Forscher aus Facebooks Realitätslabor entwickeln visuell realistische digitale Wohnungen und Büros. In ihnen soll Künstliche Intelligenz schnell und effizient über die echte Welt lernen. Davon sollen auch VR und AR profitieren.

Insgesamt 18 realistisch gerenderte Beispielwohnungen und -büros enthält Facebooks KI-Trainingsdatensatz “Replica”. Facebook stellt ihn kostenlos bei Github zur Verfügung.

Die Entwicklung des Datensatzes geschieht im Rahmen von Facebooks Habitat-Programm für verkörperte Künstliche Intelligenz, das das Unternehmen im März vorstellte. Ziel ist es, dass KI der Sprung aus dem Internet in die echte Welt gelingt.

Der teils in Deutschland ausgebildete Facebook-Forscher Julian Straub verspricht bezüglich Replica “einen neuen Standard bei realistischen 3D-Rekonstruktionen realer Orte”. Zum Beispiel wurden Details wie komplexe Spiegelungen oder die Beschaffenheit des Teppichs berücksichtigt.

In den simulierten Wohnungen soll Künstliche Intelligenz lernen, sich wie in der Realität zu bewegen, Aufgaben zu bewältigen oder digitale Objekte exakt in eine Umgebung einzubetten. Eine Beispielaufgabe für die KI: Prüfe, ob auf dem Schreibtisch ein Notebook steht. Dafür muss die KI Schreibtisch und Notebook als Objekt erkennen und räumlich verorten können.

Der Vorteil gegenüber Echtwelt-Training ist, dass die Computer-Simulation in hohem Tempo ablaufen kann – mit bis zu 10.000 Bildern pro Sekunde, um genau zu sein.

Training, das in der Realität Monate und Jahre benötigen würde, braucht in der virtuellen Realität so nur Tage oder Wochen. Außerdem sind Unfälle ausgeschlossen. Umgekehrt sind die statischen 3D-Modelle weit davon entfernt, die Komplexität der echten Welt vollständig wiederzugeben.

Erstellt wurden die Replikate mit einem selbstentwickelten Kamerasystem inklusive 3D-Scanner. Das folgende Video zeigt, wie ein KI-Agent durch das 3D-Modell navigiert.

Telepräsenz-Anwendungen für AR und VR sollen von KI-Forschung profitieren

Laut der Facebook-Wissenschaftler hilft die KI-Forschung auch der sozialen Präsenz mit VR- oder AR-Brillen: Ziel sei es, dass die digitale Version eines Freundes glaubhaft neben einem auf der Couch sitzen könne.

Dafür müsse ein KI-System wissen, wie es einen digitalen Menschen natürlich und realistisch mit der Umgebung interagieren lassen kann oder umgekehrt, dass Nutzer in einen digitalen Raum versetzt werden, der echt erscheint. “Diese Technologien werden das Potenzial von AR-Brillen erschließen.”

Wann es soweit sein wird, wissen die Forscher freilich nicht. “Eines Tages”, schreiben sie, und verweisen auf “viele technische Durchbrüche”, die zuvor nötig seien.

Als Nächstes soll neben der visuellen Komponente auch die physikalische in die KI-Trainingssimulation integriert werden. Dann kann ein Roboter lernen, was passiert, wenn er ein Weinglas auf dem Wohnzimmertisch umstößt, das anschließend auf dem guten Teppich landet. Fehlt nur noch die menschliche Komponente, die ihn als Strafe ausschaltet.

Quelle: Facebook; Titelbild: Facebook

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