Wäre es nicht toll, Musik oder (VR-)Spiele auf der Haut fühlen zu können? Feelbelt tritt an, Musik und Gaming haptisch aufzumotzen. Mit Erfolg?

Wer erinnert sich noch an den letzten Konzertbesuch? Wenn es dunkel wird und die ersten Takte der Musik einsetzen, vor allem aber, wenn der Bass voll durch die Halle wummert, wenn der Beat einsetzt: dieses warme, dröhnende Gefühl, dass durch den ganzen Körper zieht und zum Tanzen zwingt. Bald ist es hoffentlich wieder so weit.

Bis dahin und für zwischendurch gibt es jetzt den Feelbelt, einen Gürtel, der Musik und Gaming über die Haut fühlbar machen will. Letztes Jahr habe ich das Gadget bereits ausprobiert, jetzt habe ich den fertigen Feelbelt getestet und sage euch, ob und wofür er taugt.

Feelbelt Review in aller Kürze

Der Feelbelt ist für Technik-Nerds zu empfehlen, die auf neue Erfahrungen aus sind und die kein Problem damit haben, den Gürtel jedes Mal richtig einzustellen. Besonders stark ist das Gadget bei definierter Musik mit klar unterscheidbaren Tonlagen, etwa starken Bässen oder Beats. Dann macht insbesondere der Musik-Modus richtig Spaß.

Auch im Gaming, etwa in Rennspielen, hat er starke Momente. Allerdings gibt es keine speziell zugeschnittenen Effekt-Muster, bei denen der Gürtel triggert – es werden so ziemlich alle Sounds übertragen. Davon abgesehen sind die Höhen-Impulse oft dominant und erzeugen gern mal haptischen Soundbrei, der auf Dauer unangenehm sein kann. Technische Unzulänglichkeiten sorgen zudem dafür, dass der Feelbelt nicht immer problemlos und schnell in Betrieb genommen werden kann.

Der Feelbelt ist für euch interessant, wenn …

  • ihr Fans von nischigen Technik-Gadgets seid,
  • beim Musikhören oder Gaming haptische Effekte auf der Haut spüren wollt
  • genug Geduld für technische Probleme habt
  • und das Geld dafür locker habt.

Der Feelbelt ist für euch weniger interessant, wenn …

  • ihr klar definiertes haptisches Feedback erwartet, etwa reines Trefferfeedback,
  • dauerhaftes Vibrationsgefühl auf der Haut nicht gut vertragt,
  • ungern mit Bluetooth, Kabeln und Lautstärkeeinstellungen kämpft,
  • und Musik oder Gaming lieber ohne Kopfhörer genießt.

Soundgefühl über Kopfhörer, Klinke und Bluetooth

Der Feelbelt wiegt 482 Gramm und besteht zu drei Vierteln aus Kunststoffelementen, in denen Impulsgeber stecken. Über einen elastischen Gurt und einen cleveren Verschluss lässt sich der Gürtel an verschiedene Körperumfänge anpassen. Bei der Bestellung stehen dafür zwei Größen zur Verfügung: 72 bis 110 und 110 – 150 Zentimeter.

Der Feelbelt soll laut Herstellerempfehlung direkt unterhalb des Bauchnabels getragen werden, da dort besonders viele Nerven verlaufen. Allerdings fand ich den Gürtel direkt unterhalb der Brust deutlich effektiver. Die Einrichtung ist verhältnismäßig einfach, vor allem, wenn ich Smartphone oder PC über Bluetooth kopple. Allerdings kann es dabei auch zu Problemen kommen: Bei mir wird der gleiche Feelbelt beispielsweise mit zwei unterschiedlichen Bezeichnungen über Bluetooth gefunden und funktioniert nur, wenn in der App der eine Feelbelt und in der Geräteübersicht des Smartphones der andere Feelbelt verbunden ist.

Screenshot der Feelbelt App mit Lautstärkesteuerung

Lautstärke und Haptik-Intensität lassen sich bei Bluetooth-Kopplung über das Smartphone intuitiv einstellen. | Bild: MIXED

Kopfhörer werden über eine 3,5 mm-Klinke am vorderen Steuerelement des Feelbelts angeschlossen, die Nutzung bei Soundausgabe über Boxen ist nicht möglich. Moderne USB-C-Anschlüsse für Kopfhörer werden nicht unterstützt, der USB-C-Anschluss am Gürtel ist nur für den Ladevorgang geeignet. Ein weiterer Klinkenanschluss ist für die Soundquelle vorgesehen, falls Bluetooth nicht genutzt wird. Die Kabellösung ist in der Regel die stabilste, die Steuerung der Lautstärke und der Haptik-Intensität erfolgt über einen 4-Wege-Button am Gürtel.

