Eine KI soll Microsofts Informationsportal MSN zukünftig mit Inhalten und knackigen Überschriften bestücken. 50 News-Produzenten müssen dafür gehen.

Microsoft lässt die Verträge von rund 50 News-Produzenten für das Informationsportal MSN auslaufen, berichtet die Seattle Times. Die Verträge der durch Personalvermittlungen eingestellten Redakteure enden nach dem 30. Juni. Sie wurden vergangenen Mittwoch informiert, dass ihre Arbeitskraft nicht länger benötigt wird.

Microsoft bestätigt die Entlassungen in einem Statement. Der Entscheidung liege eine Neubewertung des Geschäftsmodells zugrunde. Sie sei kein Resultat der Corona-Pandemie. Direkt bei Microsoft angestellte News-Produzenten mit ähnlichen Aufgaben behalten ihren Job.

KI ersetzt Mensch

Die Seattle Times sprach mit einigen der entlassenen Redakteure, die sich anonym zu Microsofts Zukunftsplänen für die MSN-Plattform äußerten.

Demnach soll Microsoft schon seit einigen Monaten eine Teilautomatisierung der News-Produktion für MSN getestet haben: Eine KI-Software erkennt aktuelle, relevante News von Microsofts Publishing-Partnern und optimiert sie für die eigene Plattform, indem sie zum Beispiel Überschriften umtextet oder bessere Fotos und Slide-Shows auswählt.

“Seit ein paar Monaten ist sie halbautomatisiert, aber jetzt geht es so richtig los”, sagt einer der gekündigten News-Produzenten. Der Gedanke, durch eine Maschine ersetzt zu werden, sei demoralisierend, “aber so ist es nun mal.”

Die entlassenen Redakteure seien skeptisch, dass die Künstliche Intelligenz ihre Arbeit ordentlich verrichte, wenn sie nicht von Menschen kontrolliert wird, heißt es im Bericht. Weitere Aufgaben der News-Redakteure bei MSN sind die Inhalteplanung, die Pflege von Redaktionsplänen und die Verteilung von Inhalten auf Partnerseiten.

Um die Tragweite dieses Mensch-Maschine-Rollentauschs besser einschätzen zu können, ist es wichtig, das Konzept von MSN zu kennen: Die Nachrichtenseite veröffentlicht keine originalen Inhalte, sondern greift gegen Bezahlung auf die News anderer Plattformen zurück. Diese werden leicht angepasst bei MSN publiziert. Die KI erstellt also keine neuen Texte.

Microsofts Turing-KI: Aus dem Labor direkt in die Praxis?

Im Februar stellte Microsoft die Text- und Sprach-KI Turing Natural Language Generation (T-NLG) vor, das bislang mächtigste System seiner Art für die automatische Textgenerierung.

Laut Microsofts KI-Forschern kann Turing-NLG Fragen zu Texten beantworten oder lange Texte knapp zusammenfassen – ein solches Anwendungsszenario wäre auch für die MSN-Plattform denkbar. Die KI-Forscher beschreiben ihre Software als “transformativ”.

Ob Turing-NLG bei MSN schon eingesetzt wird, ist nicht bekannt, der Verdacht liegt aber nahe: Microsoft bestätigte, dass Turing-NLG für ein besseres Sprachverständnis in eigenen Produkte integriert wird. Eine Open-Source-Version soll zeitnah erscheinen.

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