Mit “Into the Radius” erhält der erste reine VR-Titel DLSS-Unterstützung. Kann Nvidias KI-Upscaling seine Magie in der virtuellen Realität wirken?

Nvidias KI-Upscaling DLSS krempelt seit knapp zwei Jahren den Videospielmarkt um. Die Technologie rechnet niedrig aufgelöste Bilder mit Künstlicher Intelligenz in hochauflösende Szenen hoch und ermöglicht so einen Leistungsgewinn zwischen 50 und 120 Prozent je nach Qualitätseinstellung.

In modernen Titel wie Control oder Cyberpunk 2077 ermöglicht DLSS hohe Auflösungen mit aktiviertem Raytracing bei spielbaren Bildwiederholraten. Ein großer Schritt für die Technik ist Version 2.0: Seitdem benötigt das KI-Upscaling kein grundlegendes separates KI-Training mehr für jeden neuen Titel.

Seit Version 2.1 ist DLSS mit VR kompatibel. Unser DLSS-VR-Test zeigt, das Nvidias Technologie auch in der virtuellen Realität große Vorteile bei Leistung und Bildqualität bringt. DLSS setzt eine Nvidia RTX-Karte voraus.

Into the Radius – VR-DLSS im Praxiseinsatz

Nun gibt es den ersten VR-Titel mit DLSS-Unterstützung: Into the Radius. Das Spiel ist ein Single-Player Survival-Shooter und eine Art spiritueller VR-Ableger des PC-Klassikers S.T.A.L.K.E.R.

Into the Radius bietet eine visuell beeindruckende Open-World und zählt zu den grafisch anspruchsvolleren VR-Titeln. Mit dem sogenannten „Overachiever Update“ erhielt der Titel DLSS-Unterstützung.

Babeltechreviews hat den DLSS-Modus in verschiedenen Qualitätsstufen auf einer Valve Index (Test) mit 90 Hz und 120 Hz und einer HP Reverb G2 (Test) mit 90 Hz getestet.

Als Testsystem diente ein PC mit einem auf 5.0 GHz übertakteten Intel Core i9-10900K, EVGA Z490 FTW Mainboard, 32 Gigabyte DDR4-Ram @3600MHz und Windows 10 64-bit Pro Edition. Als Grafikkarten kamen eine Nvidia RTX 3080 und eine Nvidia RTX 2080 Ti zum Einsatz.

Für die Tests mit der Valve Index lief Into the Radius mit hohen Einstellungen und einer internen Auflösung von 110 %. Auf der HP Reverb G2 lief das VR-Spiel (Releases) mit hohen Einstellungen und der Auflösung auf 100 %.

Laut Babeltechreview sieht DLSS in der Einstellung „Quality“ so gut aus wie die native Auflösung. Der Performance-Modus erzeuge dagegen eine sichtbare Unschärfe. Der Balanced-Modus sei ein guter Mittelweg – besonders auf der HP Reverb G2.

DLSS halbiert synthetische Bilder

Aber was ist mit den erhofften Leistungszuwächsen? Babeltechreview testete zwar nicht alle erdenklichen Anwendungsszenarien, wie etwa hohes Supersampling wie 170 % für die Valve Index bei 90 Hz – ein mögliches Anwendungsszenario gerade für Besitzer einer leistungsstarken RTX 3080.

Doch bereits jetzt zeigen die Testszenarien mit 110 % Auflösung auf der Valve Index @120 Hz oder die hochauflösende Reverb G2 deutlich, dass besonders die RTX 2080 Ti von DLSS profitiert. Die jeweiligen Ergebnisse sind nicht direkt vergleichbar, da Into the Radius keinen standardisierten Performance-Benchmark liefert. Unterschiedliche Tageszeiten im Spiel oder leicht andere Blickwinkel und Sichtweiten führen daher zu leichten Schwankungen in den Messwerten.

Ohne DLSS produziert die RTX 2080 Ti mit der Valve Index @120 Hz und 110 % Auflösung elf Prozent synthetische Bilder (938). Synthetische Bilder bedeutet: SteamVRs “Motion Smoothing”-Rendertechnologie übernimmt und die Bildwiederholrate wird auf 45 Hz reduziert mit einer Zwischenbildberechnung. Mit Quality DLSS sind es nur noch ein Prozent synthetische Bilder (96).

Weniger synthetische Bilder sind besser, weil diese zwar den flüssigen Spielablauf retten und VR-Übelkeit verhindern, aber Bildfehler verursachen können.

Into the Radius Screenshot

Into the Radius bietet tolle Grafik. Nvidias DLSS soll helfen, diese in besonders hohen VR-spielbaren Bildwiederholraten darzustellen. | Bild: Steam

Ähnlich sieht es mit der Reverb G2 @90 Hz und 100 % Auflösung aus: Ohne DLSS benötigt die RTX 2080 Ti neun Prozent synthetische Bilder (695). Mit Quality DLSS sinkt diese Zahl auf drei Prozent (200) und mit Balanced DLSS sind es nur noch zwei synthetische Bilder.

DLSS liefert also einen deutlichen Leistungssprung, den selbst ein ehemaliges Spitzenmodell wie die RTX 2080 Ti für hochaufgelöste VR-Brillen mit hohen Bildwiederholraten dringend benötigt. DLSS reduziert die Anzahl synthetischer Bilder deutlich und produziert so ein flüssigeres Spielerlebnis.

Bei der deutlich leistungsstärkeren RTX 3080 zeigt sich der Effekt von DLSS erst bei der Reverb G2: Ohne DLSS benötigt die Karte sechs Prozent synthetische Bilder (431), mit Quality DLSS nur noch drei Prozent (180), mit Balanced DLSS nur noch 26 synthetische Bilder.

DLSS für VR? Eine klare Empfehlung

Babeltechreview spricht eine klare Empfehlung für DLSS mit VR aus. Into the Radius profitiert deutlich von Nvidias KI-Upscaling, mit Quality oder Balanced sei die Bildqualität nahezu identisch zur nativen Darstellung bei einer deutlichen Leistungssteigerung.

Weitere Tests werden zeigen, ob sich der Leistungsgewinn nutzen lässt, um Brillen wie die Valve Index mit hohem Supersampling ohne Performance-Verlust zu betreiben. Supersampling bis zu 200 Prozent kann die wahrgenommene Bildschärfe bei gleicher physischer Displayauflösung deutlich erhöhen.

Into the Radius zeigt, dass DLSS in VR ähnlich gut wie am Monitor funktioniert. Weitere Titel werden folgen und damit PC-VR schöner und zugänglicher machen.

Ob AMDs geplante DLSS-Alternative ebenfalls VR unterstützen wird, ist bisher nicht bekannt, ebenso wenig, ob sie mit Nvidias Lösung wird konkurrieren können, da sie ohne KI-Technik kommt. Über das Potenzial einer Nintendo Switch Pro mit DLSS sprechen wir im MIXED.de Podcast #240.

Titelbild: Steam | Via: Babeltechreviews

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