OpenAI-Chef: „KI verändert geistige Arbeit schneller als körperliche“

OpenAI-Chef: „KI verändert geistige Arbeit schneller als körperliche“

Mit dem KI-Modell Codex will OpenAI das Programmiergeschäft verändern. Für OpenAI-Chef Sam Altman ist das der erste Schritt einer Entwicklung, die nicht intuitiv erwartet wird.

Häufig liest und hört man, dass kreatives Schaffen und gemeinhin geistige Arbeit die Herrschaftsgebiete des menschlichen Gehirns sind und für lange Zeit bleiben werden. KI soll autonome Autos und andere Maschinen steuern, vielleicht noch Anrufe entgegennehmen oder Texte übersetzen – vermeintlich einfache Aufgaben erledigen, die mühselige Arbeit, auf die ohnehin angeblich niemand Lust hat.

Aber auf Augenhöhe mit dem Menschen an anspruchsvollen Denkaufgaben arbeiten oder gar von Grund auf neue Dinge zu schaffen, dieses KI-Talent ist in den Köpfen vieler nicht vorgesehen. Wenn es nach OpenAI-Chef Sam Altman geht, sollte diese Haltung reflektiert werden.

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Schwere Dinge sind einfach

Das eigene KI-Modell Codex, das Programmierern beim Coden durch Ergänzungen, Übersetzungen und Vorschläge unterstützt, führt Altman exemplarisch für seine Argumentation an. Codex sei „ein Beispiel für einen wichtigen und kontraintuitiven Trend in der KI: Geistige Arbeit wird sich schneller verändern als physische Arbeit.“

KI-Forscherin Melanie Mitchell beschrieb diesen „kontraintuitiven Trend“, dass einfache Dinge schwierig und schwierige einfach sind, kürzlich in einem Aufsatz über die vier großen Fehlschlüsse der KI-Forschung: Menschen lassen das Schwierige leicht aussehen, etwa Wahrnehmung im Straßenverkehr, während vermeintlich schwierige Aufgaben wie komplexe Computer- und Brettspiele spielen oder logisches Denken KI vergleichsweise leicht fallen. Deswegen könnte KI in Zukunft effektiver eigenständig eine neue Software entlang eines Ziels entwickeln, als einen autonomen Truck durch die Innenstadt fahren.

Der Roboterarm Dactylus konnte den Zauberwürfel mit nur einer Hand lösen. Die feinmotorischen Bewegungen steuerte eine in einer Simulation trainierte KI. Dennoch gab OpenAI im letzten Herbst die Roboterforschung auf, weil die Organisation im reinen Simulationsbereich mehr Wachstumspotenzial sieht. | Bild: OpenAI

Der Roboterarm Dactyl konnte den Zauberwürfel mit nur einer Hand lösen. Die feinmotorischen Bewegungen steuerte eine in einer Simulation trainierte KI. Dennoch gab OpenAI im letzten Herbst die Roboterforschung auf, weil die Organisation im reinen Software-Bereich mehr KI-Wachstumspotenzial sieht. | Bild: OpenAI

Das zeigt auch die aktuelle KI-Entwicklung, die die größten Durchbrüche in den letzten Jahren insbesondere in digitalen Umgebungen oder Simulationen erzielte und weniger etwa in der Robotik, also in der realen Welt. OpenAI gab seine eigene „KI für Roboter“-Forschung trotz signifikanter Ergebnisse im letzten Herbst auf.

„Programmierer werden Dinge tun, die wir uns heute kaum vorstellen können“

Natürlich betont Altman, dass die Kollaboration zwischen KI und Mensch im Vordergrund stehen soll: Codex sei ein Beispiel dafür, wie KI vorhandene Jobs „rapide beschleunige“.

In der Zukunft seien Programmierer dank KI-Unterstützung „sehr viel produktiver“ als ihre Kollegen heute: „Sie werden Dinge tun, die wir uns heute kaum vorstellen können.“ Programmiersprachen existierten ohnehin nur, weil das grundlegende Verständnis von Computern für menschliche Anweisungen fehle.

Aus der übergeordneten Perspektive ist Codex laut Altman daher der Schritt hin zu einem neuen Umgang mit Computern: „Wir sagen, was wir wollen, und sie tun es.“ Diese Interface-Technologie benötige zwar noch „eine lange Zeit, um gut genug zu werden“, aber eines Tages werde sie zum neuen Standard.

„Da immer mehr Dinge API-ifiziert werden, können KI-Systeme, die Code schreiben, leicht eine Menge Dinge in der Welt bewirken.“

Quelle: Twitter

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