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Red Matter 2 im Test: Weltraum-Grafikwunder für Quest 2 & SteamVR

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Deutsche Untertitel sind in Arbeit.

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Update vom 22. August 2022:

Das stimmungsvoll inszenierte VR-Spiel Red Matter 2 ist bisher nicht auf Deutsch erhältlich. Doch das soll sich ändern: Gegenüber dem Youtuber „Mo fun VR“ bestätigte Hersteller Vertical Robot, dass zumindest deutsche Untertitel in Arbeit seien. Ein Termin für das entsprechende Update steht noch nicht fest.

Eine Vertonung gibt es derzeit nur auf Englisch, Untertitel stehen auf Englisch, Spanisch, und Italienisch zur Verfügung. Ein heutiger Patch für die SteamVR-Fassung (1.0.002) nahm außerdem einige kleine Bugs und Kollisions-Probleme in Angriff.

Ursprünglicher Artikel vom 18. August 2022:

Red Matter 2 soll grafische Maßstäbe auf der Quest 2 setzen. Im Test knoble ich mich auch per SteamVR durch hübsch beleuchtete Stationen.

Kaum ein VR-Spiel transportierte die Abgeschiedenheit im All so stimmungsvoll wie Red Matter aus dem Jahr 2018. Im Nachfolger will der spanische Entwickler Vertical Robot das Konzept noch verfeinern, mit einer intuitiven, modernen Bedienung sowie konkurrenzlos hübschen Kulissen auf der Meta Quest 2. Gleichzeitig startete das Spiel am 18. August auch für PC-VR, mit noch etwas aufwendigeren Beleuchtungs- und Glanzeffekten.

In einem fiktionalen kalten Krieg begebe ich mich auf die Suche nach einem verschollenen Freund und Kollegen. Das Adventure voller Physikrätsel, Jetpack-Sprünge, Schleicheinlagen und manipulierbarer Maschinen führt mich quer durchs Sonnensystem mit seinen zwielichtigen Forschungsstationen. Dabei kämpfe ich gegen bizarre Halluzinationen und aufdringliche Wachroboter.

Red Matter 2 im Test – Review in aller Kürze

Red Matter 2 bietet die technisch beeindruckendsten Kulissen für Quest 2 und über weite Strecken auch ein herrlich immersives VR-Adventure, das Spielende rundum in seine mystischen Raumstationen zieht. Im späteren Spielverlauf stören jedoch Bugs und mangelndes Feintuning den Spaß an Mechanik-Puzzles, Schleichtouren und Schießereien.

Red Matter 2 ist für dich geeignet, wenn

  • du vollends in abgeschiedene SciFi-Welten eintauchen willst,
  • du die grafisch beeindruckendsten Kulissen für die Quest 2 suchst
  • und einen runden Mix aus Technik-Puzzles, Schleichen und Geschicklichkeit magst.

Red Matter 2 ist nicht für dich geeignet, wenn

  • dich Bugs und mangelnder Feinschliff stören
  • und du kein flüssiges Englisch oder Spanisch sprichst.

SciFi-Mystery für Meta Quest 2 und SteamVR

Falls ihr das Mysterium aus Teil 1 selbst enträtseln wollt, solltet ihr nicht weiterlesen. Die Geschichte knüpft direkt an den Vorgänger an. Daher sind Spoiler unvermeidbar. Nach wie vor dreht sich die Handlung natürlich um die geheimnisvoll wuchernde rote Materie, die allerlei mysteriöse und offenbar auch gefährliche Effekte mit sich bringt.

Nachdem das Bewusstsein des Protagonisten Sasha Riss aus einer Simulation befreit wurde, findet er sich im Körper eines Wachmanns auf einer Basis der verfeindeten Atlantic Union wieder.

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Auf der Flucht stellt ihm seine russisch angehauchten Mutternation Volgravia eine Verbündete mit dem Codenamen „Beta“ zur Seite. Sie gibt ihm weitere Instruktionen und hilft bei der Suche nach dem angeschossenen Kollegen Stas Volkov: Er konnte offenbar noch einen Notruf absetzen und hat wie bei einer Schnitzeljagd Videoschnipsel auf verschiedenen Raumstationen hinterlassen.

Auf dem Weg zu den Terminals liegen natürlich einige finstere Grotten und Lüftungsschächte. Mal schleiche ich geduckt mit der Funzel durch versteckte Eingänge, anderswo schwebe ich gezielt mit Düsenkraft durch Industriehallen. Das überarbeitete Jetpack steuert sich lange nicht so feinfühlig wie in Lone Echo 2, passt aber gut zum Konzept der ruhigen Erkundung.

Während der grob acht Spielstunden warten einige herrlich altmodische SciFi-Maschinen auf eure Eingaben. Mechanische Gelenke etwa drücke ich eigenhändig in die passende Position, um Lichtstrahlen umzulenken. Sogar beim Hacken bewege ich elektronische Röhren oder glühende räumliche Projektionen vorsichtig an ihr Ziel. Nach und nach erreiche ich auf meiner Reise durchs All mehr erforschbare Raumstationen zur Erkundung.

