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Feelbelt im Test: Zwischen Sound-Wucht und Haptikbrei

Feelbelt im Test: Zwischen Sound-Wucht und Haptikbrei
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19.09.2021

Feelbelt hat mir eine neue, aktualisierte Version des Musikgürtels zugeschickt. Ich habe den Test mit den neuen Erfahrungen aktualisiert. Spoiler: Das Gadget ist besser geworden.

Wäre es nicht toll, Musik oder (VR-)Spiele auf der Haut fühlen zu können? Feelbelt hat seinen Musikgürtel einem Update unterzogen. Wie gut ist das Gadget jetzt?

Wer erinnert sich noch an den letzten Konzertbesuch? Wenn es dunkel wird und die ersten Takte der Musik einsetzen, vor allem aber, wenn der Bass voll durch die Halle wummert, wenn der Beat einsetzt: dieses warme, dröhnende Gefühl, dass durch den ganzen Körper zieht und zum Tanzen zwingt. Bald ist es hoffentlich wieder so weit.

Bis dahin und für zwischendurch gibt es den Feelbelt, einen Gürtel, der Musik und Gaming über die Haut fühlbar machen will. Im Juli 2021 habe ich den Feelbelt erstmals getestet und einige signifikante Probleme gefunden. Wie sieht es jetzt mit der neuen Version aus?

Feelbelt Review in aller Kürze

Besonders stark ist das Gadget bei definierter Musik mit klar unterscheidbaren Sounds, etwa Bässen oder Beats. Dann macht vor allem der Bass-Modus richtig Spaß.

Auch im Gaming, etwa in Rennspielen, hat er starke Momente. Allerdings gibt es keine speziell zugeschnittenen Effekt-Muster, bei denen der Gürtel triggert – es werden so ziemlich alle Sounds übertragen. Die Höhen-Impulse sind immerhin nicht mehr so dominant wie früher und erzeugen weniger haptischen Soundbrei. Der Gürtel kann zudem mittlerweile schnell und leicht in Betrieb genommen werden – im zweiten Test hatte ich keine technischen Probleme mehr.

Allerdings sind bei voller Soundpower die Vibrationen ziemlich laut zu hören, dann kracht und rumpelt der Gürtel. Ohne Kopfhörer oder von außerhalb ist das schon störend.

Der Feelbelt ist für euch interessant, wenn …

  • ihr Fans von nischigen Technik-Gadgets seid,
  • beim Musikhören oder Gaming haptische Effekte auf der Haut spüren wollt
  • und das Geld dafür locker habt.

Der Feelbelt ist für euch weniger interessant, wenn …

  • ihr klar definiertes haptisches Feedback erwartet, etwa reines Trefferfeedback,
  • dauerhaftes Vibrationsgefühl auf der Haut nicht gut vertragt,
  • den Gürtel in der Öffentlichkeit tragen wollt
  • und Musik oder Gaming lieber ohne Kopfhörer genießt.

Soundgefühl über Kopfhörer, Klinke und Bluetooth

Der Feelbelt wiegt 482 Gramm und besteht zu drei Vierteln aus Kunststoffelementen, in denen Impulsgeber stecken. Über einen elastischen Gurt und einen cleveren Verschluss lässt sich der Gürtel an verschiedene Körperumfänge anpassen. Bei der Bestellung stehen dafür zwei Größen zur Verfügung: 72 bis 110 und 110 – 150 Zentimeter.

Der Feelbelt soll laut Herstellerempfehlung direkt unterhalb des Bauchnabels getragen werden, da dort besonders viele Nerven verlaufen. Allerdings fand ich den Gürtel direkt unterhalb der Brust deutlich effektiver. Die Einrichtung ist mittlerweile sehr einfach, vor allem, wenn ich Smartphone oder PC über Bluetooth kopple: Feelbelt an, den Gürtel mit der App verbinden, Musik starten. So soll das sein.

