HTC Vive: Cyberpong VR im Test - fit dank Virtual Reality?

HTC Vive: Cyberpong VR im Test - fit dank Virtual Reality?

In den Anfangszeiten der VR-Spiele besinnen sich Entwickler auf alte Tugenden: Einfache, kurze Spiele mit unkomplizierter Mechanik, die leicht zu lernen sind - aber schwer zu meistern. Mit Videospielen im klassischen Sinne hat Cyberpong VR aber dennoch nicht mehr viel gemein.

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Eigentlich ist der japanische Spieleentwickler Colopl voll auf mobile Spiele für Android und iOS fokussiert. Mehr als 80 Titel hat der Publisher allein in den Android-Store hochgeladen. Doch mit der Renaissance des Virtual-Reality-Marktes wittert Colopl das Geschäft mit der virtuellen Realität; unter anderem richtete das Unternehmen einen Investmentfonds über 50 Millionen US-Dollar ein, aus dem vielversprechende VR-Projekte finanziert werden sollen.

Mit Cyberpong VR legt nun die kalifornische US-Division von Colopl eine erste Eigenentwicklung für HTC Vive vor. Der Titel erinnert aus Marketingründen im Namen zwar an den Urvater der Videospiele, eigentlich handelt es sich aber weniger um einen Pong- als um einen Breakout-Klon. Ähnlich wie beim Telespiel aus 1976 (und den unendlich vielen Adaptionen) muss der Spieler mit einem Paddel Bälle auf Klötzchen schießen, die sich nach einem Treffer in Luft auflösen.

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An dieser Stelle hören die Parallelen mit dem frühen Klassiker der Videospielgeschichte aber auch schon auf. Denn anders als bei Breakout steuert man das Paddel nicht mit einem Joystick auf einer 2D-Oberfläche von links nach rechts, sondern steht mitten auf dem virtuellen Spielfeld und hält je ein Paddel in der linken und rechten Hand. Hätte man die Kinder in den 70er-Jahren gefragt, wie ein Breakout der Zukunft aussehen könnte - Cyberpong VR wäre eine legitime Antwort gewesen.

Zu beschreiben, wie es sich anfühlt, auf dem virtuellen Spielfeld zu stehen, ist kaum möglich. Nur soviel: Man fühlt sich präsent. Um aber wirklich zu verstehen, dass hier etwas gänzlich Neues entsteht, muss man VR selbst erleben. Mit einem herkömmlichen Videospiel ist ein VR-Erlebnis wie Cyberpong VR kaum mehr zu vergleichen, schon gar nicht mit dem Vorbild aus den 70ern. Allein durch die Transition in den virtuellen und begehbaren 3D-Raum und in Verbindung mit einem neuen Interface entsteht ein komplett neues Genre.

Wie Breakout auf VR-Steroiden

Das Spieltempo der Virtual-Reality-Neuauflage ist mit dem des recht gemächlichen und gut überschaubaren Originals nicht mehr zu vergleichen. Nur in den ersten Sekunden beschäftigt man sich damit, einen einzelnen Ball im Spiel zu halten, dann erhöht sich das Tempo rasant. Zum Teil sind bis zu sechs oder mehr Bälle gleichzeitig unterwegs, zusätzlich muss man durch die Luft schwirrende Boni einsammeln und strategisch geschickt zwischen verschiedenen Paddelsystemen wechseln, um den Highscore zu knacken. Dabei darf man das Spielfeld nie aus den Augen verlieren, denn die Klötzchen rücken, ähnlich wie bei Tetris, beständig näher. Kommen sie zu nahe, ist das Spiel vorbei.

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Als Spieler fühlt man sich wie eine Krake mit nur zwei Armen, die unter massiven Multitasking-Druck gesetzt wird, und wirbelt über die Spielfläche, duckt sich, schlittert von einer Seite zur anderen und sogar kleine Sprünge sind ab und an notwendig, um auch den schwierigsten Ball noch abzufangen. Cyberpong VR fordert Konzentration, Geschick und Fitness des Spielers gleichermaßen; nach einer halben Stunde Spaß hat man sich eine Ruhepause redlich verdient - und benötigt sie auch.

Colopl ist sich des kompetitiven Elements des Spiels sehr wohl bewusst und integrierte vorausschauend einen Mehrspielermodus, veranstaltete schon ein erstes kleines Turnier via Twitch und nennt das einen Ausblick auf "die Zukunft des E-Sport". Hier spielt man nicht mehr gegen Klötzchen, sondern versucht stattdessen den Ball über Bande am Gegenspieler vorbeizuschießen - das ist dann wirklich wie bei Pong. Bei meinen Tests funktionierte das Online-Matchmaking leider nicht; gut möglich, dass einfach noch nicht genug Spieler unterwegs sind. Theoretisch kann man sich auch direkt mit einem Freund verbinden.

Grad der Immersion: Sehr hoch.

Fazit: Zwar bietet Cyberpong VR im Kern nur einen einzelnen Spielmodus, aber das reicht. Oder hat sich jemand schon einmal darüber beschwert, dass auf dem Fußballfeld kein Basketballkorb steht? Die Kernmechanik funktioniert, Grafik und Sound unterstützen das VR-Erlebnis passend. Bei einem Preis von 14,99 Euro stimmt der Gegenwert. Sollte der Multiplayer-Modus in Zukunft stabil laufen, macht euch Cyberpong VR nicht nur Spaß, sondern im Duell mit menschlichen Gegnern auch fitter und schneller.

| Featured Image & GIF: Colopl / Cyberpong VR