Exklusiv für die Bluetooth-Nutzung gibt es eine Smartphone-App zur Steuerung. Damit wechsle ich schnell zwischen den Modi Musik, Gaming und Bass und zusätzlich jeweils Haptik-Intensität und Lautstärke einstellen. Das funktioniert intuitiv und einwandfrei.

Wenig komfortabel: Feelbelt hat ein Lautstärkeproblem

Probleme hatte ich mit beiden Varianten bei der Lautstärke. Drei verschiedene Lautstärken muss der Gürtel verarbeiten können: Die generelle Lautstärke des Ausgabegeräts (etwa Smartphone oder PC), die Lautstärkeregelung der Abspielsoftware und die Lautstärke des Gürtels. Unglücklicherweise kommt der Feelbelt damit nicht richtig klar.

Ausgabegerät und Abspielsoftware konnte ich – anders als in der Benutzeranleitung beschrieben – nicht auf volle Lautstärke einstellen. Der Feelbelt übersteuert extrem, gibt nur noch Krachen und Knistern aus oder beginnt einen ungesunden Soundloop, der die Wiedergabe unterbricht oder gleich die Bluetooth-Verbindung trennt. Ich muss den Sound überall herunterregeln, bis die Misstöne aufhören. Das ist normalerweise noch laut genug, aber alles andere als eine komfortable Bedienung. In mehreren Versuchen ließ sich der Gürtel zudem nicht auf eine gute Lautstärke oder haptische Intensität einstellen – hier waren Neustarts nötig.

Firmware- und Software-Updates lassen sich über die App herunterladen, allerdings wird kein Update-Status oder Ladebalken angezeigt. Ob ein Update erfolgreich war oder nicht kann ich nicht ohne Weiteres erkennen, maximal an unterschiedlichen Versionsnummern. Es wird auch nicht mitgeteilt, ob mein Gürtel auf der aktuellen Version ist oder nicht.

Feelbelt: Haut-Töne mit Licht und Schatten

Im Gegensatz zu meinem letzten Versuch mit dem Feelbelt ist die Verarbeitung jetzt so gut gelungen, dass die Impulsgeber nicht mehr laut klackern, wenn sie ihre Arbeit tun. Stattdessen kann ich die Musik aus der Steuerungseinheit des Feelbelts hören, ganz ohne Kopfhörer – leise zwar, aber hörbar.

Und wie fühlt es sich nun bei der Nutzung an? Richtig gut ist der Gürtel bei Musik, die klar unterscheidbare Strukturen hat, etwa klar definierte Bässe und Beats. Die zehn Impulsgeber des Feelbelt können ein Frequenzspektrum zwischen 1 und 20.000 Hertz bespielen – das heißt, auch die Tiefen kommen unter bestimmten Bedingungen hervorragend zur Geltung. Musikhören kann damit richtig Spaß machen.

Tech-Gadget Feelbel von hinten, die Impulsgeber sind gut zu sehen

Zehn Impulsgeber wandeln Sound in haptische Impulse um, die auf der Haut fühlbar sind. | Bild: MIXED

Die Schattenseite des Feelbelt sind sehr breite Ton-Spektren oder Klangteppiche, beispielsweise bei Metal. Dann treten die Höhen-Vibrationen stark in den Vordergrund. Dabei gibt es Spektren, die ich als nicht sehr angenehm empfinde und die bei mir nach kurzer Zeit zu Hautjucken oder bei längeren Phasen zu einem leichten Taubheitsgefühl führen.

Immerhin kann man den haptischen Effekt über die App herunterregeln. Das bedeutet auch, dass das intensive Musikgefühl nicht mehr so gut transportiert wird, wie es bei Musik mit differenzierten Ton-Spektren der Fall ist. Ich kann das durch eine Umstellung auf den Bass-Modus ändern – die tiefen Tonlagen werden dann von den Impulsgebern bevorzugt. Allerdings fand ich diesen Modus nicht ganz so überzeugend wie den Musik-Modus.

