Das Startup CTRL-Labs arbeitet an einer Technologie, die Signale von Nervenzellen in eine präzise Fingersteuerung umsetzen soll. Google glaubt an die Idee.

Das 2017 gegründete Startup CTRL-Labs erhöht sein Kapital auf 67 Millionen US-Dollar. Hauptsponsor ist Googles Risikokapitalunternehmen Ventures, das sowohl die erste (Mai 2017) als auch die zweite Finanzierungsrunde über jeweils 28 Millionen US-Dollar anführt. Neben Google investiert unter anderem Amazon.

Die Technologie von CTRL-Labs belauscht sozusagen das zentrale Nervensystem: Sie nimmt elektrische Steuersignale des Gehirns für Hand- und Fingerbewegungen auf und überträgt sie auf eine digitale Hand.

So kann man beispielsweise auf einer Schreibtischplatte tippen wie auf einer Tastatur. Ein anderes Eingabeszenario: Man bedient das Smartphone wie gewohnt – lässt aber die Hand in der Hosentasche.

Alternative zu Kamera-Tracking

Die elektrischen Signale erfasst CTRL-Labs über ein Elektromyographie-Armband am Handgelenk, das elektrische Signale über die Hautoberfläche mit insgesamt 16 Elektroden erfasst. Die Mustererkennung erfolgt mittels Googles KI-Software Tensorflow.

Das Verfahren könnte sich als mögliche Alternative zu kamerabasiertem Hand- und Fingertracking erweisen und wäre wie gemacht für VR- und AR-Brillen. Wer tiefer in die Technologie einsteigen will, findet hier einen Vortrag des Gründers Thomas Reardon.

Die Erfinder räumen ein, dass die ungewohnte Computer-Bedienung eine Trainingsphase benötigt – so wie Maus und Tastatur eben auch. Das stundenlange Training soll Interessierten mit spielerischen Ansätzen schmackhaft gemacht werden.

Google Ventures jedenfalls ist zuversichtlich, dass CTRL-Labs der große Wurf gelingt: “Das Unternehmen hat ein Team von Top-Neurowissenschaftlern, Ingenieuren und Entwicklern mit tiefem technologischen Hintergrund zusammengestellt, die Mensch-Computer-Interaktionen kreieren, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben”, heißt es in einer Mitteilung zur Investition.

CTRL-Labs arbeitet derzeit am CTRL-Kit, einer Entwicklungsumgebung für Unity und JavaScript, mit der die Hirnsteuerung in vorhandene Apps integriert werden kann. Ziel ist ein einzelnes Armband, das nicht mehr auf eine externe Recheneinheit angewiesen ist und auf mobilen Prozessoren läuft. Der Prototyp muss noch mit einem PC verbunden werden.

Google entwickelt mit Project Soli eine eigene Technologie für Hand- und Gestensteuerung. Diese misst allerdings keine Hirnsignale, sondern setzt auf einen Radar, der Reflexionsmuster elektromagnetischer Wellen submillimetergenau erkennt. Das Verfahren wurde zuletzt von der US-Zulassungsbehörde FCC genehmigt und könnte demnächst in ersten Produkten verbaut werden.

Weiterlesen über Gehirn-Computer-Schnittstellen:


VRODO heißt jetzt MIXED: Alle Infos
MIXED-Podcast #134: Nintendo VR-Kit und VR-Flatrates | Alle Folgen