Faszinierend haptisches VR-Adventure

Am meisten Spaß machte mir auf dem Trip die Manipulation einer wild surrenden Apparatur in den Minen: Ihr Design erinnerte mich angenehm an die mysteriösen Backrooms-Kurzfilme des Youtubers „Kane Pixels“.

Wie so oft im Spiel beweist das Studio hier ein Händchen für geniales Puzzle-Design. Nach einigen Experimenten mit meinen Werkzeugen und den räumlichen Steuerelementen kam mir auch hier nach wenigen Minuten der rettende Geistesblitz, der das mechanische Monstrum schließlich überhitzen ließ.

Eine abgespacete Maschine wird räumlich mit einem Würfel bedient.

Screenshots und Trailer können nicht ansatzweise einfangen, wie grafisch beeindruckend und stilvoll die rätselhaften Maschinen bereits auf der Quest 2 aussehen.

Ein schöner Kniff für die Immersion sind bei all dem die Multifunktionswerkzeuge in meiner Hand, die den echten Quest 2-Controllern (bzw. Index-Controllern) nachempfunden sind. Da ich an ihrer praktischen Spitze mit mechanischen Greifhaken zupacke, fühle ich mich wie ein Astronaut im Anzug.

Auch Funktionen wie Taschenlampe, Scanner und Pistole erweisen sich inmitten der Umgebungspuzzles als nützlich. Manchmal müssen sogar zahlreiche Bauteile gefunden werden, um eine Maschine anhand verstreuter Baupläne zu reparieren.

Ähnlich wie im spielmechanisch altmodischen Myst-Remake für Virtual Reality gibt es keinerlei Hilfe-Funktionen oder andere moderne Errungenschaften. Neulinge müssen sich also zwangsläufig durchbeißen und gut auf Betas Instruktionen über Funk achten.

Spielbare Abgeschiedenheit

Anders als im Adventure-Meisterwerk Lone Echo 2 gibt es leider keine vertrauenswürdige Begleiterin oder philosophisch angehauchte Dialogoptionen. Stattdessen werden lediglich einige vorgegebene Gespräche in Zwischensequenzen geboten. Trotzdem versteht es auch Red Matter 2 auf meisterhafte Weise, meine Aufmerksamkeit völlig zu vereinnahmen.

Der Held schießt hinter Röhren verschanzt auf einen Wachroboter.

Die gelegentlichen Schusswechsel gegen stupide Blecheimer werden eher zur Pflichtübung, zumal auch das schlichte Waffen-Handling nicht ganz mit vollwertigen VR-Shootern mithalten kann. | Bild: Vertical Robot

Die professionell auf Englisch vertonten Gespräche (Deutsch fehlt bedauerlicherweise) lassen stets genug Raum für spannende Zweifel. Kann ich dem Space Bureau, Beta und ihrer Befreiungsaktion wirklich trauen? Was haben die vielen Ungereimtheiten um meine Vorgeschichte, eigenwillige Wissenschaftler und die Erforschung der roten Materie zu bedeuten? In Sashas surrealen Visionen überwuchert die zähe Masse teils die komplette Kulisse.

Aufgrund vieler Wendungen und Interpretationsmöglichkeiten könnten sich Neueinsteiger zunächst von der Handlung überfordert fühlen. Nach dem Lesen zahlreicher Notizen setzen sich aber immer mehr Puzzleteile der Geschichte rund um Sasha und seine alten Kollegen Stas und Irina zusammen. Durch all das zieht sich das Thema von Gewissensbissen inmitten skrupelloser Experimente.

Das Design der planetaren Stationen ist das reinste Fest für Freunde alter SciFi-Filme voller blinkender Großrechner und brutalistischer Betonbauten. Wer wie ich gerne (verlassene) Klötze wie im Ihme-Zentrum oder die Hamburger City Nord erkundet, wird seine helle Freude haben.

Zwischen wuchtigen Forschungsapparaturen und riesigen Blutbanken mit Roboterarmen kann ich gar nicht anders, als gemütlich durch die Kulisse zu spazieren und jedes noch so kleine Detail in mich aufzusaugen.

Red Matter 2 macht auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie gut alte analoge Technik zur abkapselnden Immersion von VR passt. Hier gibt es keinen Overkill an Nachrichten, Wegmarkern oder Quest-Logs. Fans moderner Open-World-Spiele könnten sich irritiert fühlen – ich hingegen liebe diesen Fokus aufs Wesentliche! Eine grantige KI druckt mir ihre Beschwerden über mein Eindringen sogar wieder zirpend auf dem Nadeldrucker aus. Überaus charmant.

Immer wieder kam mir der Gedanke, ob unsere heutige Welt mit ihrer Reizüberflutung nur eine Zwischenstation sein könnte. Wer weiß – vielleicht bedienen wir beim „Spatial Computing“ in der Zukunft wieder mehr räumliche Objekte, die vor unserer AR-Brille im Zimmer schweben.

Das schönste VR-Spiel für Meta Quest 2?