Screenshot der Feelbelt App mit Lautstärkesteuerung

Lautstärke und Haptik-Intensität lassen sich bei Bluetooth-Kopplung über das Smartphone intuitiv einstellen. | Bild: MIXED

Kopfhörer werden über eine 3,5 mm-Klinke am vorderen Steuerelement des Feelbelts angeschlossen, die Nutzung bei Soundausgabe über Boxen ist nicht möglich. Moderne USB-C-Anschlüsse für Kopfhörer werden nicht unterstützt, der USB-C-Anschluss am Gürtel ist nur für den Ladevorgang geeignet. Ein weiterer Klinkenanschluss ist für die Soundquelle vorgesehen, falls Bluetooth nicht genutzt wird. Die Steuerung der Lautstärke und der Haptik-Intensität bei Nutzung der Kabellösung erfolgt über einen 4-Wege-Button am Gürtel.

Exklusiv für die Bluetooth-Nutzung gibt es eine Smartphone-App zur Steuerung. Damit wechsle ich schnell zwischen den Modi Musik, Gaming und Bass und zusätzlich jeweils Haptik-Intensität und Lautstärke einstellen. Das funktioniert intuitiv und einwandfrei.

Feelbelt läuft jetzt „volle Pulle“

In meinem ersten Test hatte ich mit der Lautstärkeeinstellung große Probleme. Drei verschiedene Lautstärken muss der Gürtel verarbeiten können: die generelle Lautstärke des Ausgabegeräts (etwa Smartphone oder PC), die Lautstärkeregelung der Abspielsoftware und die Lautstärke des Gürtels. Damit kam der Feelbelt nicht klar, bei voller Lautstärke von Smartphone oder PC krachte es nur so aus den Kopfhörern.

Das ist jetzt Geschichte: In der App bekomme ich zu Beginn sogar den Hinweis, die Ausgabequelle auf volle Lautstärke zu drehen, um das beste Ergebnis zu erzielen. Und das stimmt. Die volle Dröhnung Musik wird jetzt sauber ausgegeben – kein Knirschen, Krachen, Kratzen mehr. Jetzt ergibt es auch Sinn, in der App mit den Reglern für Lautstärke und Haptik-Intensität herumzuspielen und die beste Einstellung zu suchen.

Firmware- und Software-Updates lassen sich über die App herunterladen, allerdings wird kein Update-Status oder Ladebalken angezeigt. Ob ein Update erfolgreich war oder nicht kann ich nicht ohne Weiteres erkennen, maximal an unterschiedlichen Versionsnummern. Es wird auch nicht mitgeteilt, ob mein Gürtel auf der aktuellen Version ist oder nicht.

Feelbelt: Drinnen wuchtig, draußen lärmt′s

Eine Verschlimmbesserung ist allerdings zu bemerken: Die Impulsgeber am Gürtel krachen und scheppern in der neuen Version, dass ich die Nutzung an ruhigen öffentlichen Orten – etwa im Zug – nicht empfehlen kann. Mit Kopfhörern merke ich das übrigens nicht und wenn ich die Haptik-Intensität herunterschraube, lässt auch der Gürtel-Lärm nach.

Und wie fühlt es sich bei der Nutzung an? Richtig gut ist der Gürtel bei Musik, die klar unterscheidbare Strukturen hat, etwa klar definierte Bässe und Beats. Die zehn Impulsgeber des Feelbelt können ein Frequenzspektrum zwischen 1 und 20.000 Hertz bespielen – das heißt, auch die Tiefen kommen unter bestimmten Bedingungen mit Wucht zur Geltung. Musikhören kann damit richtig Spaß machen, vor allem im Bass-Modus.

Tech-Gadget Feelbel von hinten, die Impulsgeber sind gut zu sehen

Zehn Impulsgeber wandeln Sound in haptische Impulse um, die auf der Haut fühlbar sind. | Bild: MIXED

Die Schattenseite des Feelbelt erschien mir im zweiten Test abgeschwächt, aber immer noch deutlich: Sehr breite Ton-Spektren oder Klangteppiche, beispielsweise bei einigen Metal-Songs, erzeugen haptischen Soundbrei. Dabei gibt es Spektren, die sich für mich auf Dauer unangenehm anfühlen.

