Nvidia kauft „DeepMap“ und macht Jagd auf Waymo

Nvidia kauft „DeepMap“ und macht Jagd auf Waymo

Der Chip-Hersteller Nvidia schluckt ein Start-up für HD-Karten. Was verspricht sich Nvidia von der Übernahme und wer steckt hinter DeepMap?

Kürzlich veröffentlichte das Marktforschungsunternehmen Guidehouse Insights einen umfassenden Report, in dem die derzeit besten Hersteller der Branche verglichen wurden. In dem Ranking ist Nvidia als eines der dominanten Unternehmen beim autonomen Fahren aufgeführt.

Nur Googles Schwesterunternehmen Waymo liegt den Marktforschern zufolge noch vor Nvidia. Der KI-Chip-Hersteller dürfte mit seiner jüngsten Akquise den Abstand auf Waymo verkürzen: Mit der Übernahme von DeepMap investiert Nvidia weiter in die hauseigene Technologie für autonome Fahrsysteme.

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Was HD-Karten so wichtig macht

Hochdetaillierte Karten sind eine Grundvoraussetzung für sicheres autonomes Fahren. Gängige GPS-Navigation ist bei freiem Himmel auf etwa fünf Meter genau – das ist viel zu gering, um ein selbstfahrendes Auto sicher durch die Stadt zu lotsen. Gebäude, Berge oder Bäume können das Signal zudem stören oder zu noch größeren Ungenauigkeiten führen.

HD-Karten für autonomes Fahren hingegen ermöglichen eine Genauigkeit im Zentimeterbereich. Die Karten bilden Details wie exakte Standorte von Straßenschildern oder sogar die Höhe eines Bordsteins ab und liefern sie für die Navigation an das KI-System eines autonomen Fahrzeugs.

Neben der Genauigkeit der HD-Karten ist auch ihre permanente Aktualisierung wichtig. Veränderungen im Straßenbild müssen wiedergegeben und auf ganze Flotten hinweg effizient skaliert werden können. Werden beispielsweise Baustellen nicht akkurat erfasst, kann es zu Irrfahrten wie der eines Waymo-Taxis in Arizona kommen.

DeepMap AI: Das sind Nvidias HD-Mapping-Experten

DeepMap AI verfügt über geballte Kompetenz auf dem Gebiet des HD-Mappings. Das Unternehmen wurde 2016 von James Wu und Mark Wheeler gegründet, die zuvor unter anderem für Apple, Google und Baidu arbeiteten. Wu war einer der Architekten von Baidus Fahrsystem „Apollo“ und schon dort hauptsächlich für die Erstellung der HD-Karten für autonomes Fahren verantwortlich.

Co-Gründer Mark Wheeler hält über 15 Patente in den Bereichen Computer Vision, geografische Informationssysteme und der Punktwolkenverarbeitung von Lidar-Sensoren. In seiner fünfjährigen Firmenhistorie schaffte es das Start-up, Investoren wie Bosch, Goldman Sachs und eben Nvidia an Land zu ziehen. Zu den zahlreichen Partnern aus der Automobilbranche zählen Ford, Mercedes-Benz und SAIC Motor.

DeepMap-Partner werden weiterhin versorgt

Ali Kani, Nvidias General Manager of Automotive, verspricht sich von der DeepMap-Akquise eine Erweiterung des eigenen Kartenangebots. Außerdem sollen Wu, Wheeler und das gesamte Team bei der Skalierung des weltweiten Kartenbetriebs helfen und Nvidias Expertise im autonomen Fahren weiter ausbauen.

Das KI-Unternehmen liefert seine Software für autonomes Fahren „NVIDIA DRIVE“ an namhafte Autobauer wie Volvo, SAIC oder den offiziellen Nvidia-Partner Nio. Außerdem steckt Drive auch in den Robo-Taxis von Amazons Zoox, Pony.ai oder der GM-Tochter Cruise, die erst kürzlich eine Lizenz für fahrerlose Taxis in Kalifornien erhielten.

Nvidia kündigte bereits an, weiterhin mit DeepMaps Ökosystem arbeiten und dieses nicht gänzlich „schlucken“ zu wollen. Dazu will der Tech-Gigant in neue Services für bestehende und künftige DeepMap-Partner investieren. Der Abschluss der Übernahme ist für das dritte Quartal 2021 geplant.

Titelbild: DeepMap AI, Quelle: Nvidia, DeepMap AI

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