Als Mitgründer von OpenAI wollte Elon Musk ein Gegengewicht setzen zu kommerziell orientierter Künstlicher Intelligenz großer Konzerne. Die jüngsten Entwicklungen bei OpenAI sieht er kritisch. Zu Recht?

Im März 2019 startete der Umbau von OpenAI: Die bis dato reine Non-Profit-Organisation öffnete sich für wirtschaftliche Ziele und gründete die gewinnorientierte Einheit OpenAI LP. OpenAI begründete diese Umstrukturierung mit der Notwendigkeit, hohe Einnahmen generieren zu müssen, um mit Konzernen wie Google oder Facebook bei der KI-Entwicklung Schritt halten zu können.

Gut möglich, dass OpenAIs Führungsriege damals schon wusste, was im Juni folgte: Microsoft stieg als Großinvestor bei OpenAI ein, die Rede ist von Milliarden US-Dollar, unter anderem für ein Cloud-Computer-Projekt für besseres KI-Training.

Jetzt ist der nächste Deal bekannt: Vergangene Woche vermeldeten die beiden Unternehmen, dass sich Microsoft exklusive Rechte am Code von OpenAIs mächtiger Sprach-KI GPT-3 sicherte.

Diese Exklusivität stößt in der KI-Szene auf Kritik, insbesondere bei jenen, die darauf hoff(t)en, dass OpenAI als wichtiger KI-Innovator nicht allein durch kommerzielle Interessen getrieben wird. Wer die Offenheit im Firmennamen trägt, wird an ihr gemessen.

Elon Musk, der OpenAI mit eben jener Offenheit im Sinn mitgründete, kommentiert den Microsoft-Deal bei Twitter: “Das scheint das Gegenteil von offen zu sein. OpenAI wird im Prinzip von Microsoft übernommen.”

Open ungleich Open Source

In der Vergangenheit veröffentlichte OpenAI die selbsttrainierten KI-Modelle als Open-Source-Software für jedermann. Die Vollversion von GPT-2 beispielsweise kann man frei im Netz herunterladen – nach einer stufenweisen Veröffentlichung seitens OpenAI, um mögliche gesellschaftliche Auswirkungen zu beobachten.

Doch mit GPT-3 änderte OpenAI das Open-Source-Paradigma erstmals: Das KI-Modell ist ab Oktober nur über eine bezahlte Schnittstelle zugänglich. Das vollständige Modell ist nicht verfügbar.

Hinzu kommt der oben erwähnte Exklusivdeal mit Microsoft, bei dem noch nicht klar ist, wie er sich auf die Zukunft des Produkts auswirken wird. Den Schnittstellenzugang will OpenAI zunächst weiter anbieten.

Mächtige KI braucht mächtige IT

Dass es für eine Zugangsbarriere zu GPT-3 neben wirtschaftlichen auch technische Gründe gibt, darauf weist Mark Riedl hin, außerordentlicher Professor am College of Computing und stellvertretender Direktor des Zentrums für maschinelles Lernen am Georgia Institute of Technology.

Bei GPT-3 handele es sich erstmals um ein so großes und umfangreich trainiertes KI-Modell, dass es nicht mehr von einem Computer-Cluster auf ein anderes kopiert werden könne. Außerdem benötige das KI-Training “hunderttausende US-Dollar an Cloud-Computing-Ressourcen”. Wahrscheinlich meint Riedl hier den Trainingsprozess für das Feintuning der KI – das grundlegende Training von GPT-3 dürfte Millionen gekostet haben.

Aus einer wissenschaftlichen Perspektive sei die fehlende Reproduzierbarkeit des Modells ein Problem, so Riedl. Außerdem gelange OpenAI, ob gewollt oder nicht, in eine Kontrollposition: “Wenn wir glauben, dass der Weg zu einer besseren KI tatsächlich größere Modelle sind, dann wird OpenAI zum Torwächter dafür, wer eine gute KI haben darf und wer nicht. Sie werden in der Lage sein, (explizit oder implizit) Einfluss auf weite Teile der Wirtschaft auszuüben.”

OpenAI als Torwächter

Dass OpenAI aufgrund des höheren technischen Aufwands zum Torwächter wird über den Zugang zu einer leistungsfähigen KI-Technologie, wirft Fragen auf, die das Unternehmen beantworten sollte: Dürfen Republikaner die KI ebenso für ihre Zwecke einsetzen wie Demokraten? Nach welchen Maßstäben entscheidet OpenAI, wer einen Zugang bekommt? Spielen Microsofts Firmeninteressen eine Rolle, wenn sich eine Google-Angestellte für den Schnittstellen-Service anmeldet?

Die grundlegendste Frage lautet: Wie kann OpenAI gewährleisten, dass die eigene KI-Technologie tatsächlich so eingesetzt wird, wie es im Mission-Statement der Organisation steht: zum Wohl der Menschheit? Und wer definiert dieses Wohl?

Nun wird sich das Wohl der Menschheit nicht an der Vermarktung von GPT-3 entscheiden. Aber: Es wird schnell noch bessere KI-Produkte geben. Der GPT-3-Fall könnte also als Blaupause für das Marktverhalten von OpenAI und Microsoft dienen – was wiederum Signalwirkung für die KI-Branche haben könnte.

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