Mehr Retro Star Wars? Lucasfilm schnappt sich Deepfaker

Mehr Retro Star Wars? Lucasfilm schnappt sich Deepfaker

Lucasfilm engagiert einen in der Deepfake-Szene bekannten YouTuber, der unter anderem mit Star Wars-Deepfakes auf sich aufmerksam machte. Bringt Disney mehr alte oder sogar schon verstorbene Star Wars-Charaktere in neue Filme zurück?

Der YouTuber-Shamook gehört zu den Urgesteinen der YouTube-Deepfake-Szene – wenn es bei einer erst knapp zwei Jahre alten Bewegung sowas wie Urgesteine überhaupt schon geben kann.

Besonders viel Aufmerksamkeit wurde Shamooks Star-Wars-Deepfakes zuteil. Er brachte etwa das junge Originalgesicht von Harrison Ford in „Solo: A Star Wars Story“ und verbesserte Disneys eigene CGI-Arbeit für eine junge Prinzessin Leia und einen jungen Luke Skywalker in The Mandalorian nachträglich per Deepfake. Seine Videos erzielten Millionen Aufrufe.

Deepfakes als schnelle und günstige CGI-Alternative

Mit seinen Arbeiten hat Shamook Disney deutlich gezeigt, dass er mit KI-Technik im Alleingang qualitativ mindestens ebenbürtige Arbeit zu Disneys CGI-Abteilung leisten kann – die noch geringe Auflösung der Deepfakes, die vieles kaschiert und wohl nicht kinotauglich wäre, einmal beiseite geschoben.

Eben an dieser Kino-tauglichkeit könnte Shamook jetzt direkt an der Quelle arbeiten: In einem aktuellen Video-Upload gibt der YouTuber in den Kommentaren bekannt, dass er bei Lucasfilms Spezialeffektestudio Industrial Light & Magic als „Senior Facial Capture Artist“ eingestiegen ist.

Bringt Disney noch mehr Retro-Star-Wars?

Das Interesse von Disney an Deepfake-Technik ist dokumentiert: Der Konzern veröffentlichte im Sommer 2020 in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich eine Forschungsarbeit zu Megapixel-Deepfakes. Rob Bredow, Leiter des Spezialeffektestudios Industrial Light & Magic, beschrieb schon 2018, dass Deepfakes die Arbeit der Spezialeffekte-Branche bis circa 2020 grundlegend verändern werden.

Disney könnte mit einer professionalisierten Deepfake-Technik wohl schneller und günstiger alte Star Wars-Charaktere wiederbeleben oder ihre jugendliche Version in neue Filme integrieren. Sogar neue Star Wars-Filme mit bereits verstorbenen Darstellerinnen wie Carrie Fisher könnten zumindest technisch möglich sein bei überschaubarem Aufwand.

Bei Disney+ könnte der Entertainment-Konzern zur Wahl stellen, ob man einen Star Wars-Film mit altbekannten Charakteren wie Han Solo lieber mit dem neuen Solo-Darsteller Alden Ehrenreich oder einem Deepfake-Ford schauen möchte für maximales Retro-Gefühl.

Natürlich könnte Disney Deepfakes auch für andere Marken wie Indiana Jones einsetzen – auch hier deepfakte Shamook schon erfolgreich.

Disney-Deepfakes würden schwierige Ethik-Debatte auslösen

Die obigen Ausführungen sind Technik-Theorie. Praktisch dürfte Disney viel Gegenwind von Zuschauern und der Filmbranche erfahren, wenn Schauspieler auf Knopfdruck austauschbar werden. Gerade dann, wenn bereits verstorbene Darsteller so immer wieder für neue Filme wiederbelebt werden und wenn sie vor ihrem Tod nicht mehr selbst über das zweite Digitalleben bestimmen konnten.

Dass die ethischen Fragen bei Deepfakes komplex sind, zeigte kürzlich ein Audio-Deepfake in einer Dokumentation über den TV-Star Anthony Bourdain. Ein KI-Klon von Bourdains Stimme las einen Teil einer von ihm verfassten E-Mail vor. Das brachte dem Filmemacher Morgan Neville reichlich Kritik ein, dabei handelte es sich nur um eine kurze Audio-Sequenz und nicht um einen vollwertigen Kinofilm. Es ist allerdings möglich, dass Deepfakes im Entertainment-Kontext anders bewertet werden als in einer Dokumentation.

Über das Deepfake-Potenzial in Hollywood sprechen wir ausführlich im MIXED-Podcast #169.

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