Wie ein Blick in die Zukunft wirkt auch die konkurrenzlos gute grafische Umsetzung auf der Quest 2. Teilweise kann ich kaum glauben, was die stark modifizierte Unreal-Engine aus dem XR2-Chip kitzelt.

Das Bild zeigt eine übernatürliche, grün glühende Vision auf einem Planetenkrater.

Manche Kulissen könnten problemlos im Museum ausgestellt werden. Selbst das anderweltlich glühende Adventure Form von Charm Games bietet nicht derart viele coole Panoramen.  | Bild: Vertical Robot

Von glühenden Partikeln über Laserstrahlen bricht und spiegelt sich das Licht auf vielfache Weise in der Umgebung. Besonders beeindruckend sind die angelaufenen Glasscheiben, auf denen selbst feinste Kratzer und Schmutzflecken das Ergebnis beeinflussen.

Sogar Raytracing kommt zum Einsatz, etwa für Reflexionen auf Monitoren oder Laserstrahlen wie aus dem Scanning-Werkzeug. Hier ist es eine wahre Freude, jedes noch so kleine, hübsch schimmernde Detail zu untersuchen oder volgravische Schriftstücke mit dem Scanner zu übersetzen.

Frei durch die Welt bewegen darf ich mich in den meist geradlinigen Abschnitten nicht. Einige Abzweigungen (und etwas Backtracking) wurden aber passend ins Leveldesign integriert. Währenddessen unterstreicht auch der gefühlvoll eingestreute Orchester-Soundtrack die Atmosphäre.

Mängel beim Feintuning

Im Laufe des VR-Spiels wird der Spaß an der Erkundung leider deutlich durch einige Bugs und Puzzles mit schlechtem Feintuning ausgebremst. Mal bleibt ein Metallstab oder eine wichtige Sicherung im Schacht stecken, anderswo versinke ich mit Schwarzblende in der Wand – oder ein fehlerhaftes Hacking-Minispiel kann nicht beendet werden.

In einer Halle beginnt sogar ein Trolley, in der Luft zu schweben, wenn ich eine nicht vorgesehene Lösungsidee starte (ein Patch ist bereits in Arbeit). Glücklicherweise sind die automatischen Speicherpunkte nicht allzu weit voneinander entfernt.

Ein Bug lässt einen großen Trolley in der Luft schweben.

Statt alternativer Lösungen gibt es später Bugs wie diesen schwebenden Trolley auf der Quest 2. Ähnlich wie das Gefährt konnte der Patch bedauerlicherweise nicht mehr vor dem Launch ausgerollt werden. | Bild: Vertical Robot

Auch die Jetpack-Sprungsequenzen und sporadischen Schusswechsel gegen Wachroboter wirken später nicht mehr so ausgefeilt. Sie setzen den Helden mit ihrer schwachen KI kaum unter Druck, während sie unmotiviert zwischen vorhersehbaren Positionen hüpfen – selbst auf dem höheren der zwei Schwierigkeitsgrade.

Vielleicht fehlte dem Team einfach die Zeit fürs Feintuning der späteren Abschnitte. Mehr Mühe ist in die Komfort-Optionen geflossen. Sie umfassen alle gängigen Mechanismen für ein magenfreundliches VR-Spiel, wahlweise im Stehen oder Sitzen. Dazu gehören flüssiges und ruckartiges Drehen in verschiedenen Winkeln, verschiedene Vignettenstärken sowie Fortbewegung nach Kopf- oder Handrichtung.

Selbst die langsamen Schwebe-Hüpfer vertrage ich als mittelmäßig empfindlicher VR-Spieler sehr gut. Insgesamt fühlt sich die stärker auf Stick-Bewegung zugeschnittene Handhabung viel moderner an als im Vorgänger. Wer möchte, darf sich aber alternativ wieder per Teleportation fortbewegen.

Meta Quest 2 aus Deutschland bestellen

Meta Quest 2 wird in Deutschland noch nicht verkauft, ihr bekommt sie aber problemlos über Amazon Frankreich. Tipp: Rechtsklick auf die Webseite und “Übersetzen” wählen.

Auch auf dem PC ansehnlich

Primär soll Red Matter 2 zeigen, was sich grafisch aus dem Mobilchip der Quest 2 kitzeln lässt. Die SteamVR-Umsetzung bietet dennoch deutlich mehr Details und Effekte. Dazu gehören höher aufgelöste Texturen, dynamische sowie indirekte Schatten.

Mit einer Valve Index, einer GeForce RTX 2080 Ti und viel Supersampling ist das flüssige Ergebnis also noch eine ganze Ecke ansehnlicher. Die rein für PC entwickelte Space-Konkurrenz Lone Echo 2 von Meta sieht auf PC-VR-Brillen dennoch deutlich eindrucksvoller aus.

Sasha steht in der feindlichen Mondbasis vor seinem Raumanzug.

Auf dem PC ermöglichen einige zusätzliche Details und Effekte wie Spiegelungen solche kunstvollen Schnappschüsse. | Bild: Vertical Robot

Quellen: Vertical Robot, Steam, Mo fun VR (Youtube)