige deutsche Beitrag im VR-Wettbewerb um das beste interaktive VR-Werk.

Escape-Room-Grusel

Kaum in der VR-Brille, finde ich mich in der Hütte wieder, in einem kleinen Raum mit holzverkleideten Wänden. Schnell merke ich, dass ich darin eingeschlossen bin – und das wohl nicht allein! Denn vor dem Fenster hängt eine Leiche am Baum und in der Hütte sind überall Vermisstenanzeigen ausgelegt. Mein Entführer ist der sogenannte Krampus-Killer, eine gruselige Gestalt mit Hörnern und Maske. Vor mir hat er anscheinend schon andere in dieser Hütte eingesperrt.

Es gibt auch ein Telefon, das natürlich prompt klingelt. Es ist der Killer selbst, der ein perfides Spiel mit mir spielt: Ich soll herausfinden, wer seine früheren Opfer waren und was er selbst im Schilde führt.
Ich muss also Schränke öffnen, kleine Spielfiguren aufstellen und mich durch alte Zeitungsartikel wühlen, in denen seine grausigen Taten beschrieben werden.

Dort finde ich weitere Hinweise und irgendwann auch einen Schlüssel. So bekomme ich Zugang zum zweiten Zimmer der Hütte und schließlich zum Keller, wo sich besonders viele Informationen über den Killer verstecken.

Da wird doch wohl niemand heimlich zusehen? Bild: AnotherWorldVR

Da wird doch wohl niemand heimlich zusehen? Bild: AnotherWorldVR

Verschiedene Schwierigkeitsgrade und ein Mix an Emotionen

Vor allem am Anfang überwiegt deutlich der Escape-Room-Charakter des Spieles. So hatte auch ich, die ich sonst nicht sonderlich Horror-fest bin, Spaß dabei und musste mich nicht vor Angst in einen der Wandschränke flüchten. Doch laut dem AnotherWorld VR-Team wird es spätestens im dritten Kapitel noch einmal richtig gruselig. Dann verlässt man die Hütte und muss mitten in der Nacht durch den verschneiten Wald laufen. Auf wen man dort wohl trifft …?

Der Schwierigkeitsgrad der ersten beiden Kapitel war ein gutes Mittelmaß, nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer. Allerdings hatte ich Glück, denn Ko-Regisseur Max Sacker stand als persönlicher Game-Master die ganze Zeit neben mir und konnte mir so den ein oder anderen Tipp geben. Ich habe das Spiel beim Festival zudem in einer einfacheren Version gespielt.

Oh shit. Bild: AnotherWorldVR

Oh shit. Bild: AnotherWorldVR

Es gibt auch eine schwere Variante mit weniger Hinweisen und mehr Rätseln (ohne anwesende Teammitglieder), die das Ganze noch um einiges kniffliger machen dürfte. Damit man sich nicht im Kombinieren und Puzzeln verliert, bekommt man übrigens immer wieder tüchtig Zeitdruck und muss einige brenzlige Situationen meistern.

Durch das Mischen von verschiedenen Genres – Thriller, Mystery, Escape Room, Horror … – werden die Spieler zu Detektiven, erklärt mir Ioulia Isserlis:

„Du hast Horror-Elemente dabei, das ist natürlich Angst, dann aber auch Freude, wenn du zum Beispiel ein Rätsel löst. Du hast Mitleid, Empathie. Wir wollen uns nicht nur auf Angst fokussieren. Vor allem Gegensätze sind für uns interessant. Wenn jemand in der einen Sekunde Angst verspürt und in der nächsten Sekunde Erleichterung, das wäre perfekt.“

Für die Umgebungsgrafik wurde auch Photogrammetrie eingesetzt. Bild: AnotherWorldVR

Für die Umgebungsgrafik wurde auch Photogrammetrie eingesetzt. Bild: AnotherWorldVR

Realistische Photogrammtrie-Umgebung verstärkt den Gruselfaktor

Anders als bei Kobold sind bei Pagan Peak VR nicht nur bestimmte, sondern alle Objekte beweglich. Auf mich wirkte die Umgebung so noch realistischer, das Spiel immersiver. Die vielen Interaktionsmöglichkeiten haben mich auch auf die ein oder andere falsche Fährte geführt.

Entwicklung und Produktion von Pagan Peak VR haben ein Jahr in Anspruch genommen, die Hälfte des Budgets hat das Medienboard Berlin-Brandenburg mit einer Förderung getragen. Genau wie beim Vorgänger-Spiel Kobold setzt AnotherWorld VR auch hier auf Fotorealismus: Die Hütte, die es wirklich gibt, wurde mittels Photogrammetrie gescannt und als 3D-Modell zur Spielfläche.

Und nicht nur das Sichtbare sollte so real wie möglich sein, erzählt Max Sacker:

„Wir wollen absoluten Realismus erzeugen, nicht nur visuell, indem wir echte Orte digitalisieren, sondern auch mit den Geräuschkulissen. Da wollen wir eine Art Choreografie schaffen, die ständig verunsichert, aber die Spieler auch lenken kann, eine Dramaturgie zum Führen und Irreführen.“

Übrigens gibt es noch eine weitere Gemeinsamkeit mit Kobold: Auch dieses Mal bedient sich das Team wieder bei alten Sagen und europäischem Kulturgut. Für all diejenigen, die nicht aus dem Alpenraum kommen und denen der Krampus fremd ist: Er ist die dämonische Gestalt mit Fell und Fratze, die am 5. Dezember zusammen mit dem heiligen Nikolaus umherzieht. Und es ist der Krampus, nicht Nikolaus, der die Kinder bestraft, wenn sie unartig waren.

Es gibt Rätsel zu lösen. Bild: AnotherWorldVR

Es gibt Rätsel zu lösen. Bild: AnotherWorldVR

Pagan Peak VR erscheint pünktlich zu Halloween

Wie passend, dass Pagan Peak VR genau zur Halloween-Zeit erscheinen wird: zunächst am 24.10. auf Viveport, dann etwas später auch im Oculus Store und bei SteamVR. Kosten wird das Spiel zehn Euro.

Die Spielzeit beträgt laut AnotherWorld VR rund anderthalb Stunden, etwas kürzer, wenn man die einfache Version mit Hinweisen wählt. Insgesamt soll es vier verschiedene Enden geben.

Derzeit arbeitet AnotherWorld VR auch fieberhaft an einer Multiplayer-Version. Diese soll im ersten Quartal 2020 für Arcades erscheinen. Updates gibt es auf der Webseite des Projektes.

Die Serie „Der Pass“ ist bereits seit Anfang des Jahres bei Sky verfügbar, eine zweite Staffel hat der Privatsender auch schon in Auftrag gegeben. Das ZDF hat die deutschen Free-TV-Rechte für die erste Staffel erworben und wird sie vermutlich im Dezember ausstrahlen.

Das komplette Interview steht hier.