Immerhin kann ich den haptischen Effekt über die App herunterregeln. Das bedeutet auch, dass das intensive Musikgefühl nicht mehr so gut transportiert wird, wie es bei Musik mit differenzierten Ton-Spektren der Fall ist. Ich kann das durch eine Umstellung auf Bass-Modus ändern – die tiefen Tonlagen werden dann von den Impulsgebern bevorzugt. Dieser Modus hat mir im zweiten Test deutlich mehr zugesagt als der Musikmodus.

Feelbelt & Gaming: Für einige Spiele geeignet, langfristig anstrengend

Spiele ich ein VR-Spiel, etwa Half-Life: Alyx (Test), kommen klar definierte, bassige Gameplay-Elemente wie das Abfeuern einer Waffe cool rüber. Besonders gut wirkt der Feelbelt auch hier in klar unterscheidbaren Geräuschkulissen, etwa Rennspielen: Das Brummen eines Motors spüre ich die ganze Zeit auf der Haut, den Aufprall bei einem Crash auch. Blöd nur, dass sich beispielsweise beim Start alle Motoren im Umkreis zu einem haptischen Soundbrei vermischen.

Auf Dauer ist es anstrengend, wenn meine Haut ständig von jedem Geräusch, auch Sprachausgabe, massiert wird. Deutlich interessanter wäre es, wenn nur einzelne Gameplay-Effekte, die auf meinen virtuellen Körper wirken – etwa Einschläge von Projektilen oder Schläge – einen haptischen Impuls auslösen. Dafür ist der Feelbelt allerdings nicht gemacht oder kein mir bekanntes Spiel darauf programmiert. Als kurz- bis mittelfristiger unterstützender Haptik-Effekt (auch bei Monitor- oder Konsolenspielen) ist das Erlebnis interessant, dauerhaft will ich das aber nicht.

Gleiches gilt für Filme, falls ihr auf die Idee kommen solltet, den Feelbelt im Heimkino anzulegen: Im Gaming-Modus wird viel zu viel massiert, aber der Bass-Modus kann bei Actionfilmen streckenweise Spaß machen. Da aber auch hier keine definierte Effektübertragung stattfindet (zum Beispiel nur bei Explosionen), kann es auf Dauer ebenfalls ermüden oder unangenehm werden.

Die Nutzungsdauer des Feelbelt wird mit rund sechs Stunden angegeben. Aufladen dauert rund zwei Stunden.

Feelbelt Test-Fazit: Cooles Gadget mit eingeschränktem Nutzen

Der Feelbelt ist in klar definierten Anwendungsbereichen ein echt cooles Gerät, das neue Sound-Erfahrungen ermöglicht: Ich kann Sound in gewisser Weise fühlen. Vor allem mit der richtigen Musik ist das beeindruckend.

Damit ist der exakte Nutzen des Gadgets beschrieben: Es ist ein cooles Gimmick für zwischendurch, aber nicht unbedingt für längerfristigen Gebrauch. Der haptische Effekt ist unter perfekten Umständen beeindruckend gut, kann aber auch ablenkend oder unangenehm werden. Bei klar definierter Musik ist der Feelbelt am stärksten, im (VR-)Gaming kann er je nach Spiel als interessante haptische Unterstützung dienen.

Vorbildlich: Die Probleme, die bei meinem ersten Test auftraten, wurden vom Hersteller schnell adressiert und erfolgreich behoben. Der Feelbelt ist jetzt schnell einsatzbereit und die Lautstärke kann ich wie erwartet voll aufdrehen. Neuer Nachteil: Der Gürtel selbst scheppert jetzt deutlich mehr als früher, was den Einsatz in ruhigen öffentlichen Bereichen schwierig macht.

Jeder Mensch nimmt haptische Reize anders wahr. Innerhalb der vierzehntägigen Rückgabefrist könnt ihr das Gadget ausprobieren und feststellen, ob es den Preis für euch rechtfertigt. Ansonsten kann ich den Feelbelt all jenen empfehlen, die gern durch klare Sounds und Beats definierte Musik hören und sich eine haptische Komponente wünschen oder einfach gern Nischen-Gadgets und Prototypen besitzt.

Feelbelt könnt ihr hier kaufen

 Produkt Store Preis
Feelbelt Feelbelt-Store 299 €