Motion Sickness trübt manchen VR-Enthusiasten den Spaß am Erlebnis. Haben schwedische Forscher einen Weg gefunden, um die VR-Übelkeit zu besiegen?

Ein Forschungsteam der Universität Göteborg in Schweden veröffentlichte kürzlich in Kooperation mit der US-Universität Stanford eine Studie, die sich unter anderem mit Motion Sickness befasst. Das Team untersuchte, ob sich die Übelkeit verhindern lässt, wenn sich Nutzer während ihrer VR-Erfahrung im Wasser befinden.

Für VR-Enthusiasten, die einen Swimmingpool ihr Eigen nennen und eine wasserdichte VR-Brille, könnte Motion Sickness also bald kein Thema mehr sein, wenn es nach der Forschungsthese geht.

Was ist Motion Sickness?

In der Psychologie spricht man beim bewussten und subjektiven Erleben der Eigenbewegung von Vektion. Wird einem ruhenden Betrachter durch visuelle Sinneseindrücke die eigene Bewegung nur vorgegaukelt, kann das Übelkeit verursachen.

Motion Sickness entsteht also, wenn das Innenohr keine Bewegung spürt, das Auge sie aber wahrnimmt. Das kann vor allem bei VR-Spielen mit Egoperspektive wie Half-Life: Alyx (Test) auftreten. Bewegt ihr euch darin fließend mit dem Joystick durch die virtuelle Welt, steht aber in der Realität immer am selben Fleck, kann das ein mulmiges Gefühl im Magen verursachen oder Kopfschmerzen.

Ob die VR-Übelkeit eintritt, hängt vor allem von der eigenen Konstitution ab. Spieleentwickler haben außerdem viele nützliche Hilfen eingebaut, die das Spielerlebnis für empfindliche Mägen angenehmer machen. In unserem Einsteiger-Guide zur Virtual Reality zeigen wir, wie ihr trotzdem Spaß in VR haben könnt, auch wenn ihr anfällig für Motion Sickness seid.

VR im Wasser könnte gefühlte Bewegungsdiskrepanz ausgleichen

Géraldine Fauville und ihr Team verfolgen einen neuen Ansatz bei der Forschung an Vektion und Motion Sickness. In ihrer Studie beleuchten sie, ob das Unwohlsein unterbunden werden kann, wenn sich Nutzer während des VR-Erlebnisses im Wasser befinden.

Widersprüchliche sensorische Informationen könnten ihrer These nach im Wasser reduziert werden. Die bereits beschriebene Diskrepanz zwischen Innenohr und Auge könnte sinken und somit Übelkeit ausbremsen.

Virtueller Ozeantauchgang im Schwimmbecken

Insgesamt 23 Frauen und 15 Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren nahmen an dem Experiment teil. Per Smartphone-VR wurden sie in das speziell entwickelte VR-Erlebnis OceanDIVR geschickt.

Ein Screenshot aus dem VR-Erlebnis OceanDIVR zeigt einen Mantisrochen im Ozean.

In der VR-Erfahrung Ocean DIVR erlebten die Probanden einen Ozeantauchgang.| Bild: Ballast Technologies, Inc.

Darin wird ein knapp 300 Meter langer Strömungstauchgang im Ozean simuliert. Die VR-Taucher begegnen Mantarochen, Haien und Buckelwalen oder sehen U-Boote und Schiffwracks.

In einem Durchgang standen die Teilnehmer an Land und trugen ein Samsung Galaxy S8 Smartphone in einem Samsung GearVR-Headset. Ein weiterer Durchgang fand im Wasser statt. Mit einem Schnorchel und einem wasserdichten Gehäuse über dem Smartphone tauchten die Probanden in ein Schwimmbecken. Dort schwebten sie während des fünfminütigen VR-Erlebnisses im Wasser. Damit sie nicht abdriften konnten, wurden sie an einer Art Anker befestigt.

Bewegungsempfinden steigt Unterwasser

Vor und nach der jeweiligen Erfahrung sollten sie aufgrund vorher betrachteter Referenzpunkte in der Realität Einschätzungen zu Entfernungen abgeben. Dazu machten sie in einen Fragebogen Angaben zum Auftreten typischer Motion Sickness-Symptome.

Auf einer Skala von „überhaupt nicht“ bis „stark“ schätzten die Probanden Gefühle wie Übelkeit, Augenbeschwerden, flauer Magen und allgemeines Unwohlsein ein.

Die Studie ergab, dass Teilnehmer an Land und im Wasser starke Unterschiede in der Bewegungswahrnehmung spürten. An Land empfanden die Probanden kaum körperliche Bewegung. Im Schnitt gaben sie an, sich weniger als einen halben Meter bewegt zu haben. Die Schnorchler dachten jedoch, sie hätten knapp drei Meter zurückgelegt.

Ist Wasser der erhoffte Motion-Sickness-Killer?

Im Fall von Motion Sickness machte es allerdings keinen signifikanten Unterschied, ob die Teilnehmer im Wasser oder an Land waren. Die Forscher gehen davon aus, dass der verwendete Fragebogen nicht für die Wasser-VR-Studie geeignet war.

Studienteilnehmer die mit einer VR-Brille an Land und im Wasser eine virtuelle Tauchsimulation erleben.

Die Probanden erlebten den virtuellen Tauchgang an Land oder im Wasser. | Bild: Universität Göteborg

Das „Simulator Sickness Questionaire“ ist ein gängiger Fragebogen, der zur Messung von Motion-Sickness-Symptomen verwendet wird. Allerdings bezieht er auch Aspekte in die Auswertung wie Schwitzen ein, die bei einem VR-Erlebnis im Wasser kein Kriterium sind.

Mit einer angepassten Messtechnik wollen die Forscher künftig genauere Ergebnisse über Bewegungsübelkeit schaffen. Ein eigenes Schwimmbecken scheint dennoch nicht das erhoffte Mittel gegen Motion Sickness zu sein.

Titelbild: Ballast Technologies Inc., Quelle: Nature.com

Weiterlesen über VR-Forschung:

steady2

MIXED.de Podcast: VR, AR und KI - jede Woche neu

Jetzt reinhören: Alle Folgen


Hinweis: Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.