Zu viel Plastik gerät in die Umwelt und das Meer oder wird verbrannt. Kann Künstliche Intelligenz diese Entwicklung eindämmen, indem sie sie beim Recycling hilft?

Wenn die Menschheit kollektiv einer negativen Entwicklung ausgeliefert ist, dann soll die Technik retten. Die Entwicklung rund um Corona zeigt das gut: Auch hier wird die technische Lösung, der Impfstoff, zum Heilsbringer, der immer dringender benötigt wird, je weniger Menschen dazu bereit sind, sich aus eigener Kraft dem Virus zu entziehen.

KI rutscht bei manchen in eben jene Heilsbringerrolle, weil der technologische Sprung durch sie grundlegender Natur und weitreichend ist, und weil die künstliche Intelligenz Probleme lösen könnte, bei der die menschliche an ihre Grenzen gelangt. Es geht um die großen Themen: Armut, Krankheit, Nahrung, Klimawandel.

KI fürs Recycling

Wie eine pragmatische Anwendung dieses theoretischen Konstrukts aussehen könnte, zeigt unter anderem das Start-up AMP Robotics: Es möchte mit KI- und Roboter-Technik das Recycling verbessern und hat sich “eine Welt ohne Müll” als Ziel gesetzt.

Die Recycling-KI arbeitet in drei Schritten: In der Cloud wird die KI-Bildanalyse trainiert, die dann über eien Industriekamera den Materialstrom auf dem Förderband analysiert. Basierend auf dieser Analyse sortiert ein Roboter das Material. | Bild: AMP Cortex

Die Recycling-KI arbeitet in drei Schritten: In der Cloud wird die KI-Bildanalyse trainiert, die dann über eine Industriekamera den Materialstrom auf dem Förderband analysiert. Basierend auf dieser Analyse sortiert ein Roboter das Material. | Bild: AMP Cortex

Wo Bildanalyse-KIs sonst für medizinische Analysen oder Überwachung eingesetzt werden, sollen sie bei AMP Robotics leere Plastikflaschen, zerknitterte Plastiktüten, verbeulte Dosen und anderen Müll genauer und schneller voneinander trennen als bisherige Systeme oder manuelle Sortierung.

Die KI-Software steuert einen zweiarmigen Roboter, der den Müll auf dem Förderband sortiert. Laut AMP Robotics schafft das KI-Recycling bis zu 80 Picks pro Minute bei einem komplett überwachten Materialstrom. Die Software ist modular aufgebaut und kann von Anlagemanagern auf vorhandene Sortiermaschinen sowie Prozesse angepasst werden.

Der Pick-Roboter wird einfach über dem vorhandenen Laufband platziert – das ist laut AMP Robotics “an einem Wochenende” erledigt. Für die KI-Bildanalyse kommt eine “genaue und höchst zuverlässige Industriekamera” zum Einsatz, die laut AMP Robotics “einzigartige Merkmale in komplexen Materialströmen” erkennen können soll.

Schneller und effizienter als der Mensch

Sortiert wird bei AMP Robotics alles, was so im Müll landet: Das Start-up verspricht, dass Metalle, Batterien, Kondensatoren, Kunststoffe, Leiterplatten, Drähte, Kartons, Flaschenverschlüsse, Pappe, Becher, Schalen, Deckel, Aluminium und dünne Folien nach Farbe, Klarheit und Opazität sortiert werden können.

Sogar gemischte Kunststoffe, der größte Störfaktor im aktuellen Recycling-System, soll das KI-Recycling erkennen und aussortieren können.

Trainiert wird die Recycling-KI kontinuierlich mit Millionen von Bildern, die innerhalb des AMP Cloud-Netzwerks und zwischen schon installierten Sortiermaschinen abgeglichen werden. Durch das fortlaufende KI-Training soll das System die Genauigkeit kontinuierlich verbessern sowie neue Materialien erkennen lernen und auch mit sich verändernden Verpackungen klarkommen.

Eine Daten-Software bereitet automatisch eine Materialstromanalyse für Anlagenmanager auf mit Schlüsselinformationen wie der Materialzusammensetzung pro Ballen.

In den USA wird das System von AMP Robotics bereits eingesetzt: Mehr als eine Milliarde Recycling-Materialien sollen schon analysiert worden sein bei Installationen in mehr als 20 Staaten.

Seit der Gründung im Januar 2015 erhielt AMP Robotics rund 75 Millionen US-Dollar von Investoren. Die jüngste Finanzierung über 55 Millionen US-Dollar datiert auf den 4. Januar 2021. Das Geld soll in die Expansion und die Fortentwicklung der Technologie fließen.

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