Im Test fahren wir Mario Kart Live mit einem ferngesteuertem Rennwagen und AR-Features auf der Nintendo Switch. Kann das funktionieren?

Eigentlich ist es eine ziemlich clevere Idee: Man nehme ferngesteuerte Modellautos, verbinde sie mit einer der beliebtesten Videospielereihen überhaupt und experimentiere dabei noch mit Zukunftstechnologie.

Klingt wie ein sicherer Hit. Oder?

Mario Kart: Live Racing am Wohnzimmerring

Mario Kart hat wohl fast jeder schonmal gespielt. Und ein ferngesteuertes Auto hatten wohl auch die meisten schonmal in der Hand. Mit Augmented Reality peppt Nintendo jetzt beide Spielkonzepte auf.

An einem Modellauto, an dem eine Kamera oberhalb des Fahrers angebracht ist (in meinem Fall sitzt Luigi in der Rennkiste), heize ich durch meine Bude. Das Bild wird in einem Radius von ca. vier bis fünf Metern zuverlässig auf die Nintendo Switch gebracht.

Luigis Wagen aus Mario Kart Live: Home Circuit
Das ist Luigis Wagen für Mario Kart Live: Home Circuit. Es gibt noch ein Modell mit Mario. | Bild: MIXED

Der erste Wow-Effekt ist natürlich die Fahrt mit dem Spionagefahrzeug durch den eigenen Flur, in die Küche und gegen die Füße der aufkreischenden Ehefrau.

Das Bild ist klar und stabil, solange ich mich im genannten Radius aufhalte. Fahre ich mit Luigi zu weit weg, beginnt das Bild zu flackern und bekommt Aussetzer.

Simples Setup, witzige Rennen

Der zweite Wow-Effekt ist der Aufbau einer eigenen Rennstrecke. Die darf ich im guten Tutorial nach Belieben anlegen. Vier Tore aus Pappe stelle ich auf, die von Eins bis Vier durchnummeriert sind.

Danach kippt mir der hilfreiche Wolkengeist auf der Switch Farbe auf die Reifen und ich darf die gewünschte Strecke durch simples Abfahren anlegen. Dabei ist es egal, wo die Strecke langführt und ob ich die Bahn mehrfach kreuze: Ich muss nur schön der Reihe nach durch alle Tore cruisen.

Danach wird es ernst und ich trete gegen ausschließlich digitale Konkurrenten an, es sei denn, ein Kumpel nimmt mit eigener Switch und eigenem Wagen ebenfalls teil. Auf der Strecke selbst gibt es die üblichen Power-ups und -downs, etwa die Banane, die das Auto bremst oder Booster, die tatsächlich beschleunigen.

Dazu lässt sich auch in den verschiedenen Klassen zwischen 50cc und 200cc rasen. Wer auf höchster und spaßigster Stufe fahren will, kann das aber nur rund 45 Minuten tun, die Batterie hält die Hochgeschwindigkeit nicht allzu lange aus.

Gute AR-Technik, geringe Langzeitmotivation

Fahre ich durch die Tore, kann ich mir Fragezeichen holen – alles ziemlich exakt, stabil und ruckelfrei als AR-Objekte in meine Wohnung projiziert. Allerdings kann ich meine Konkurrenten nicht rammen, sondern nur durch sie hindurchdübeln, was den Spaß ein wenig schmälert und auch der Grund ist, warum kein komplettes Mario Kart-Feeling aufkommt.

Ansicht des Wagens, der Tore und Begrenzeungen sowie der AR-Objekte auf dem Switch-Bildschirm, dahinter die realen Objekte
Auf dem Bildschirm sehen wir die AR-Effekte, etwa das farblich animierte Streckenbegrenzungsschild und weiter vorn die AR-Fragezeichen. Luigi ist als Fahrer übrigens auch animiert – aber nur auf dem Bildschirm, versteht sich. | Bild: MIXED

Nur durch Zukauf mindestens einer weiteren Home Circuit-Box (es gibt nur Mario und Luigi als Figuren im Wagen) bekommt auch das reale Racing-Element seine Würze. Allerdings kostet jede Box rund 100 Euro und jeder Wagen braucht zur Steuerung seine eigene Switch. Kein günstiges Hobby, also.   

Der Wow-Effekt der ersten paar Runden nutzte sich bei mir und meinen Kids nach verhältnismäßig kurzer Zeit ab. Ohne einen zweiten Wagen, ohne richtiges Multiplayer-Battle, ist das alles zwar nett, motiviert aber längst nicht so sehr, wie ein zünftiger Cup auf dem vierfach geteilten Fernsehbildschirm mit der ganzen Familie.

Mario Kart: Home Circuit – Test-Fazit

Das soll nicht heißen, dass Mario Kart Live: Home Circuit schlecht wäre. Als Innovation und AR-Experiment hat es allemal seine Berechtigung und dürfte – zumindest wenn zwei Switches und Autos am Start sind – auch eine lustige Party-Beschäftigung sein.

Darüber hinaus motiviert es mich persönlich aber nicht für längere Solo-Spielrunden, denn das typische Mario Kart-Feeling, der unbedingte Konkurrenzkampf mit allen Mitteln, kommt nicht so richtig auf.

Auch finde ich es schwierig, dass ich eigentlich die ganze Zeit nichts weiter tue, als auf den Bildschirm zu starren, was das ferngesteuerte Fahrzeug für mich auch “nur” zu einem digitalen Objekt werden lässt. Da kann ich auch gleich das richtige Mario Kart spielen – das hat dann auch eine Kollisionsabfrage und ich kann ohne zusätzlichen Aufwand mit drei Freunden zocken.

Ihr solltet Mario Kart Live spielen, wenn …

  • ihr ferngesteuerte Autos liebt,
  • Mario Kart in eurer Wohnung spielen wollt und
  • Augmented Reality cool findet.

Ihr solltet Mario Kart Live nicht spielen, wenn …

  • wenn ihr keine hundert Euro pro Wagen ausgeben wollt,
  • keine Switch für jede Rennkiste habt,
  • ihr AR für eine sinnlose Spielerei haltet und
  • einen ähnlichen Suchtfaktor wie bei den normalen Mario Kart-Spielen erwartet.

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