Großes Theater: „Puppets 4.0“ entführt ins VR Figurentheater

Großes Theater: „Puppets 4.0“ entführt ins VR Figurentheater

VR-Technologie trifft auf Puppenspiel: Das Museum für Figurentheater und Puppenspielkunst Bochum zeigt Puppen und Figuren in VR.  

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Zugegeben, mit Puppen hatte ich bislang wenig zu tun. Und so hätte mein Weg wohl eher nicht so bald das Museum für Figurentheater und Puppenspielkunst in Bochum gekreuzt. Die VR-Experience mit dem Namen „Puppet 4.0“ hat aber meine Neugier geweckt. Ich habe dem virtuellen Puppen-Museum einen Besuch abgestattet – und war positiv überrascht!

Die echten Puppen aus der Sammlung des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst kann man derzeit noch nicht in der Realität besichtigen – daran wird gearbeitet. Dreidimensionale Abbilder der Figuren kann ich aber mit einer Oculus Quest schon jetzt in Virtual Reality anschauen, sie teilweise selbst bewegen und so näher kennenlernen.

VR-Lehrstunde: Die Geschichte(n) der Puppen und Figuren

In der VR-Erfahrung finde ich mich in typischen Puppentheater-Szenarien wieder, etwa in einem Wald, auf einem Marktplatz oder in einem orientalischen Tempel. Fritz Wortelmann, Gründer des Deutschen Instituts für Puppenspiel, tritt in Miniaturform selbst als Puppe auf und gibt Auskunft über jede einzelne ausgestellte Figur.

In fünf VR-Räumen lerne ich so über verschiedene Aspekte des Figurentheaters. Im ersten Raum erfahre ich zum Beispiel etwas über Puppen, die in den 1930er-Jahren von den Nazis für ihre Propaganda benutzt wurden. Oder wusstet ihr, dass die bekannte Figur des Kasper(le) erstmals 1764 verwendet wurde? Ich jedenfalls nicht. Weil Puppenspieler von der Kirche mit Zauberei in Verbindung gebracht wurden, galten sie im Mittelalter übrigens als gefährlich.

Unterschiedliche Puppentheater-Kulturen werden in der VR-Ausstellung gezeigt. | Bild: FIDENA

In anderen Räumen betrachte ich Stabfiguren aus Asien und erfahre etwas über das „Wayang“ – das indonesische Puppenspiel. Dabei bewegen wenige Puppenspieler:innen bis zu 30 Figuren gleichzeitig.

Wahrscheinlich gab es Schattenspiel-Figuren schon um 1500 v. Chr. auf der Insel. Aus China sind Figuren aus dem Handpuppenspiel aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Die Figuren sind exakte Miniaturabbildungen der damaligen Darsteller der chinesischen Oper. Einer der Miniaturköpfe auf einem Holzstab stellt eine japanische Stabfigur aus dem 17. Jahrhundert dar.

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Teilweise interaktives Figuren-Museum

Manche Puppen kann ich hochheben und vors Auge halten, um sie mir ganz genau anzusehen. Die Ausstellungsstücke sind allerdings eher selten interaktiv. Mit Absicht, sagt Mareike Gaubitz vom Dokumentations- und Forschungszentrum des Hauses. Man wolle eben Museum bleiben und kein VR-Spiel entwickeln.

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Auf die Benutzung von VR-Controllern haben die Programmierer:innen bewusst verzichtet: Nur mit den Händen bewege ich mich durch die computergenerierte Umgebung. Die Bedienung sollte möglichst einfach sein, sowohl für Kinder als auch für Senioren, die ohnehin eine gewisse Skepsis gegenüber der VR-Brille mitbrächten, sagt Gaubitz, der ich die Begeisterung für das Puppentheater förmlich ansehen kann.

Die kleine Figur des Gründers des Deutschen Instituts für Puppenspiel, Fritz Wortelmann, führt uns herum und erklärt alles. | Bild: FIDENA

Streng genommen heißt es auch nicht „Puppentheater“, sondern Figurentheater, erfahre ich vom kleinen Herrn Wortelmann. Denn wer „Puppen“ hört, denkt sofort an Kinderprogramm und Spielzeug. Aber die Welt des Miniatur-Theaters ist eben vielfältiger als das klassische Kasperle-Theater aus Kindheitstagen. Manche Figuren verwandeln sich oder werden in der Mitte gespalten, wenn sie etwa von einem italienischen Soldaten in glänzender Ritterrüstung mit dem Schwert tödlich getroffen werden.

Durch VR zum Figurentheater-Fan werden – oder umgekehrt

Wer sich ganz in die virtuelle Tour vertiefen möchte, der sollte etwas Zeit mitbringen: Gut 90 Minuten dauert es, wenn man sich alles ansehen und anhören möchte. Aber es lohnt sich: Der kleine Herr Wortelmann kann packend erzählen und wie das in Museen meistens so ist, lernt man dabei auch noch eine Menge. Mir hat sich die zuvor fremde, neue Welt des Figurentheaters und der Puppenspielkunst jedenfalls durch die VR-Erfahrung geöffnet.

Gefördert wurde das Projekt „Puppets 4.0“ vom Bund und von der Stadt Bochum. Gut eingesetztes Geld, finde ich, denn der Plan, mehr Menschen mit der Welt des Figurentheaters bekannt zu machen, könnte aufgehen.

„Auf der einen Seite bekommen wir VR-Begeisterte dazu, sich vielleicht erstmals mit dem Thema Puppentheater zu beschäftigen“, sagt Mareike Gaubitz, „andererseits kommen Puppen-Begeisterte und sind fasziniert von den Möglichkeiten der Virtual Reality.“

Mehr Informationen und Tickets bekommt ihr auf der offiziellen Webseite.