Nach 15 Jahren Flucht: Gesichtserkennung fasst Trickbetrüger

Nach 15 Jahren Flucht: Gesichtserkennung fasst Trickbetrüger

Gesichtserkennung schaut genauer hin – auch nach vielen Jahren noch.

Das Justizministerium der Vereinigten Staaten berichtet über einen interessanten Fall, das zeigt, wie wirkungsvoll Gesichtserkennung in der Strafverfolgung sein kann – sogar bei Fällen, die schon viele Jahre ungeklärt sind.

Der heute 54-jährige Randy Levine entzog sich 2005 einer Strafverfolgung in den USA. Damals ermittelte das FBI wegen Betrugs gegen Levine: Er bot Menschen an, Glücksspielkonten für sie einzurichten und Geld darauf einzuzahlen, wenn sie es ihm schickten. Levine bekam das Geld, die Konten richtete er nicht ein. Mehr als 25 Menschen soll Levine mit dieser Masche um mehrere hunderttausend US-Dollar betrogen haben.

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Im Zuge der Ermittlungen wurde Levines Pass beschlagnahmt, doch es gelang ihm, einen Ersatzpass zu organisieren und nach Polen zu fliehen. Dort wurde er 2008 festgenommen, allerdings nicht an die USA ausgeliefert.

Nach einer mehrjährigen Verhandlung zwischen Polen und den USA hätte Levine ab Ende 2011 ausgeliefert werden können. Doch zu diesem Zeitpunkt war er bereits wieder geflüchtet.

Levine wollte Bankkonto in Österreich eröffnen: Gesichtserkennung schlägt Alarm

Im Mai 2020 meldeten sich dann österreichische Behörden beim FBI: Ein Gesichtserkennungssystem erkannte Levine, als dieser in Österreich mit einem mexikanischen Pass ein Konto eröffnen wollte. Nicht übermittelt ist, welches Foto Levine im Pass verwendete – offensichtlich ähnelte es ihm noch genug, damit das System sein Gesicht anhand früherer Fotos wiedererkannte.

Levine wurde daraufhin im Juni 2020 in Österreich festgenommen und anschließend an die USA ausgeliefert. Dort wurde er jetzt wegen Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Richter ordnete außerdem an, dass Levine mehr als 600.000 US-Dollar an seine Opfer zurückzahlen muss.

In den USA wird der behördliche Einsatz von Gesichtserkennung kontrovers diskutiert. Erfolgreichen Ermittlungen wie jener im Fall Levine stehen Horrorszenarien entgegen, wie es Nijeer Parks widerfahren ist, der von der umstrittenen KI-App Clearview falsch identifiziert und auf dieser Basis von US-Polizisten zu Unrecht inhaftiert wurde.

Das bislang strengste Gesetz gegen Gesichtserkennung erließ die US-Stadt Portland. Der Einsatz ist verboten und wird mit hohen Geldstrafen geahndet.

Quelle: Justizministerium der Vereinigten Staaten; Via: The Verge | Titelbild: Microsoft

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