Überwachungs-Dystopie: Gesichtserkennung in den USA auf dem Vormarsch

Überwachungs-Dystopie: Gesichtserkennung in den USA auf dem Vormarsch

Eine neue Studie zeigt, dass der Einsatz von Gesichtserkennung in den USA in Zukunft wohl weiter zunehmen wird.

Die Studie des US Government Accountability Office (GAO) untersucht die aktuelle Verbreitung und geplante Einsätze der  Technologie. Gesichtserkennung wurde in den letzten zwei Jahren immer wieder stark von Politiker:innen und Interessenverbänden kritisiert, etwa im Fall der umstrittenen Clearview-Software oder der zunehmende Einsatz im Einzelhandel. Einige US-Städte wie San Francisco oder Portland und Bundesstaaten wie Maine beschlossen strenge Regeln und Verbote.

Der US-Kongress gab die nun veröffentlichte Studie 2020 in Auftrag. Zehn von 24 untersuchten Bundesbehörden wollen den Einsatz von Gesichtserkennung bis 2023 ausweiten, darunter das Verteidigungsministerium, das Landwirtschaftsministerium oder Homeland Security. Die gleiche Anzahl investiert in Forschung und Entwicklung der Technologie. Im Bericht werden nicht alle Bundesbehörden und Einsatzbereiche untersucht.

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Zahlreiche Systeme im Einsatz

18 Bundesbehörden nutzen bereits Gesichtserkennung, viele davon verwenden mehrere Systeme. Ein Großteil dieser Systeme gehören dem Staat, sechs sind jedoch von Unternehmen wie Clearview AI oder Vigilant Solutions. Alleine die Bundesbehörden, die den Einsatz der Technologie bis 2023 ausweiten wollen, setzen etwa auf 17 verschiedene Systeme, darunter auch solche für die Bewegungserkennung.

Der US-Marshals-Service entwickelt mit der Technologie ein kontaktloses Gefangenen-Transportsystem, Einwanderungsbehörden und Zoll wollen Gangkriminalität bekämpfen und auch das Landwirtschaftsministerium will mit Gesichtserkennung gesuchte Personen aufspüren.

Clearview wird etwa von der US Air Force eingesetzt. Im März verkündete das Unternehmen, bereits 3.100 von 18.000 US-Strafverfolgungs- und Polizeibehörden hätten das System genutzt. Nach eigenen Aussagen können Nutzer und Nutzerinnen auf eine Datenbank von über drei Milliarden öffentlichen Bildern  zugreifen. Staatliche Systeme haben deutlich kleinere Datenbanken, die sich oft lediglich aus Fotos aus bestimmten Dokumenten oder von Verhafteten speisen.

US-Behörden investieren in Forschung

Das Justizministerium untersuchte laut der Studie die Zusammenhänge zwischen Hautfarbe und Identifikationsfehlern in Gesichtserkennungssystemen. Andere Behörden versuchen, etwa die Leistung der Systeme für Maskenträger zu verbessern.

Viele Behörden arbeiten zusammen und tauschen Systeme und Informationen aus, dabei gibt es auch Kooperationen mit Behörden auf Landesebene. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Homeland Security können etwa Anfragen an Systeme außerhalb des internen Netzwerkes stellen.

Der Bericht zeigt, dass der Einsatz der Technologie gerade in der Strafverfolgung weiter zunehmen wird. Ein Fall wie die unrechtmäßige Inhaftierung von Nijer Parks, der von Clearviews Software fälschlicherweise als Ladendieb identifiziert wurde, könnte in Zukunft also häufiger auftreten, falls die Systeme nicht ungleich verlässlicher werden.

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Quelle: GAO, Technology Review