Xbox Series X: KI-Grafik ist die „beste Funktion“

Xbox Series X: KI-Grafik ist die „beste Funktion“

Mit auf DirectML basiertem KI-Rendering hat Microsoft potenziell ein mächtiges Grafik-Upgrade für die neue Xbox am Start. Ein Entwickler sieht DirectML gar als wichtigste Xbox-Funktion. Außerdem sucht Microsoft weiteres Personal für die Entwicklung von Software für „zukünftige Machine-Learning-Hardware“.

Nvidia hat mit KI-Technik wie DLSS oder Game GAN in den letzten Monaten stark vorgelegt und gezeigt, dass KI bereits jetzt ein wichtiger und grundlegender Baustein von Computergrafik ist und zukünftig noch an Relevanz gewinnen wird.

KI für Spielegrafik ermöglicht etwa automatische HD-Upgrades von Retro-Videospielen, Spielestudios könnten Entwicklungskosten einsparen oder Game-Konzepte schneller finden und Spieler haben dank DLSS schon jetzt bessere Grafik bei weniger Rechenaufwand.

Next-Gen-Upgrades per Software-Feature

Mit DirectML hat Microsoft eine eigene Open-Source-Schnittstelle für KI-Innovation am Start. Über DirectML können Entwickler Machine-Learning-Rendertechniken effizient in ihre Anwendungen integrieren. Als Beispiele nennt Microsoft KI-Upscaling oder performance-freundliche Raytracing-Effekte mit weniger Strahlen pro Pixel – ähnliches kennt man von Nvidia DLSS.

Schon lange vor dem Marktstart der neuen Xbox Series X sprach Microsoft über das Potenzial von KI-Upscaling, das so „beängstigend gut“ funktioniere, dass der Unterschied zwischen einer handgemachten hochauflösenden Textur und einer maschinell vergrößerten Textur auf Basis einer niedrig aufgelösten Textur nicht mehr zu erkennen sei.

Aus Pixelbrei wird dank Deep Learning mit vergleichsweise geringem Aufwand HD-Grafik.

Beispiel einer KI-skalierten Textur: Die Besonderheit ist, dass KI nicht einfach nur Pixel vervielfacht beispielsweise anhand von Farbwerten, sondern dass sie – vergleichbar mit einem menschlichen Grafiker – hochauflösende Texturen erzeugt, indem sie neue Details hinzufügt, also tatsächlich neuen Inhalt erstellt. Auf diese Art können beispielsweise pixelige Retro-Spiele mit wenig Aufwand für hochauflösende Bildschirme portiert werden.

Microsoft zeigte im Oktober 2020 einen KI-berechneten HDR-Effekt für die Xbox Series X. Der sogenannte „Auto HDR“-Effekt (siehe Titelbild) wird für eine Reihe an Klassiker-Spielen eingesetzt, die kein natives HDR bieten. Er kann ohne zusätzlichen Rechen- oder Programmieraufwand vom Spieler optional hinzugeschaltet werden.

DirectML: Xbox-Entwickler glauben an KI-Potenzial

Auch Spieleentwickler setzen auf das Potenzial von DirectML: Der Chef des Indie-Studios Midgar Jérémy Zeler-Maury bezeichnet die DirectML-Unterstützung gar als „beste Funktion“ der Xbox Series X.

„Maschinelles Lernen wird enorme Leistungsverbesserungen (ML super-resolution), Style-Transfer für neue Kunststile und neues Gameplay ermöglichen“, sagt Zeler-Maury.

Ein anschauliches Beispiel für den von Zeler-Maury erwähnten KI-Style-Transfer zeigten kürzlich KI-Forscher von Intel, die nachträglich fotorealistische Texturen und Beleuchtungseffekte auf die bestehende 3D-Engine von GTA 5 legten. Die generierende KI wurde dafür mit Autokamera-Aufnahmen realer Straßenzüge trainiert.

Der bekannte Spieleentwickler David Cage von Quantic Dream hob in der Vergangenheit ebenfalls das Hardware-Potenzial der neuen Xbox für KI-Rendertechnik hervor – wenn es Microsoft gelingt, DLSS-ähnliche Funktionen für die Xbox anzubieten.

Microsoft sucht Personal für „zukünftige Machine-Learning-Hardware“

Wann genau Microsoft KI-Renderfunktionen für die Xbox anbietet, ist nicht bekannt. Derzeit sucht Microsoft noch nach erfahrenen Entwicklern für KI-Rendertechnik, die „Millionen Spieler verzaubert“ mit „den höchsten Auflösungen und Bildwiederholraten“.

Laut einer aktuellen Stellenausschreibung „nutzt Xbox maschinelles Lernen, um traditionelle Rendering-Algorithmen effizienter zu machen und bessere Alternativen anzubieten.“ Einzustellende Entwickler sollen außerdem gemeinsam mit Partnern Software für „zukünftige Machine-Learning-Hardware“ auf den Weg bringen.

Via: Microsoft, Wccftech, Techspot

Weiterlesen über KI und Grafik: