Nextmind: Hirn-Interface mit KI-Unterstützung startet

Nextmind: Hirn-Interface mit KI-Unterstützung startet

Nextmind ist ein EEG-basiertes Hirninterface für Computerbefehle, das man gut tragen kann. Dank KI-Optimierung soll es laufend besser werden. Jetzt startet der Verkauf an Entwickler.

Vor wenigen Tagen stellte die Open-Source-Plattform für Gehirn-Computer-Schnittstellen OpenBCI die Hirnschnittstelle „Galea“ vor, die speziell für VR und AR entwickelt wird. Das Problem: Sie sieht in etwa so aus.

Bild des Hirn-Interfaces

Für Galea wird man ergänzend zur VR-Brille einen ganzen Helm aufziehen müssen. Das Gerät von Nextmind erfasst im Vergleich zwar nur den visuellen Kortex, ist dafür aber deutlich kompakter und bequemer. | Bild: OpenBCI

Allerdings richtet sich Galea vornehmlich an Industrie und Wissenschaft und soll möglichst viele Hirndaten aufzeichnen.

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Das Gerät des 2017 gegründeten Parier Start-ups Nextmind hingegen ist für Endverbraucher gedacht und deutlich handlicher: Die 60 Gramm leichte Scheibe wird am Hinterkopf getragen, direkt am visuellen Cortex. Acht Elektroden sollen dort Signale von Hirnströmen aufnehmen und Entwicklern als Eingabesignal für Computer-Anwendungen bereitstellen.

Nextmind sitzt als kleine Scheibe am Hinterkopf. Die schon in Entwicklung befindliche zweite Generation soll noch kleiner werden. | Bild: Nextmind

Nextmind sitzt als kleine Scheibe am Hinterkopf. Die schon in Entwicklung befindliche zweite Generation soll noch kleiner werden. | Bild: Nextmind

KI soll Hirndaten entschlüsseln

Beim ersten Einsatz wird das Hirninterface auf das jeweilige Gehirn kalibriert, auf dem es sitzt: Der Träger fokussiert dafür ein markantes visuelles Objekt, was ein bestimmtes Hirnwellenmuster erzeugt, das wiederum von den Elektroden erfasst wird. So erstellt die Software in rund 45 Sekunden ein neuronales Profil – der Prozess soll in einigen Monaten nach weiteren Software-Verbesserungen nicht mehr notwendig sein.

Die Technik funktioniert: Anfang des Jahres demonstrierte Nextmind das Gerät auf der Fachmesse CES 2020 unter anderem mit einer VR-Demo, bei der man allein durch Blicke Gegner besiegen konnte. Dafür gab es zwei Preise als „Beste VR/AR Innovation“ und „Preisträger für Wearable-Technologie“.

Die KI-gestützte Software ist außerdem lernend angelegt, sodass sich die Hirnwellenerkennung mit jeder Nutzung verbessern soll. Je mehr Nutzer das Gerät einsetzen, desto besser wird Nextmind darin, Hirnwellen als präzisen Computerbefehl zu deuten.

Alle paar Wochen sollen die Algorithmen für Nextmind verbessert werden, verspricht das Unternehmen. Außerdem würden auch Nutzer den Umgang mit dem Gerät lernen, ähnlich wie bei Maus und Tastatur.

Nextmind: Verkauf startet

Jetzt startet Nextmind den Verkauf offiziell: Das Unternehmen bietet über die eigene Webseite eine Entwicklerversion für 399 Euro an. Schon im November sollen hunderte Einheiten verkauft worden sein, weitere tausend Geräte werden im Dezember produziert.

Das Entwicklerkit kommt mit dem Nextmind-Sensor, einer Kopfhalterung und der Nextmind-Engine, die maschinelles Lernen für die Optimierung der Gehirnwellenerkennung einsetzt, um diese wiederum präziser in Computerbefehle zu übersetzen.

Das Entwicklerkit ist mit der Unity Engine kompatibel und läuft auf Plattformen wie Windows 10, macOS sowie mit gängigen VR- und AR-Brillen. Mitgeliefert werden einige Demo-Apps, darunter einfache Spiele und ein Musikgenerator.

Bei Videospielen beispielsweise soll Nextmind in Kombination mit einem Gamepad eingesetzt werden können. Entwickler hätten jetzt die Aufgabe, sinnvolle Apps für die neue Eingabemethode zu entwickeln, sagt Nextmind-CEO Sid Kouider.

Nextmind kooperiert mit anderen Unternehmen, zu speziellen Enterprise-Entwicklerkits sollen Gespräche mit 25 möglichen Kunden und Partnern laufen. Drei Partner hat Nextmind schon gefunden: Sie sollen die Technologie in Geräte integrieren, die „in den nächsten Jahren“ auf den Markt kommen. Zukünftig will Nextmind AR-Anwendungen stärker in den Fokus nehmen.

Quellen: Venturebeat, Engadget

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