Feelbelt & Gaming: Für einige Spiele geeignet, langfristig anstrengend

Ähnliches gilt für Gaming. Spiele ich ein VR-Spiel, etwa Half-Life: Alyx (Test), kommen klar definierte, bassige Gameplay-Elemente wie das Abfeuern einer Waffe cool rüber. Besonders gut wirkt der Feelbelt auch hier in klar unterscheidbaren Geräuschkulissen, etwa Rennspielen: Das Brummen eines Motors spüre ich die ganze Zeit auf der Haut, den Aufprall bei einem Crash auch. Blöd nur, dass sich beispielsweise beim Start alle Motoren im Umkreis zu einem haptischen Soundbrei vermischen.

Auf Dauer ist es anstrengend, wenn meine Haut ständig von jedwedem Geräusch, auch Sprachausgabe, massiert wird. Deutlich interessanter wäre es, wenn nur einzelne Gameplay-Effekte, die auf meinen virtuellen Körper wirken – etwa Einschläge von Projektilen oder Schläge – einen haptischen Impuls auslösen. Dafür ist der Feelbelt allerdings nicht gemacht oder kein mir bekanntes Spiel darauf programmiert. Als kurz- bis mittelfristiger unterstützender Haptik-Effekt (auch bei Monitor- oder Konsolenspielen) ist das Erlebnis interessant, dauerhaft will ich das aber nicht.

Gleiches gilt für Filme, falls ihr auf die Idee kommen solltet, den Feelbelt im Heimkino anzulegen: Im Gaming-Modus wird viel zu viel massiert, aber der Bassmodus kann bei Actionfilmen streckenweise Spaß machen. Da aber auch hier keine definierte Effektübertragung stattfindet (zum Beispiel nur bei Explosionen), kann es auf Dauer ebenfalls ermüden oder sogar unangenehm werden.

Die Nutzungsdauer des Feelbelt wird offiziell mit rund sechs Stunden angegeben. In meinem Fall musste ich allerdings bereits deutlich eher aufladen, circa vier Stunden hielt die Ladung. Aufladen dauert rund zwei Stunden.

Feelbelt Test-Fazit: Cooles Gadget mit eingeschränktem Nutzen

Der Feelbelt ist in Ansätzen ein cooles Gerät, das neue Sound-Erfahrungen ermöglicht: Ich kann Sound in gewisser Weise fühlen. Mit der richtigen Musik und wenn alle Einstellungen hinhauen, ist das beeindruckend und dafür werde ich ihn sicherlich immer mal wieder anlegen.

Damit ist aber auch schon der exakte Nutzen des Gadgets beschrieben: Es ist ein cooles Gimmick für zwischendurch, aber nicht für längerfristigen Gebrauch. Der haptische Effekt ist einerseits cool, kann aber auch ablenkend oder unangenehm sein. Bei Musik ist der Feelbelt am stärksten, im (VR-)Gaming kann er je nach Spiel als interessante haptische Unterstützung dienen.

Wirklich nervig sind die Probleme des Gürtels mit der Lautstärke. Ich hätte erwartet, dass der Input gedeckelt und eine Übersteuerung gar nicht möglich ist. Stattdessen muss ich an verschiedenen Reglern die korrekte Lautstärke ausbaldowern, damit es nicht in den Kopfhörern kracht oder sogar Verbindung und Wiedergabe unterbricht. Mehrfach habe ich 10 bis 15 Minuten mit Einstellungen und Abstürzen verbracht, bis der Feelbelt endlich sauber funktionierte.

Aber: Jeder Mensch nimmt haptische Reize anders wahr. Hier bietet der Hersteller eine Testphase von zwei Wochen an, innerhalb derer Nutzer das Gerät wieder zurückschicken können, wenn es für sie nicht funktioniert. Die Rücksendung ist allerdings auch durch gesetzliche Rückgabefrist innerhalb von 14 Tagen möglich. Ansonsten kann ich den Feelbelt nur all jenen empfehlen, die den doch recht hohen Preis von 300 Euro aus der Portokasse bezahlen und gern Nischen-Gadgets und Prototypen besitzen möchten.

Feelbelt könnt ihr hier kaufen

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FeelbeltFeelbelt-Store299 €

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